Apothekennews

Was hilft gegen Haarausfall?

Vererbt, verstärkt oder kreisrund

Jeder Mensch verliert etwa 100 bis 150 Haare am Tag – das ist völlig normal und gehört zum Haarlebenszyklus dazu. Die ausgefallenen Haare machen nämlich die Haarwurzeln für ein gesundes, neues Haar frei. Doch was hilft, wenn deutlich mehr Haare ausfallen?

Oft sind die Gene Schuld

Übermäßiger Haarausfall hat viele Gründe. Eine der häufigsten Formen ist der erblich bedingte Haarausfall, die sogenannte androgenetische Alopezie, die sich bei Männern und Frauen etwas unterscheidet.

  • Bei Männern beginnt der erblich bedingte Haarausfall oftmals im frühen Erwachsenenalter. Bemerkbar macht er sich durch Geheimratsecken, eine Tonsur oder eine Glatze.
  • Bei Frauen wird das Kopfhaar vor allem im Scheitelbereich lichter – eine Glatze entsteht in der Regel nicht. Die androgenetische Alopezie beginnt häufig erst nach den Wechseljahren, wenn die Östrogen-Level sinken.

Gegen den erblich bedingten Haarausfall gibt es eine Vielzahl von angepriesenen „Wundermitteln“. Hier ist Vorsicht angesagt: Bei vielen der kosmetischen Mittel fehlt jeder Wirknachweis. Im Moment in Handel sind der Wirkstoff Minoxidil oder – bei Männern – auch das rezeptpflichtige Finasterid.

Einsparmodus unter Stress

Auch psychischer Stress, ein Nährstoffmangel, hormonelle Schwankungen (z. B. in den Wechseljahren), eine Hormonersatztherapie oder bestimmten Medikamente können zu einem vermehrten Ausfallen von Haaren führen. Grund hierfür ist, dass der Körper unter Stress – egal welcher Ursache – alle Funktionen einschränkt, die nicht überlebensnotwendig sind. Das lässt sich neben dem Nagel- und Haarwachstum z. B. auch gut beim Muskelaufbau beobachten.

Nach besonders traumatischen Ereignissen, wie z. B. nach einem Autounfall, kann es sein, dass die Haare sofort ausfallen. Häufiger ist jedoch der subakute Haarausfall, bei dem ein Stressfaktor über längere Zeit besteht. Dann fallen die Haare langsam und etwa zwei bis drei Monate später aus. In diesem Fall hängt die Therapie von dem Auslöser ab. Meist sind es mehrere Ursachen, z.B. eine Mischung aus psychischem Stress und Nährstoffmangel.

Die Haarbehandlung besteht dann aus zwei Dingen: spezielle Zubereitungen, wie z. B. Minoxidil-Lösungen, werden direkt auf die Kopfhaut gegeben und stimulieren die Haare. Des Weiteren wird die Hautärzt*in Nährstoffe empfehlen, die das Haarwachstum fördern. Diese nimmt die Patient*in entweder ein, z. B. als Tabletten, oder die Ärzt injiziert sie direkt einige Millimeter unter die Kopfhaut (Mesotherapie).

Mikronährstoffe können die Behandlung unterstützen – allerdings nur dann, wenn auch ein Mangel besteht. Denn fehlen dem Körper Spurenelemente, wie Eisen und Zink, oder Vitamine, wie Vitamin B12, kann dies einen Haarausfall begünstigen. Tipp: die Grünalge Chlorella ist reich an Vitamin B12 sowie Eisen und kann als pflanzliches Produkt auch von Veganer*innen eingenommen werden.

Typische Kreisform bei Autoimmunerkrankungen

Die dritthäufigste Form ist der „kreisrunde Haarausfall“, die sogenannte Alopecia areata. Typisch sind hier runden, kahlen Stellen auf dem Kopf. Verursacht wird diese Form des Haarausfalls vermutlich durch eine Autoimmunerkrankung. In diesem Fall sollte man auf keinen Fall selbst experimentieren, sondern lieber eine Ärzt*in aufsuchen.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung und Allgemeinarzt-online


HIV-Test für zu Hause

Sicher und diskret

Wer Sorge hat, sich mit HIV infiziert zu haben, kann das diskret zu Hause testen. Denn seit einiger Zeit sind in Apotheken, Drogerien und Internet HIV-Selbsttests erhältlich. Bei ihrer Anwendung ist jedoch einiges zu beachten.

Drei Risikogruppen für HIV

Auch wenn es um HIV recht still geworden ist in Deutschland – die Gefahr, sich bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr damit anzustecken, besteht weiterhin. Besonders groß ist sie laut Robert Koch-Institut für folgende Risikogruppen:

  • Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten
  • Menschen aus Regionen, in denen HIV stark verbreitet ist (alle afrikanischen Länder unterhalb der Sahara, große Teile der Karibik und Südostasiens)
  • Menschen, die Drogen konsumieren.

Um eine HIV-Infektion nachzuweisen, reichen wenige Tröpfchen Blut. Denn darin befinden sich Antikörper, die der Organismus durch den Virenkontakt gebildet hat. Das gilt sowohl für die Testverfahren, die in Labors angewendet werden, als auch für den Selbsttest in den eigenen vier Wänden.

Vorsicht bei Tests aus dem Internet

Selbsttests auf HIV kann man für etwa 30 Euro in der Drogerie und in der Apotheke kaufen. Um ein zuverlässiges Testergebnis zu bekommen, empfiehlt die Deutsche Aids-Hilfe:

  • Erst zwölf Wochen nach dem möglichen Infektionsrisiko testen! Erst dann sind die Antikörper in so hoher Konzentration vorhanden, dass ein Selbsttest sie nachweisen kann (Labortests sind empfindlicher und können eine Infektion schon nach sechs Wochen erkennen).
  • Nur Tests verwenden, die das CE-Prüfzeichen der Europäischen Union haben. Beispiele sind Simplitude ByMe HIV-Selbsttest, Exacto Pro HIV oder INSTI HIV Self Test. Im Internet werden auch Tests ohne Prüfzeichen angeboten. Von denen sind viele jedoch von fraglicher Qualität.
  • Der Test sollte annähernd 100% sensitiv sein, d.h. er sollte bei richtiger Anwendung keine Infektion übersehen. Bei den Tests mit einem CE-Prüfzeichen ist dies der Fall.
  • Nicht testen, wenn eine Postexpositionelle Prophylaxe (PEP) eingenommen wurde. Direkt nach einem riskanten Ereignis kann man mit der Einnahme von HIV-Medikamenten das Infektionsrisiko senken. Trotz dieser PEP wird eine Infektion nicht immer verhindert, sondern nur die Vermehrung des Virus gebremst. In diesen Fällen sind Selbsttests trotz HIV-Infektion oft negativ. Wer eine PEP angewendet hat, sollte sich deshalb immer mit einem Labortest testen lassen.
  • Gebrauchsanleitung akribisch befolgen. Von besonderer Bedeutung beim Selbsttest ist der Ablesezeitpunkt. Bei einigen Tests ist das Zeitfenster sehr kurz, das Ergebnis ist meist nach fünf bis zehn Minuten erkennbar und sollte spätestens nach 20 Minuten abgelesen werden. Videos zur Anwendung finden sich für die verschiedenen Testverfahren auf der Webseite des Paul Ehrlich-Instituts.

Was tun im positiven Fall?

Bei einem positiven Testergebnis sollte eine Ärzt*in oder eine Beratungsstelle aufgesucht werden. Zum einem, um einen Bestätigungstest durchführen zu lassen. Denn nur durch einen Labortest bestätigte Ergebnisse gelten als sicher. Anonym ist das bei den Gesundheitsämtern oder bei der AIDS-Hilfe möglich.

Außerdem ist es sinnvoll, so bald wie möglich eine medikamentöse Therapie einzuleiten. Im Gegensatz zu früher ist eine HIV-Infektion kein Todesurteil mehr. Wird sie frühzeitig erkannt und sachgerecht behandelt, ist die Lebenserwartung heutzutage fast normal.

Quellen: RKI, Paul-Ehrlich Institut, Deutsche Aidshilfe


Rezepte besser früh einlösen

Lieferengpass von Medikamenten

Ob Fieber- und Antibiotika-Säfte, Blutdruckmittel oder gar Krebsmedikamente: Im Moment kommt es immer wieder zu Lieferengpässen. Warum ist das so und was kann Ihre Apotheke für Sie tun, wenn ein benötigtes Medikament fehlt?

