Apothekennews

Blasen vorbeugen und behandeln

Wenn der Schuh drückt

Ob nach einer langen Wanderung oder einem ausgiebigem Shoppingtrip – Blasen entstehen schnell und sind oft schmerzhaft. Das sind die besten Tipps, um Blasen vorzubeugen oder sie schnell wieder zum Abheilen zu bringen.

Wie entstehen Blasen?

Unsere Haut ist aus verschiedenen Schichten aufgebaut, die elastisch und verschiebbar sind. Die oberste Schicht bildet die Epidermis, darunter folgen die Dermis und die Subkutis. Druck oder Reibung von außen lassen zwischen den Schichten Hohlräume entstehen, die sich dann mit Gewebeflüssigkeit füllen. Wie sehr eine Blase schmerzt, hängt dabei von ihrer Tiefe ab. Generell gilt: Je länger und stärker die mechanischen Kräfte auf die Haut einwirken, desto tiefer die Blase und desto länger dauert die Heilung.

Blasen effektiv vorbeugen

Oft helfen aber schon ein paar einfache Tipps, damit Blasen überhaupt nicht entstehen. Bewährt hat sich:

  • Besonders anfällige Stellen vorsorglich mit Blasenpflastern abdecken oder mit Vaseline einschmieren
  • Neue Schuhe einlaufen, bevor sie länger getragen werden
  • Fester, guter Sitz der Schuhe
  • Socken tragen, die die Feuchtigkeit ableiten
  • Feuchte Füße vermeiden, z.B. durch Antischweißmittel (sog. Antihidrotika).

Blasen lieber nicht aufstechen

Schon entstandene Blasen sollten besser nicht selbstständig aufgestochen werden, weil das Infektionsrisiko dann hoch ist. Kleinere, kaum schmerzende Blasen werden daher besser nur mit einem Blasenpflaster abgedeckt. Diese polstern die betroffene Stelle, schützen so vor zusätzlichem Druck, fördern die Wundheilung und lindern den Schmerz. Wichtig ist, dass die Pflaster erst entfernt werden, wenn sie sich von selbst lösen. Andernfalls ist das Risiko hoch, die neugebildete Haut darunter wieder zu verletzen. Nur wenn eine Blase sehr stark schmerzt, ist es nötig, sie zu eröffnen, um die Wundflüssigkeit ableiten. So wird der unangenehme Druck von der betroffenen Stelle genommen und der Abheilungsprozess beschleunigt. Um Infektionen zu vermeiden, sollte man zuvor die richtigen Bedingungen schaffen, also den Hautbereich gründlich säubern und mit einer sterilen Nadel arbeiten. Im Zweifelsfall überlässt man die Blase aber lieber einer medizinischen Fachkraft.

Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung, Ausgabe Nr. 24(2019)


Lungendschonend putzen

Tipps für Menschen mit Lungenerkrankung

Viele Reinigungs- und Desinfektionsmittel enthalten aggressive Substanzen, die für das Lungengewebe gefährlich sind. Insbesondere Menschen, deren Lunge bereits durch eine Erkrankung wie z. B. Asthma oder COPD geschädigt ist, sollten daher beim Putzen besonders vorsichtig sein.

Flüchtige Lösungsmittel besonders belastend

Neben stark sauren oder stark alkalischen Mitteln, die die Haut reizen oder Verätzungen hervorrufen können, sind flüchtige Lösemittel oder sonstige Raumdüfte, wie z. B. Raumsprays oder Duftspender, besonders gesundheitsbelastend. Denn die Düfte bzw. flüchtigen Stoffe reizen die Atemwege, woraufhin sich die Bronchien verengen. Atembeschwerden wie Husten oder Atemnot sind die Folge.