Mannigfaltige Ursachen

Die Ursachen für Lieferengpässe sind sehr unterschiedlich. Viele Wirkstoffe werden in wenigen Fabriken in Indien und China produziert. Kommt es dort zu einem Ausfall, beispielsweise durch einen Brand, wirkt sich dies auf die ganze Welt aus. Manchmal fehlen Medikamente aber auch durch eine gestiegene Nachfrage, wie zuletzt bei den Fiebersäften. Und manchmal sind Medikamente in Deutschland günstiger als im Ausland, so dass die betroffenen Wirkstoffe eher in das Ausland exportiert werden. Ein Beispiel hierfür ist das Krebsmittel Tamoxifen. Wegen der vielfältigen Ursachen gibt es keine einfache Lösung für die Lieferengpässe.

In der Apotheke beraten lassen

Wenn Ihr Medikament nicht verfügbar ist, hilft Ihnen Ihre Apotheker*in weiter. Zuerst versucht die Apotheke, das Medikament aus dem Großhandel oder anderen Apotheken zu beschaffen. Ein Engpass betrifft meistens einen bestimmten Medikamentenhersteller und eine konkrete Medikamentendosierung. Das lässt der Apotheke einige Alternativen. Bei vielen Wirkstoffen ist ein Wechsel zu einem Präparat eines anderen Herstellers unproblematisch, beispielsweise bei Medikamenten gegen Bluthochdruck. Oft kann ein Wirkstoff auch in einer anderen Dosierung ausgegeben werden, da viele Tabletten teilbar sind. Oder aber die Darreichungsform ändert sich: Statt dem Ibuprofen-Fiebersaft kann man den Wirkstoff auch über ein Zäpfchen oder eine Tablette bekommen. Möglicherweise stellt Ihre Apotheke den Fiebersaft auch direkt selbst her.

Frühzeitig Rezepte einlösen

Insbesondere Menschen mit Dauermedikation können auch selbst tätig werden - indem sie ihre Rezepte so früh wie möglich einlösen. Im Idealfall haben Sie dann noch einige Tagesrationen der Medikamente im Haus. Mit der Vorlaufzeit hat Ihre Apotheke genug Zeit, diesen oder einen vergleichbaren Wirkstoff zu beschaffen, falls ein Engpass vorliegt.
Übrigens: Auch Ihre Apotheke hat nur begrenzte Informationen. Ob ein Lieferengpass vorliegt, erfährt diese vom Großhändler oder vom Hersteller. Informationen, wann ein Medikament wieder lieferbar ist, liegen dort häufig nicht vor.

Weitere Information

Interessierte finden auf der Internetseite des Bundesamtes für Arzneimittel (BfArM) weitere Informationen zu Medikamenten, die aktuell nicht lieferbar sind: Lieferengpässe für Humanarzneimittel

Quellen:


Schon 6.000 Schritte gut für´s Herz

Es müssen keine 10.000 sein

Wer sich viel bewegt, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bisher sollten dafür etwa 10.000 Schritte am Tag nötig sein. Doch bei Senior*innen reicht offenbar schon eine geringere Schrittzahl für den Herzschutz.

Bewegung ist alles

Gesund ernähren, Übergewicht vermeiden und bewegen, bewegen, bewegen: Mit dieser Lebensstrategie kann man sein Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall gut senken. Neben dem von der WHO geforderten Kraft- und Ausdauertraining ist bereits einfaches Gehen nützlich. Meist werden dabei mindestens 10.000 Schritte gefordert.

Für Senior*innen ist diese hohe Zahl oft abschreckend. Viele kommen auch aus körperlichen Gründen nicht auf diese Schrittmenge. Doch jetzt hat ein amerikanisches Team herausgefunden, dass bei Menschen über 60 Jahre schon ein geringeres Schrittpensum protektiv wirkt.

Über 60-Jährige schafften im Schnitt 4.323 Schritte/Tag

Dazu analysierten die Forschenden acht Studien, in denen insgesamt über 20.000 Männer und Frauen ihre tägliche Schrittmenge bestimmt hatten. Die unter 60-Jährigen schafften im Schnitt 6.911 Schritte am Tag, die über 60-Jährigen 4.323.

Bei den 12.741 teilnehmenden Senior*innen kam es in den Folgejahren zu 1.210 Schlaganfällen, tödlichen oder nicht-tödlichen Herzinfarkten und Fällen von Herzschwäche. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hing dabei mit der Anzahl der Schritte zusammen. In der Gruppe mit dem höchsten Schrittpensum (durchschnittlich 9.259 Schritte/Tag) traten 187 Herz-Kreislauf-Ereignisse auf. In der Gruppe, die am wenigsten ging (durchschnittlich 1.811 Schritte/Tag) kam es dagegen zu 457 Ereignissen.

Herzinfarktgefahr halbiert

Senior*innen der laufstärksten Gruppe erlitten damit im Vergleich zu den Bewegungsmuffeln nur halb so häufig Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Aber auch die beiden mittleren Gruppen profitierten von der Bewegung. Wer es auf durchschnittlich 5.520 Schritte am Tag brachte, senkte das Risiko um 38%, wer 3.823 Schritte zurücklegte, um 20%.

Nicht entmutigen lassen!

Die Vorteile für Herz und Gefäße beginnen bei Senior*innen schon also weit unter 10.000 Schritten am Tag, resümiert das Autorenteam. Deshalb sollten sich ältere Menschen nicht entmutigen lassen, wenn die magische Zahl 10.000 nicht erreichbar ist. Denn schon die Hälfte davon trägt dazu bei, vor Herzinfarkt und Schlaganfall zu schützen.

Quelle: Ärzteblatt


Fiebersaft nicht selbst mixen!

Schlechter Rat aus dem Internet

Flüssige Arzneien mit fiebersenkenden Wirkstoffen sind heutzutage schwer zu bekommen. Manche Eltern mixen in der Not den Fiebersaft fürs Kind nach Internetanleitung selbst an. Doch davon ist dringend abzuraten.

Tablette ins Wasser und auflösen…

Lieferengpässe gibt es momentan bei vielen Arzneimitteln. Typische Beispiele sind Krebsmedikamente, Hochdruckmittel und Antidiabetika. Aber auch Fiebersäfte mit den Wirkstoffen Ibuprofen und Paracetamol sind vielerorts Mangelware.

Findige Schlaumeier bieten im Internet eine Do-it-yourself-Lösung. So soll man z. B. eine Tablette Ibuprofen (400 mg) in ein Glas Wasser oder Apfelsaft geben und gut umrühren. Dann entnimmt man die benötigte Menge einfach mit der Spritze und verabreicht sie dem Kind in den Mund.

Es drohen Dosierungsfehler und Infektionen

Doch so einfach ist das nicht, betonen Pharmazeut*innen. Denn in Wasser oder Saft löst sich eine Ibuprofentablette nur teilweise auf. Der größte Anteil des Wirkstoffs bleibt ungelöst und die Feststoffpartikel sinken an den Glasboden. Auch kräftiges Umrühren oder Schütteln verbessert die mangelnde Löslichkeit nicht. Das Gleiche gilt für Paracetamol. Auch dieser fiebersenkende Wirkstoff weist in Tablettenform nur eine ganz begrenzte Löslichkeit in Wasser auf.

Die geringe Löslichkeit bewirkt, dass die Arznei im Wasser ungleichmäßig verteilt ist. Eine genaue Dosierung ist somit unmöglich, es drohen Unter- und Überdosierung des Medikaments. Eine weitere Gefahr liegt in der fehlenden Hygiene. Ohne Konservierungsmittel können sich in wässrigen Lösungen Keime gut vermehren und zu Infektionen führen.

Apotheker*innen können Suspensionen mixen

Viele Apotheken stellen aufgrund der Lieferschwierigkeiten Fiebersäfte selbst her. Denn Apotheker*innen haben die Expertise, aus Ibuprofen bzw. Paracetamol, einer Trägerlösung und einem Verdickungsmittel eine hygienisch einwandfreie und genau dosierbare Suspension zu mixen.

Für Kinder ab etwa drei oder vier Jahren ist auch die Einnahme fester Tabletten mit einem der fiebersenkenden Wirkstoffe eine Alternative. Hierbei muss man allerdings die altersentsprechende Dosierung berechnen. Das sollte keinesfalls in Eigenregie geschehen, sondern mit der behandelnden Ärzt*in oder in der Apotheke besprochen werden.

Zum Teilen von Tabletten ist ein Tablettenteiler zu empfehlen. Die halbe Tablette kann dem Kind dann auf einem kleinen Löffel mit etwas Joghurt oder Saft gegeben werden.

Quelle: pta heute


Demenz oder nur eine Nebenwirkung?

Verwirrtheit im Alter

Wenn alte Menschen verwirrt oder vergesslich sind, wird das schnell auf eine Demenz geschoben. Tatsächlich stecken manchmal nur Nebenwirkungen von Medikamenten hinter den Symptomen.

Medikamentenliste durchgehen

„Kognitive Leistungsminderung“ nennen Ärzt*innen es, wenn bei älteren Menschen das Denkvermögen nachlässt. Dahinter verbergen sich unterschiedliche Symptome wie Konzentrationsstörungen, ein nachlassendes Gedächtnis, eine geringere Aufmerksamkeit oder sogar Bewusstseinsstörungen. Dann ist es durchaus ratsam, eine mögliche Demenz abzuklären. Manchmal genügt es aber schon, gemeinsam mit der Hausärzt*in die verschriebenen Medikamente durchzugehen. Denn auch diese können für die Leistungsminderung verantwortlich sein.

Im Alter besonders anfällig für zentralnervöse Nebenwirkungen

Warum das so ist, erklärt Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte: „Menschen im höheren Lebensalter sind gegenüber Nebenwirkungen im zentralnervösen System besonders empfindlich, weil sich im Alter häufig der Stoffwechsel im Gehirn verändert.“ Besonders häufig kommt das beispielsweise vor bei

  • freiverkäuflichen Sedativa gegen Schlafstörungen mit den Wirkstoffen Diphenhydramin und Doxylamin
  • Benzodiazepinen wie Diazepam, die zum Beispiel bei Angst oder zur Beruhigung verordnet werden
  • Anticholinergika, die auf das zentrale Nervensystem wirken, zum Beispiel gegen eine überaktive Blase.

Nicht immer gibt es eine Alternative

Doch was tun, wenn ein Medikament für die nachlassende Denkleistung verantwortlich ist? Im besten Fall findet die behandelnde Ärzt*in eine gleichwertige Alternative, die die Patient*in besser verträgt. Wird das Ursprungsmedikament abgesetzt, sollten die Leistungseinbußen auch wieder verschwinden. Gibt es keinen Ersatz und das Medikament ist unverzichtbar, sollten Patient*innen und Angehörige zumindest über die Nebenwirkungen aufgeklärt werden. Das ist auch deswegen wichtig, weil durch die kognitiven Einschränkungen die Sturzgefahr steigen kann.
Ist die Verwirrtheit keine Nebenwirkung von Medikamenten, steht der Gang zu einer Neurolog*in an. Denn je früher die Ursache gefunden wird, um so schneller kann auch die Behandlung beginnen.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz


Intimwaschlotionen im Test

Sauer allein reicht nicht

Dass saure Waschlotionen für den Intimbereich besser sind als die gute alte Seife, hat sich herumgesprochen. Leider heißt aber bei Intimwaschlotionen sauer nicht immer auch gut, wie Ökotest herausgefunden hat.

Selbstreinigung inbegriffen

Die Vagina hat ein ausgeklügeltes Selbstreinigungssystem: Ihr Milieu ist leicht sauer, was ungewollte Bakterien und Pilze in Schach hält. Mit Seife und Duschgel stört man den sauren pH-Wert und fördert das Bakterienwachstum. Deshalb ist es besser, darauf zu verzichten und zum Waschen von Vagina und Vulva auf einfaches sauberes Wasser zu setzen.

Doch manche Frauen fühlen sich durch eine bloße Wasserreinigung nicht ausreichend frisch. Für sie gibt es spezielle Intimwaschlotionen. Diese haben einen sauren pH-Wert und bringen deshalb das gesunde Scheidenmilieu nicht aus dem Lot. Trotzdem tun sich Frauen mit Intimwaschlotionen nicht automatisch etwas Gutes — auch wenn diese eine sanfte Reinigung versprechen. Ökotest hat 20 von ihnen unter die Lupe genommen und einige Gründe gefunden, doch lieber auf reines Wasser zu setzen.

Reihenweise kritische Inhaltsstoffe

Geprüft wurde beispielsweise, ob die Intimlotionen kritische Duftstoffe, Formaldehyd, Silikone, Paraffine und Kunststoffpolymere enthielten. Vor allem Polyethylenglykole und seine Derivate wurden als kritisch eingestuft. Denn diese überflüssigen Inhaltsstoffe machen die Hautbarriere durchlässiger, und zwar sowohl für gewünschte als auch für ungewünschte Substanzen.

Auch Duftstoffe stuften die Tester*innen als problematisch ein. Sie können die Haut nicht nur reizen, sondern nach Aufnahme durch die Haut dem Körper schaden – wie im Fall von Moschusduft und Lilial. Letzterer kann die Fruchtbarkeit gefährden und ist seit März 2022 in Kosmetika verboten. Zwei Waschlotionen enthielten Moschusduft. Hier kritisieren Expert*innen, dass sich das Molekül in Fettgeweben anreichert und in der Muttermilch auftaucht.

Bemerkenswert korrekt waren sämtliche Intimwaschlotionen in puncto pH-Wert. Keiner der Hersteller hatte gemogelt. Alle Lotionen waren „sauer“ und lagen im deklarierten Bereich.

Nur zwei Lotionen „sehr gut“

Insgesamt schnitten von den 20 Lotionen zwei als „sehr gut“ ab. Jessa von dm und Natuvell von Globus enthielten keine Duftstoffe und keine Polyethylenglykole, außerdem waren sie umweltfreundlich ohne Umkarton verpackt. Vier weitere Lotionen bekamen die Note „gut“ (CD, Facell, Ream und Sophie).

Die getesteten Naturkosmetika enttäuschten dagegen. Zwei enthielten PEG und waren parfümiert, sie bekamen deshalb nur ein „ausreichend“. Bioturm und Fairsquared apricot washing lotion verzichteten zwar nicht auf Duftstoffe, aber auf PEG und erhielten dafür immerhin ein „Gut“.

Die sehr gut und gut getesteten Intimwaschlotionen sind nach Ökotest empfehlenswert — wenn es denn unbedingt eine Reinigungslotion sein muss. Klares Wasser tut es aber mindestens genausogut, betonen die Tester*innen.

Quelle: ptaheute


Niacinamid in Hautcremes

Wundermittel für reine Haut?

Niacinamid ist ein fester Bestandteil vieler Hautcremes, Seren & Co. Das Versprechen: Das Vitamin soll die Haut glätten und Rötungen und Pigmentflecken reduzieren. Doch ist die Wirkung auch wissenschaftlich bewiesen?

Fester Bestandteil vieler Anti-Aging-Cremes

Niacinamid gehört zu den B-Vitaminen, es wird auch Vitamin B3 genannt. Über die Nahrung aufgenommen erfüllt das Molekül allerlei wichtige Funktionen im Stoffwechsel. Doch auch als Inhaltsstoff in Hautpflegeprodukten wie Gesichtscremes oder Seren ist Niacinamid beliebt. Denn das Vitamin hat sich in vielen Hautpflege-Studien bewährt:

  • Niacinamid reduziert Zeichen alternder Haut wie Rötungen, Altersflecken und große Poren. Deshalb ist Niacinamid ein beliebter Inhaltsstoff in Anti-Aging-Cremes.
  • An Zellkulturen zeigte sich, dass Niacinamid die Herstellung natürlicher Hautfette ankurbelt. Besonders trockene Haut könnte deshalb von Hautcremes mit Niacin profitieren.
  • Gleichzeitig hemmt das Vitamin die Talgproduktion und beugt so unreiner Haut vor.
  • Auch bei Hautkrankheiten wie der Akne oder dem bullösen Pemphigoid hilft Niacinamid, die Beschwerden zu lindern und das Hautbild zu verbessern.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass einige Studien von den Herstellern der Hautpflegeprodukte finanziert wurden. Das bedeutet nicht, dass die Studienergebnisse grundsätzlich falsch sind, jedoch könnte es zu einer Verzerrung der Studienergebnisse geführt haben. Ob die Produkte auch für die eigene Haut funktionieren, muss deshalb jeder selbst ausprobieren.

Wirkstoffkonzentration beachten

Produkte mit Niacinamid enthalten das Molekül meistens in einer Konzentration zwischen 2 und 5%. Einige Seren enthalten auch bis zu 10% Niacinamid. Wer zu empfindlicher Haut neigt, sollte Produkte mit hoher Niacinamid-Konzentration aber mit Vorsicht anwenden. Selten kommt es nämlich zu einem „Niacin-Flush“ – einer vorrübergehenden Hautrötung, die durch eine gesteigerte Durchblutung der Haut verursacht wird.

Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung; Kerscher, Williams und Trüeb: Dermatokosmetik, Steinkopff, 2009


Ab in die Mucki-Bude!

Migräneattacken vorbeugen

Migräneattacken lässt sich nicht nur mit Medikamenten vorbeugen. Auch Sport kann die Anfälle ausbremsen. Amerikanische Forscher*innen empfehlen dafür ein konkretes Fitnessprogramm.

Über 1000 Migränepatient*innen im Test

Die Migräne ist eine chronische Erkrankung, bei der die Betroffenen immer wieder unter typischen Kopfschmerzen leiden. Diese werden oft von Übelkeit und anderen Beschwerden begleitet. Manche Menschen haben nur ein- bis zweimal im Jahr damit zu tun, andere werden mehrmals im Monat von den Attacken heimgesucht.

Mit Arzneimitteln kann man den Kopfschmerz-Anfällen vorbeugen. Es gibt allerdings auch nicht-medikamentöse Maßnahmen, die eine Migräne ausbremsen. Dazu gehört körperliches Training. Welcher Sport am besten gegen Migräne hilft, hat nun eine amerikanische Arbeitsgruppe bei der Analyse von 21 entsprechenden Untersuchungen mit mehr als 1000 Migränepatient*innen herausgefunden.

Krafttraining hilft am besten

Zunächst einmal: Jedes Training reduziert die Migräneattacken und ist damit besser als körperliche Schonung. Die größte Wirksamkeit zeigte das Krafttraining: Es senkte die Anzahl der Migränetage pro Monat um 3,5. Mit intensivem Ausdauertraining wurden die Migränetage um 3,1 reduziert, mit moderatem Ausdauertraining um 2,2.

Krafttraining stärkt die Nackenmuskulatur und wirkt womöglich so positiv auf Schmerzimpulse der oberen Halswirbelsäule, vermuten die Forschenden. Für den positiven Effekt des Ausdauersports machen sie u.a. eine gesteigerte Endorphinausschüttung verantwortlich.

Große Muskeln abwechselnd trainieren

Beim Krafttraining sollen dreimal wöchentlich zwei bis drei Trainingssets à 15 Wiederholungen durchgeführt und die Belastung wöchentlich gesteigert werden. Wichtig ist, dass man alle großen Muskeln einschließlich der Halsmuskulatur trainiert und die Muskelgruppen regelmäßig wechselt (z. B. Tag 1 Nacken, Schulter, Arme; Tag 3 Po, Ober- und Unterschenkel; Tag 5 Stamm- und Rückenmuskeln, Tag 7 wie Tag 1).

Ergänzend soll die Ausdauer trainiert werden. Nach WHO-Empfehlung 150 Minuten wöchentlich mit moderatem oder 75 Minuten mit intensivem aerobem Training. Wer sich an dieses Fitnessprogramm hält, hat gute Chancen, seltener unter Migräneattacken zu leiden, schreibt die Arbeitsgruppe.

Quelle: SpringerMedizin


Online-Tool berechnet Zuckerlimit

Kalorienbomben für Kinder erkennen

Mit Schoko-Zerealien, Zwischendurch-Snack, Fertigpizza und Fruchtsäften kommt über den Tag so einiges an Nährstoffen zusammen. Vor allem bei Kindern ist das empfohlene Tageslimit an Zucker oder Fett schnell überschritten. Ein Ernährungsrechner von Stiftung Warentest hilft Eltern bei der Berechnung.

Jedes zehnte Kind krankhaft übergewichtig

Deutsche Kinder und Jugendliche werden immer dicker. 15 Prozent von ihnen bringen laut Robert Koch-Institut zu viele Pfunde auf die Waage. In den letzten Jahren hat auch die Zahl der Kinder mit krankhaftem Übergewicht (Adipositas) sprunghaft zugenommen. 2022 gab es im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten unter den 6- bis 18-Jährigen fast 11 Prozent mehr adipöse Jungen und Mädchen.

Das liegt nicht nur an mangelnder Bewegung, sondern auch an der falschen Ernährung. Eine ganz zentrale Rolle spielt dabei die Zuckerzufuhr. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Energie aus freiem Zucker aufzunehmen. Dazu gehören nicht nur zugesetzter Zucker, sondern auch die Süße aus Honig, Fruchtsäften, Obst und Sirup.

Nährwerte allein reichen nicht

Auf verpackten Lebensmitteln ist die Angabe über die darin enthaltenen Nährwerte Pflicht. Fett, Eiweiß, Kalorien und Zucker werden pro 100 Gramm oder 100 Milliliter angegeben. Das vermag immerhin einen groben Überblick darüber geben, wie gesund oder ungesund ein Lebensmittel ist. Welchen Anteil es im individuellen Fall am täglich empfohlenen Nährwertverbrauch hat, muss oft erst mühsam berechnet werden.

Online-Tool zeigt Zuckerlimit

Um das bei Kindern einfach feststellen zu können, hat Stiftung Warentest einen Ernährungsrechner entwickelt. In dieses Online-Tool gibt man das Alter des Kindes sowie Nährwerte und Portionsgröße des Lebensmittels ein und klickt auf „Berechnen“. Sofort zeigt das Ergebnis, wieviel Zucker das Kind mit dem Snack oder Quetschie aufnimmt, ob schon die Obergrenze für Süßes erreicht ist oder noch Spielraum für weiteren Schnuckelkram bleibt.

Für Fette, Eiweiß, Kalorien und Salz funktioniert das entsprechend. Auf diese Weise bekommen Eltern schnell einen Überblick darüber, was für den Organismus ihres Kindes angemessen und was zu viel ist.

Quelle. Stiftung Warentest


So schluckt das Baby seine Arznei

Spritze statt Löffel

Der Geschmack ist oft übel, die Dosierung knifflig — Kleinkindern und Babys Medikamente zu verabreichen, ist gar nicht so einfach. Folgende Tipps machen es Kindern und Eltern leichter.

In den Mund träufeln — aber richtig

Babys bekommen ihre Arzneien oft in flüssiger Form. Hier muss man bei der Dosierung aufpassen, erklärt Kinderarzt Hans-Jürgen Nentwich vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Mit normalen Haushaltslöffeln lässt sich die erforderliche Menge nicht exakt bestimmen. Besser ist es, zur Dosierung eine Pipette oder eine nadellose Spritze mit genauer Maßangabe zu nehmen. Damit lässt sich die Arznei dann auch gleich in den kleinen Mund träufeln. Und das macht man am besten so:

  • Das Baby aufrecht hinsetzen oder im Arm halten.
  • Sanft über die Wange streicheln, damit das Kind seinen Mund öffnet.
  • Die (nadellose!) Spritze vorsichtig in den Mund einführen.
  • Eine kleine Menge langsam in die untere Wange gebn (so vermeidet man den Kontakt der Arznei mit den Geschmacksknospen der Zunge).
  • Streicheln unter dem Kinn fördert das Schlucken.
  • Baby schlucken lassen, dann die zweite Portion verabreichen.

Auf keinen Fall darf das Medikament in den Rachen geträufelt werden, da sich die Kleinen dann oft verschlucken. Leichter fällt die Medikamentengabe, wenn das Arzneimittel vor der Fütterung des Kindes verabreicht wird. Denn dann öffnet das Baby den Mund oft automatisch.

Eis und Pudding dazu?

Ob der Geschmack eines Medikaments mit Milch oder Babynahrung abgemildert werden darf, muss mit der Kinderärzt*in besprochen werden. Bei älteren Kindern hilft oft, vor oder nach der Medikamentengabe etwas Eis, Pudding, Joghurt oder Marmelade zu essen. Auch hier ist abzuklären, ob sich die Arznei mit der gleichzeitigen Gabe von Pudding & Co. verträgt und nicht etwa in ihrer Wirkung geschwächt wird. Ein weiterer Trick gegen übel schmeckende Arzneien: Im Kühlschrank lagern (wenn erlaubt) und kalt einnehmen. Kälte betäubt die Geschmacksnerven und sorgt so für einen deutlich weniger intensiven Geschmack.

Kein Drama machen

Ist das Kind alt genug, sollte es kindgerecht erklärt bekommen, warum es überhaupt Medikamente nehmen muss. Die Eltern sollten dann kein Drama um die Medikamentengabe machen. Je selbstverständlicher und positiver sie das Ganze sehen, desto leichter fällt das auch dem Kind. Gelobt werden sollten Kinder nach problemloser Medikamenteneinnahme natürlich trotzdem.

Motivieren ist das A und O

Kinder für eine regelmäßige Medikamenteneinnahme zu begeistern, ist nicht immer einfach. Spielerisch klappt das mit Sammelkarten. Für jede Einnahme gibt es einen Aufkleber oder ein Kreuzchen. Ist die Karte voll, winkt eine kleine Belohnung.

Motivierend ist für viele Kinder auch, wenn sie mitbestimmen dürfen. Sei es nun die Geschmacksrichtung bei aromatisierten Arzneien oder — nach Rücksprache mit der Kinderärzt*in —die Verabreichungsform. Denn ob man lieber eine Kautablette kaut, eine Tablette auf einmal schluckt oder den Inhalt einer Kapsel als Pulver auf die Mahlzeit gibt ist auch bei Kindern Geschmackssache.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de


Was tun gegen Blähungen?

Wenn die Winde den Darm aufwirbeln

Blähungen sind zwar peinlich, aber nicht ungewöhnlich. Wirbeln die Winde jedoch übermäßig oft durch den Darm und verursachen dabei Unwohlsein, gilt es zu handeln.

Bestimmte Lebensmittel blähen besonders stark

Harmlose Blähungen, auch Flatulenzen genannt, sind eine normale Reaktion des Darms, wenn die mit der Nahrung eintreffende Luft auf das dortige Gasgemisch prallt. „Im Prinzip sind Blähungen ein Zeichen dafür, dass der Darm arbeitet“, meint Dagmar Mainz, Fachärztin für Erkrankungen des Verdauungstrakts. Treten die Winde aber öfter als 20-mal am Tag auf oder tun sie weh, sollte etwas dagegen getan werden.

Häufig ist die Ernährung schuld an den Blähungen: „Rohkost in Form von Obst und Gemüse, Müsli und Milchprodukte können Blähungen begünstigen“, erklärt Mainz. Auch kohlensäurehaltige Getränke erhöhen den Gasgehalt im Darm. Ebenfalls möglich sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Wird Milchzucker nicht vertragen, spricht man von einer Laktoseintoleranz, bei Fruchtzucker von einer Fruktoseintoleranz. Abhilfe schafft dann nur ein Verzicht auf entsprechende Lebensmittel. Vorher sollte der Verdacht aber sicherheitshalber mit der Ärzt*in abgeklärt werden.

Viel Bewegung beugt Blähungen vor

Bei Schmerzen im Unterleib können feucht-warme Umschläge helfen, den Magen-Darm-Trakt zu beruhigen. Das gleiche gilt für den sogenannten Vier-Winde-Tee aus Kümmel- und Fenchelsamen, Pfefferminzblättern und Kamillenblüten. Den Tee aus Heilkräutern gibt es in der Apotheke zu kaufen. Hiervon sollten täglich vier Tassen getrunken werden, bis Besserung eintritt. Ebenfalls wirksam gegen Blähungen sind Stressabbau, langsames Essen und sorgfältiges Kauen sowie viel Bewegung. Gerade bei Blähungen mit Verstopfung verschafft häufig schon ein Verdauungsspaziergang Abhilfe.

Quelle: Internisten im Netz


Was bezwingt chronischen Juckreiz?

Hilfe, es juckt!

Wer chronischem Juckreiz den Kampf ansagt, sollte zunächst nach der Ursache suchen – und die ist nicht immer in der Haut zu finden. Auch internistische oder neurologische Erkrankungen können hinter quälendem Jucken stecken. Behandelt wird in Stufen: Zunächst mit allgemeinen Maßnahmen, dann mit juckreizhemmenden Cremes und Lotionen und zuletzt mit Medikamenten.

Akuter oder chronischer Juckreiz

Jucken ist ein natürlicher Vorgang., der manchmal durchaus einen Sinn hat: Er warnt zum Beispiel, wenn es zu Kontakt mit Insektengift gekommen ist. Das durch den Juckreiz ausgelöste instinktive Kratzen hilft dann, die hautschädigende Substanz zu entfernen. In anderen Fällen ist Juckreiz eher eine lästige Begleiterscheinung der körperlichen Abwehrprozesse, etwa bei Windpocken oder anderen Infektionen. Klingt die Infektion ab, verschwindet der Juckzreiz in der Regel wieder.

Anders ist das bei chronischem Juckreiz (chronischem Pruritus). Davon spricht man, wenn der Juckreiz länger als 6 Wochen anhält oder immer wieder kommt. Das ist gar nicht so selten der Fall: Jeder fünfte Erwachsene gibt an, schon einmal darunter gelitten zu haben. Aktuell gehen Expert*innen davon aus, dass 7 von 100 Menschen unter chronischem Juckreiz leiden. Besonders häufig betroffen sind Menschen über 60 Jahre.

Ursachen für das chronische Jucken gibt es sehr viele. Besonders bei Hauterkrankungen ist Juckreiz eins der Hauptsymptome, allen voran bei Neurodermitis und Urtikaria. Chronischer Juckreiz ist aber auch typisch für eine Vielzahl internistischer, neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen. Beispiele sind

  • Lebererkrankungen (dann ist er meist von einer Gelbsucht begleitet)
  • Diabetes
  • chronische Nierenerkrankungen
  • AIDS
  • Krebsleiden.

Auch jede fünfte Schwangere leidet unter Juckreiz. Und nicht zuletzt können Medikamente Juckreiz auslösen. Dazu gehören Antidepressiva wie Citalopram oder Doxepin, Blutdruckmittel wie Clonidin und Doxazosin, Entwässerungstabletten wie Furosemid und Thiazide sowie eine große Anzahl weiterer Wirkstoffe.

Hinweis: Relativ häufig lässt sich trotz intensiver Suche keine Grunderkrankung bzw. kein Auslöser finden. Dann spricht man von einem idiopathischen Juckreiz.

Unbedingt zur Ärzt*in!

Chronischer Juckreiz ist eine Qual und lässt sich mit einfachen Selbsthilfemaßnahmen oft nicht lindern. Deswegen erscheinen Betroffene meist schnell in der Arztpraxis. Und das ist auch gut so: Weil ernste Erkrankung hinter chronischem Juckreiz stecken können, sollte er immer abgeklärt werden.

Für die Diagnose hilft eine genaue Beschreibung der Beschwerden. Wann tritt der Juckreiz auf, wodurch wird er ausgelöst, wird er nachts schlimmer, hängt er mit der Einnahme von Medikamenten zusammen? Um der Ärzt*in alle Fragen beantworten zu können, ist ein Beschwerdetagebuch hilfreich. Darin sollte man nicht nur die Auslöser des Juckreizes vermerken, sondern auch die Stärke des Juckens. Dies lässt sich am besten in einer Skala von 0 (gar nicht) bis 10 (unerträglich) beschreiben.

Auch die Art des Juckens und das dadurch ausgelöste Kratzverhalten können Hinweise auf die Ursache geben. Bei einer Urtikaria reiben Patient*innen die Haut häufig. Starkes Kratzen ist eher typisch für ekzematöse Hauterkrankungen. Eine besonders auffällige Form ist das sogenannte Löffeln: Dabei verletzten die Betroffenen die Haut an der juckenden Stelle mit den Fingernägeln. Es kommt zu knötchenartigen Herden mit zahlreichen Narben. Dieses Löffeln findet sich bei älteren, nierenkranken Menschen, aber auch bei Patient*innen mit Neurodermitis.

Ist die Vorgeschichte geklärt, geht es mit einer gründlichen körperlichen Untersuchung weiter. Dabei betrachtet die Ärzt*in die gesamte Haut und tastet Lymphknoten und Leber ab. Je nach Verdachtsdiagnose helfen auch Laboruntersuchungen weiter. Manchmal veranlasst die Ärzt*in zudem Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenaufnahmen.

Tipp: Regelmäßige Aufzeichnungen helfen nicht nur bei der Diagnose, sondern auch zur Beurteilung eines Behandlungserfolgs. Ein Juckreiz- oder Symptomtagebuch ist als App besonders praktisch. Ein Beispiel zum Herunterladen ist die kostenlose ItchyApp.

Stufe 1: Basismaßnahmen plus Antihistaminikum

Ist eine Diagnose gestellt, behandelt die Ärzt*in zunächst einmal die Grunderkrankung. Parallel dazu empfehlen Expert*innen folgende Basismaßnahmen:

  • Zur Körperhygiene milde, nicht-alkalische Seifen oder rückfettende Waschsyndets verwenden. Auch Dusch- und Badeöle sind erlaubt, dürfen aber nur einen geringen Anteil an Tensiden erhalten. Nicht zu häufig und zu lange baden, sondern lieber nur kurz mit lauwarmem Wasser duschen.
  • Nach dem Waschen die Haut vorsichtig abtupfen und nicht trockenreiben. Das gilt vor allem, wenn eine Hauterkrankung vorliegt. Nach jedem Duschen oder Baden und mindestens ein Mal täglich die Haut mit einer rückfettenden und hydratisierenden Basistherapie pflegen. Dafür verwendete Wirkstoffe sind vor allem Glycerin, Harnstoff (Urea) und Milchsäure. Entsprechende Präparate und eine individuelle Produktberatung gibt es in der Apotheke
  • Weiche, luftige Kleidung aus Baumwolle tragen.
  • Faktoren meiden, die zur Austrocknung der Haut führen. Dazu gehören z. B. Saunabesuche, Aufenthalt in trockenem, heißen Klima, alkoholische Umschläge oder Eispackungen.
  • Mit leichten Baumwollhandschuhen schlafen, um die Folgen unbewussten nächtlichen Kratzens zu mildern.

Reichen die Basismaßnahmen nicht aus, dürfen Antihistaminika der 2. Generation ausprobiert werden. Sie helfen besonders bei der Urtikaria (einer Unterform des chronischen Juckreizes) und beim atopischen Ekzem.

Tipp: Auch kalte, feuchte Umschläge helfen gegen Juckreiz. Aber bitte dafür weder Kamille noch Teebaumöl verwenden! Diese Substanzen reizen die Haut und können daher die Beschwerden noch verstärken.

Stufe 2: Das Übel an der Wurzel packen

Oft lindern die Basismaßnahmen den Juckreiz nicht ausreichend. In der zweiten Behandlungsstufe dann an die Ursache angepasste Therapien hinzu (bei unklarer Ursache wird gleich zur Stufe 3 gesprungen).

  • Ist eine Nierenerkankung der Auslöser, helfen Difelikefalin, Gabapentin oder Cromoglycinsäure.
  • Gegen leberbedingten Juckreiz verordnen die Ärzt*innen vor allem Colestyramin oder Rifampicin.
  • Liegt eine Krebserkrankung zugrunde, kommen z. B. Paroxetin, Aprepitant oder Naltrexon zum Einsatz.
  • Nervenbedingter Juckreiz wird durch Capsaicin-Creme oder Gabapentin gemildert.
  • Für die schwerste Ausprägung des chronischen Juckreizes, die noduläre Prurigo mit Knötchen und Narben, stehen Zytostatika wie Azathioprin und Methotrexat zur Verfügung.

Hinweis: Auch die Bestrahlung mit UV-Licht (UV-Phototherapie) lindert chronischen Juckreiz. Sie wird in verschiedenen Varianten vor allem bei entzündlichen Hauterkrankungen eingesetzt, hilft aber auch bei einigen internistischen Erkrankungen.

Stufe 3: Juckreiz hemmen

Reicht die ursächlich angepasste Therapie von Stufe 2 nicht aus, wird der Juckreiz lokal auf der Haut oder im zentralen Nervensystem mit Medikamenten gehemmt. In den Fällen, in denen die Ursache unklar ist (idiopathischer chronischer Juckreiz), kann man die Stufe 2 auch überspringen und gleich mit der juckreizhemmenden Therapie beginnen. Zum Auftragen auf die Haut stehen folgende Substanzen zur Verfügung:

  • Lokalanästhetika (Betäubungsmittel). Verschiedene Substanzen wirken auf Hautrezeptoren und Nervenfasern und können dadurch Juckreiz und Schmerz betäuben. Sie wirken allerdings nur kurzzeitig. Empfohlen werden Cremes, Salben oder Lotionen mit Menthol und Polidocanol, aber auch mit Lidocain.
  • Kortison. Glukokortikoide zum Auftragen wirken antientzündlich und reduzieren dadurch den Juckreiz. Sie können kurzfristig zur Behandlung des Juckreizes bei entzündlichen Hauterkrankungen oder aufgekratzten Läsionen eingesetzt werden. Eine langfristige Anwendung ist zu vermeiden, weil Kortison auf Dauer die Haut verdünnt und so noch empfindlicher macht.
  • Capsaicin. Der aus einer Paprikapflanze gewonnene Wirkstoff bindet an einen Hitzekanal von Nervenfasern und Hautzellen und führt zu einem brennenden oder wärmenden Gefühl. Nach einigen Tagen werden dadurch Juckreiz und Schmerzen unterdrückt. Capsaicin gibt es als Creme und Pflaster.
  • Calcineurininhibitoren. Tacrolimus und Pimecrolimus sind Arzneistoffe mit einer anti-immunen Wirkung und helfen besonders gut bei neurodermitisch bedingtem Juckreiz. Häufig profitieren von ihnen auch Patient*innen mit anderen Hauterkrankungen wie etwa der Röschenflechte (Rosazea) oder internistisch bedingtem chronischem Juckreiz.

In schweren Fällen wird der chronische Juckreiz von innen (d.h. systemisch), behandelt. Dazu verordnet die Ärzt*in Tabletten, in einigen Fällen wird der Wirkstoff auch intravenös verabreicht. Folgende Substanzen unterbrechen das Juckreizsignal oder verhindern dessen Weitervermittlung:

  • Gabapentin und Pregabalin. Diese beiden Substanzen wirken juckreizhemmend, indem sie die Nervenfasern stabilisieren und hemmende Mechanismen verstärken. Zugelassen sind sie zur Behandlung des nervenbedingten Juckreizes. Sie werden von der aktuellen Leitlinie aber auch bei chronischem Juckreiz anderer Ursache empfohlen.
  • Antidepressiva. Die Leitlinien empfehlen vor allem den Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Paroxetin. Eine Alternative sind Mirtazapin und Doxepin.
  • Gamma-Opioidrezeptorantagonisten. Naltrexon und Naloxon aktivieren hemmende Nervenzellen im Gehirn. Sie sind nicht nur bei internistisch oder neurologisch bedingtem, sondern auch beim idiopathischen Juckreiz effektiv Naltrexon wird oral verabreicht, Naloxon über die Vene.

Hinweis: Auch Kortisontabletten wirken gegen Juckreiz. Aufgrund ihrer Nebenwirkungen sollten sie jedoch nur bei schwerstem chronischen Juckreiz und hohem Leidensdruck kurzfristig eingesetzt werden.

Die Psyche juckt mit

Neben der richtigen Pflege und Medikamenten gibt es auch noch grundlegendere Behandlungsansätze bei Juckreiz. Zum Beispiel hat die Psyche einen großen Einfluss auf die Stärke des Juckreizes. So wird das Jucken meisten schlimmer, wenn man aufgeregt oder angespannt ist oder negativen Stress hat. Deshalb profitieren viele Patient*innen von Entspannungstechniken wie dem Autogenen Training oder der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen.

Eine wichtige Behandlungssäule beim chronischen Juckreiz ist die außerdem die Patientenedukation. Durch Schulungsprogramme lernen Betroffene Ablenkungsstrategien und Methoden, den Juck-Kratz-Zirkel zu unterbrechen. Dazu gehört beispielsweise, den Kratztrieb umzulenken und statt der Haut lieber ein Kissen oder die Bettdecke zu „bearbeiten“.

Menschen mit dauerhaftem, schwer beeinflussbarem Juckreiz entwickeln aufgrund der eingeschränkten Lebensqualität häufig Depressionen oder Ängste. Manche ziehen sich auch aus dem sozialen Leben zurück, weil der Juckreiz ihren Alltag beherrscht. In diesen Fällen gehört eine Psychotherapie mit zum Behandlungsprogramm.

Quelle: S2k Leitlinie „Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus“, AWMF-Register-Nr.: 013-048, 2021


Wirkungsnachweis für Smektit

Heilerde gegen Kinder-Durchfall

Heilerde ist ein beliebtes Hausmittel gegen Durchfall. Studien weisen darauf hin, dass die Heilerde die Durchfalldauer bei Kindern tatsächlich verkürzen kann – sofern sie Smektit enthält.

Schützender Film über der Darmschleimhaut

Beim Durchfall handelt es sich in aller Regel um eine selbstlimitierende Erkrankung. Das heißt, dass die Symptome nach einigen Tagen von alleine wieder abklingen. Dennoch ist ein Durchfall unangenehm – und kann gerade bei Kindern durch die starken Flüssigkeits- und Salzverluste auch gefährlich werden. Ein natürliches Mittel gegen Durchfall soll Heilerde sein. Die positive Wirkung erklärt man sich dadurch, dass die Heilerde Giftstoffe und Stoffwechselprodukte bindet. Günstig auswirken soll sich auch, dass die Heilerde stark quillt und sich schützend auf die Schleimhaut des Darms legt.

Natürliches Ton-Mineral

Soweit die Theorie – aber hilft die Heilerde tatsächlich? Um diese Frage zu klären, hat ein Forscherteam 18 Studien systematisch untersucht. Es konzentrierte sich dabei auf Durchfall bei Kindern im Alter von einem Monat bis 12 Jahren. Hinweise für eine Wirkung entdeckten die Forschenden für Heilerden mit Smektit. Dabei handelt es sich um ein natürlich vorkommendes Ton-Mineral. Enthielten die Heilerdekapseln oder das Heilerdepulver Smektit, reduzierten sie die Durchfalldauer durchschnittlich um einen Tag. Für Heilerden mit anderen Wirkstoffen lagen dem Team zufolge hingegen nicht ausreichend Studien vor, um die Wirksamkeit zu beurteilen.

Trotzdem viel trinken

Einen Versuch ist die Heilerde also durchaus wert. Auch vor Nebenwirkungen muss man sich nicht fürchten. Heilerden mit Smektit gelten als gut verträglich, am ehesten kommt es bei hohen Dosierungen zu Verstopfung. Keinen Ersatz bietet die Heilerde für die Basismaßnahmen bei Durchfall: Viel trinken und salzig essen, um die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auszugleichen.

Quelle: Medizin-Transparent




Mikronährstoffe fürs Herz

Nützlich oder schädlich?

Ob Nahrungsergänzungsmittel dabei helfen, Herz und Gefäße gesund zu halten, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Jetzt gibt es Hinweise, dass zumindest einige von ihnen doch vor Schlaganfall und Herzinfarkt schützen können.

Herzgesundheit fördern

Das Beste für die Herzgesundheit ist, sich viel zu bewegen, sich gesund zu ernähren, nicht zu rauchen und Übergewicht zu vermeiden. Zusätzlich werden seit Jahren regelmäßig neue Nahrungsergänzungsmittel fürs Herz angepriesen. Die Palette reicht von Vitaminen über Aminosäuren und Mineralstoffe bis zu Bestandteilen exotischer Gewürze. Meist folgt die Ernüchterung auf dem Fuß, d. h. die erwünschten Wirkungen lassen sich in klinischen Studien nicht nachweisen oder der Effekt bleibt unklar.

Folsäure, Coenzym Q10 und Omega-3-Fettsäuren schützen

Jetzt hat sich ein chinesisches Team der Sache noch einmal angenommen und die Daten von 884 qualitativ hochwertigen Studien genauestens analysiert. Fast 900.000 Teilnehmer*innen hatten darin 27 Mikronährstoffe eingenommen. Der Einnahme wurden die Daten zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kardiovaskulär bedingtem Tod gegenübergestellt.

Und siehe da: Einige der Nahrungsergänzungsmittel hatten offenbar doch einen Einfluss auf Herz und Gefäße. Omega-3-Fettsäuren senkten das Risiko, an einer Herz- oder Gefäßerkrankung zu versterben, um 7%. Außerdem reduzierten sie das Herzinfarktrisiko um 15% und die Wahrscheinlichkeit, eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln, um 14%. Folsäure reduzierte um 16% das Risiko für Schlaganfälle, Coenzym Q10 senkte die Gesamtsterblichkeit um 32%.

Beta-Carotin gefährlich?

Auch einige andere Mikronährstoffe wie Magnesium, Zink, Flavonole und Quercetin könnten dieser Untersuchung zufolge einen positiven Effekt auf Herz und Gefäße haben. Keinen Effekt zeigten dagegen die Vitamine C und E sowie Beta-Carotin. Letzteres erhöhte sogar die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden.

Offenbar können einige Mikronährstoffe das Herz schützen. Jetzt gilt es, diese Ergebnisse durch weitere Untersuchungen zu unterstreichen. Und vor allem herauszufinden, welche Dosierungen erforderlich und ob bestimmte Kombinationen vorteilhaft sind.

Quelle: www.kardiologie.org


Hautscreening-Apps im Test

Muttermal oder Melanom?

Ist das Hautkrebs oder nur ein Leberfleck? Welche Salbe lindert mein Ekzem? Diese und ähnliche Fragen sollen Betroffene ganz einfach per Smartphone und Hautscreening-App klären können. Wie gut das klappt, hat Stiftung Warentest untersucht.

Foto hochladen, bezahlen und auf Antwort warten

Hautscreening-Apps gibt es inzwischen eine ganze Reihe. Sie versprechen eine schnelle Einschätzung von Hautproblemen, ganz ohne lästige Warterei auf einen Termin in der Praxis. Das Prinzip ist einfach: App herunterladen, mehrere Fotos aus verschiedenen Perspektiven von der Hautstelle schießen (für eine bessere Qualität mit der Rückkamera und nicht mit der Selfiekamera) und die Bilder hochladen. Zusätzlich muss noch ein kurzer Fragebogen ausgefüllt werden.

Bezahlt wird über Kreditkarte oder Zahlungsdienstleister wie z. B. Paypal. Die Einschätzung einer Hautstelle kostet bis zu 25 Euro. Danach muss man auf die Rückmeldung warten. Algorithmusbasierte Apps geben sofort eine kurze Einschätzung. Apps, bei denen Ärzt*innen die Fotos beurteilen, brauchen etwas länger. Meist kommt das Feedback innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen.

Nur eine App empfehlenswert

Stiftung Warentest prüfte bei neun Apps, wie gut verschiedene Hautveränderungen erkannt wurden. Bei den Hautveränderungen handelte es sich z. B. um harmlose Altersflecken, Schuppenflechte oder weißen bzw. schwarzen Hautkrebs (Melanom).

Empfehlen kann Stiftung Warentest nur „AppDoc“. Deren Ärzt*innenteam schätzte die Testfälle am besten ein. Die beiden anderen arztbasierten Apps waren bei der Beurteilung ebenfalls gut, hatten aber erhebliche Mängel in puncto allgemeiner Geschäftsbedingungen – so schlossen sie beispielsweise die Haftung aus. Von den algorithmusbasierten Apps beurteilte nur SkinVision die Fälle gut. Diese App bietet ausschließlich die Hautkrebserkennung an, z.T. bestätigt oder korrigiert durch ein ärztliches Team.

Arztbasierte Apps können bei der schnellen Einschätzung eines Hautproblems helfen, fasst Stiftung Warentest zusammen. Teils informieren sie gründlich, einige bieten auch Privatrezepte für die Behandlung an. Werden weitere ärztliche Untersuchungen empfohlen, sollte man sich unbedingt daran halten. Denn einen Besuch in der Praxis ersetzen Apps nicht. Schon gar nicht bei der Früherkennung von Hautkrebs. Dafür muss eine Expert*in die Haut von Kopf bis Fuß inspizieren. Denn oft versteckt sich ein Hautkrebs an Stellen, die der Betroffene gar nicht selbst sieht – auf Schleimhäuten, im Gehörgang oder in der Pofalte.

Kann auf Dauer teuer werden

Ein Preisvorteil ist durch die Apps nicht unbedingt erkennbar. Bei 20 bis 25 Euro pro verdächtigem Fleck summieren sich die Kosten schnell auf 100 Euro und mehr. Das Hautkrebsscreening in der Hautpraxis ist dagegen für gesetzlich Versicherte ab 35 alle zwei Jahre kostenlos.

Einen Vorteil haben die Apps allerdings, meint der Dermatologe Holger Hänßle. Sie erhöhen die Aufmerksamkeit für Hautveränderungen und vermitteln Wissen darüber. Schätzt eine App eine Hautveränderung als riskant ein, sollte man das bei der Terminsuche erwähnen. Denn dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, einen Praxistermin innerhalb weniger Tage zu bekommen.

Quelle: Stiftung Warentest


Tabletten und Kapseln richtig abschlucken

Einnahme-Regeln beachten

Einfach in den Mund und runter damit? Nicht ganz – denn beim Schlucken von Tabletten und Kapseln sind einige Regeln zu beachten.

200 Milliliter in großen Schlucken

Wer eine Tablette oder Kapsel einnimmt, greift meist ganz automatisch zu einem Glas Wasser – und das ist auch gut so. Denn viel Flüssigkeit hilft nicht nur, das Medikament vom Mund in die Speiseröhre zu befördern. Sie sorgt auch dafür, dass es diese möglichst schnell passiert. Anderenfalls können die Präparate  an der Schleimhaut der Speiseröhre kleben bleiben und dort Schaden anrichten.. Deswegen gilt: Tabletten und Kapseln mit mindestens 200 ml Wasser einnehmen. Ein aufrechter Oberkörper und das Trinken großer Schlucke beschleunigen den Transport in den Magen zusätzlich. Achtung: Die Flüssigkeit sollte gemeinsam mit der Tablette eingenommen werden, ein „Nachtrinken“ hat oft keinen Effekt.

Am besten mit Leitungswasser

Nicht nur das „Wie“, auch das „Was“ ist von Bedeutung: Optimal zum Hinunterschlucken geeignet ist Leitungswasser. Wer seine Medikamente mit anderen Getränken wie Kaffee, Saft oder Milch einnimmt, riskiert, dass die Präparate mit der Flüssigkeit in Wechselwirkungen treten. Bei einigen Arzneimitteln lässt die Wirkung dann nach oder verstärkt sich. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, etwa bei Eisen-Präparaten. Weil der Darm das Eisen durch Vitamin C besser aufnimmt, ist die Einnahme mit Vitamin-C-reichem Saft anstelle von Leitungswasser sogar von Vorteil.

Tricks für leichteres Hinunterschlucken

Das Abschlucken fällt auch mit viel Flüssigkeit schwer? Bei Kapseln kann es helfen, den Kopf bei der Einnahme leicht nach vorn zu beugen. Weil die Kapsel auf dem Wasser schwimmt, gelangt sie so als erstes in Rachennähe und wird dann von der nachfolgenden Flüssigkeit abgespült. Etwas anders funktioniert der „Pop-Bottle-Trick“, der sich für Tabletten eignet. Man benötigt dazu eine PET-Flasche, deren Öffnung komplett mit dem Mund umschlossen wird. Beim Abschlucken der auf der Zunge platzierten Tablette dringt so keine weitere Luft in die Mundhöhle und die Tablette rutscht leichter.

Übrigens: Das oft praktizierte Zerteilen von Tabletten ist nicht immer eine gute Idee. Denn oft ist der Überzug der Tablette entscheidend, damit das Medikament auf die gewünschte Art wirkt. Bei welchen Tabletten und Kapseln ein Teilen möglich ist, weiß die Apotheker*in.

Quelle: PTA heute 20/2021



Hilfe bei nächtlichen Wadenkrämpfen

Von Dehngymnastik bis Medikamente

Sie kommen ohne jede Vorwarnung und schmerzen höllisch: nächtliche Wadenkrämpfe. Treten Sie häufig auf, beeinflussen sie zudem erheblich die Schlaf- und Lebensqualität. Doch was lässt sich dagegen tun?

Sturm im Wadenmuskel

Ursache der nächtlichen Wadenkrämpfe, sind spontane Aktionen in den Nervenbahnen. Diese lösen eine Art Erregungssturm im Muskel aus und führen dazu, dass sich der Muskel vorübergehend verkrampft. Warum die Nerven plötzlich verrücktspielen, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutet werden Flüssigkeitsmangel oder ein schädigender Einfluss auf die Nervenhaut, zum Beispiel durch Alkohol oder Vitamin-B-Mangel.

Auch Medikamente wie Lithium, Diuretika, Statine und Kalziumantagonisten können Wadenkrämpfe auslösen. Manchmal führen ungünstige Fußhaltungen dazu: Werden die Zehen in Spitzfußstellung nach unten gesenkt, (z. B. durch eine schwere Bettdecke) kommt es ebenfalls leichter zu Wadenkrämpfen. In manchen Fällen stecken hinter den Krämpfen auch eine Nervenerkrankung oder Schilddrüsenstörung.

Dehngymnastik und Füßewippen

Wer von nächtlichen Wadenkrämpfen betroffen ist, interessiert sich vor allem dafür, diese wieder zum Verschwinden zu bringen. In der Akutsituation hilft aktives oder passives Dehnen der Muskulatur. Manchmal nützt es auch, herumzugehen oder sich mit autogenem Training zu entspannen. Denjenigen, die immer wieder von Wadenkrämpfen heimgesucht werden, sollen folgende Vorbeugemaßnahmen helfen:

  • Regelmäßige passive Dehnübungen der Wadenmuskulatur, z. B. dreiminütiges Dehnen der Waden- und Oberschenkelmuskulatur vor dem Schlafengehen.
  • Häufige Aktivierung der Füße und Waden tagsüber, z. B. durch Wippen, Strecken und Dehnen der Füße während der Schreibtischarbeit oder vor dem Fernseher.
  • Schlafen mit einem Kissen unter den Knien, Vermeiden der Bauchlage, um nicht in Spitzfußstellung zu schlafen.
  • Ausreichend trinken, Alkohol reduzieren.
  • Prüfung der Medikation durch die Ärzt*in und eventuelles Ab- oder Umsetzen von Präparaten, die Wadenkrämpfe auslösen können.

Magnesium und Chinin

Reichen oben genannte Maßnahmen nicht aus, können Medikamente helfen. Vor allem Nahrungsergänzungsmittel mit Magnesium werden bei Wadenkrämpfen gern empfohlen. Es fehlen zwar wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit, ein Versuch lohnt sich aber trotzdem, sagt der Neurologe und Seniorprofessor der Uniklinik Essen Hans-Christoph Diener.

Nachgewiesen ist die Wirkung für das Medikament Chinin. Aufgrund möglicher und z. T. schwerer Nebenwirkungen ist es seit 2015 rezeptpflichtig und wird bisher nur empfohlen, wenn alle anderen Therapieverfahren ausgeschöpft sind. Im Moment gibt es unter den Forschern Forderungen, das Präparat wieder häufiger einzusetzen, da es von Patienten*innen einer aktuellen Studie besser vertragen wurde als erwartet.

Quelle: idw 


Richtiger Umgang mit Inhalatoren

Einweisung auch in Apotheken

Mit den richtigen Medikamenten lassen sich die Symptome einer COPD oder eines Asthmas oft lindern. Doch die Anwendung der Inhalatoren ist gar nicht so einfach. Unterstützung erhalten Patient*innen in Apotheken und Arztpraxen.

Komplizierte Anwendung

Medikamente zum Inhalieren kommen vor allem bei Erkrankungen wie der Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder Asthma zum Einsatz. Der Vorteil: Das Medikament gelangt direkt zu seinem Wirkort, der Lunge. Die Anwendung eines Pulver-Inhalators oder ein Asthma-Sprays ist allerdings gar nicht so einfach. Schließlich müssen die richtige Atemtechnik und die Bedienung des Inhalier-Geräts gut aufeinander abgestimmt werden.

Schlechte Wirkung durch falsche Technik

Kein Wunder also, dass es bei der Anwendung der Inhalier-Geräte häufig zu Fehlern kommt. Eine Studie mit über 50 000 Patient*innen mit Asthma oder COPD hat ergeben, dass nur ein Drittel die Inhalation richtig durchführt. Das Problem: Wegen der falschen Technik gelangt das Medikament nicht in die Lunge und wirkt damit gar nicht oder schlechter. Beschwerden wie zum Beispiel Atemnot treten deshalb häufiger auf.   

Beratungsangebote wahrnehmen

Um den richtigen Umgang mit den Medikamenten zu lernen, haben Patient*innen deshalb Anspruch auf eine Einweisung in der Arztpraxis oder Apotheke. Zusammen mit einer Fachkraft üben Patient*innen hier die Inhalation an Demonstrationsgeräten. Außerdem ist genug Zeit für Fragen zur richtigen Anwendung.

Die Beratung in der Apotheke ist dabei natürlich kostenlos. Patient*innen dürfen bei jedem neu verordneten Inhalationsgerät oder bei einem Wechsel des Geräts die Leistung in Anspruch nehmen. Auch wenn seit der letzten Einweisung schon 1 Jahr vergangen ist, dürfen Patient*innen erneut zur Beratung. Voraussetzung ist aber, dass sie in dieser Zeit nicht in einem Disease-Management-Programm (DMP) eingeschrieben sind.

Quellen: Nationale Versorgungsleitlinie COPD und Asthma, Patientenleitlinie COPD, ABDA, Füeßl 2017


Mit Mundspülung gegen Frühgeburt

Parodontitis in der Schwangerschaft

Schwangere mit Parodontitis haben ein erhöhtes Risiko für Fehl- und Frühgeburten. Mundspülungen mit Chlorhexidin könnten davor schützen.

Zahnfleischentzündung mit Folgen

Schon lange ist bekannt, dass eine bakterielle Entzündung des Zahnfleischs und des Zahnhalteapparats (Parodontitis) in der Schwangerschaft negative Folgen auf Mutter und Kind haben kann. Dazu gehören erniedrigtes Geburtsgewicht und Frühgeburt.

Eine amerikanische Forschergruppe hat nun anhand einer Metaanalyse untersucht, ob Mundspülungen mit Chlorhexidin das Geburtsergebnis positiv beeinflussen. Eingeflossen sind darin die Daten von fast 6000 Teilnehmerinnen, deren Parodontitis über einen längeren Zeitraum zahnmedizinisch untersucht und dokumentiert worden war. Gut die Hälfte von ihnen behandelte ihre Parodontitis mit Chlorhexidin-Mundspülungslösungen.

Geburtsgewicht ebenfalls verbessert

Das lohnte sich offenbar doppelt: Diejenigen Frauen, die ihren Mund regelmäßig mit der Chlorhexidinlösung spülten, hatten nicht nur ein niedrigeres Risiko für eine Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche. Ihre Kinder waren bei Geburt auch seltener untergewichtig, d.h. sie wogen seltener weniger 2500 g.

Muss bei werdenden Müttern eine Parodontitis behandelt werden, sollte man neben der Standardtherapie mit Entfernung von Zahnstein und Biofilmen durch die Zahnärzt*in auch zu Mundspülungen mit Chlorhexidin raten, empfehlen die Autoren.

Quelle: Ärzteblatt