Besser unbedenkliche Alternativen verwenden

Diese gesundheitsbelastenden Reinigungsmittel sind jedoch gut durch schonendere Alternativen ersetzbar. Schlechte Gerüche beispielsweise lassen sich durch kurzes Lüften beseitigen und zum Entfernen von Dreck genügt häufig schon ein Mikrofaser-Tuch sowie Wasser. Für hartnäckigeren Schmutz eignen sich duftstofffreie Produkte, die an den allergikerfreundlichen Siegeln des Deutschen Allergie- und Asthmabundes oder der Stiftung für Allergieforschung erkenntlich sind.

Übrigens: Laut dem Umweltbundesamt reichen für den Haushaltsputz ein Allzweckreiniger, ein Handspülmittel, eine Scheuermilch sowie ein saurer Reiniger auf Basis von Zitronensäure vollkommen aus.

Sprühflaschen am besten meiden

Besonders gefährlich für Menschen mit Lungenerkrankungen sind allerdings Reinigungsmittel aus Sprühflaschen. Denn der feine Nebel gelangt nicht nur auf die zu reinigende Oberfläche, sondern auch in die Luft. Dort wird er eingeatmet und reizt die empfindlichen Atemwege. Laut einer amerikanischen Studie soll das regelmäßige, jahrelange Einatmen des Sprühnebels die Lunge sogar ähnlich schädigen wie das Rauchen von zwanzig Zigaretten am Tag. Besser ist es daher das Putzmittel ins Wasser oder direkt auf das Putztuch zu geben. Wer dennoch nicht auf das Sprühen verzichten kann, sollte beim Putzen einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Richtig putzen mit Lungenerkrankung

  • Wichtig: Wenn möglich sollten Sie feucht putzen, da dies das Aufwirbeln von Staub verhindert. Eventuell ist das Tragen eines Mundschutzes oder einer Schutzbrille sinnvoll.
  • Nicht immer sind chemische Reiniger, starke Alkalien oder Säuren notwendig – mechanische Hilfsmittel wie Bürsten, Mikrofaser-Tücher, Saugglocke und Fensterabzieher genügen oftmals schon.
  • Putzmittel mit desinfizierender Wirkung reizen die Lunge und sind oftmals nicht notwendig.
  • Reiniger so gering wie möglich dosieren und niemals zusammenmischen.
  • Keine Sprühflaschen verwenden.
  • Frischer Schmutz – im Gegensatz zu bereits eingetrocknetem – lässt sich leicht mit Wasser und einem Mikrofaser-Tuch entfernen. Regelmäßiges Putzen verhindert zudem große Schmutzablagerungen.
  • Während und nach dem Putzen: Lüften!


Checkliste für den Zucker-Notfall

Was Angehörige wissen müssen

Auch wenn sich mit moderner Therapie und Messtechnik ein Diabetes heute gut beherrschen lässt — zu Blutzuckerentgleisung kann es trotzdem kommen. Darauf sollte nicht nur der Patient, sondern auch seine Angehörigen gut vorbereitet sein. Die Checkliste für den diabetischen Notfall hilft dabei.

Unterzuckerung durch menschliche Fehler

Notfallsituationen gibt es im Zusammenhang mit einem Diabetes häufig, weiß die Internistin und Diabetologin Veronika Hollenrieder aus Unterhaching zu berichten. Vor allem bei Insulinpatienten kommt es leicht zur Unterzuckerung, die im schlimmsten Fall zur Bewusstlosigkeit führt. Oft sind einfache menschliche Fehler die Ursache, z. B. wenn eine Insulindosis aus Versehen doppelt gespritzt oder Insuline verwechselt wurden.

Warnsignale früh erkennen

Viele Diabetiker entwickeln mit der Zeit eine gestörte Unterzuckerungs-Wahrnehmung. Sie bemerken dann die Zeichen eines zu niedrigen Blutzuckers nicht mehr und können nicht passend reagieren . Deshalb ist es wichtig, dass die Angehörige die Warnsignale für die Unterzuckerung erkennen, durch ihr Eingreifen Extremsituationen verhindern und im Notfall dem herbeigerufenen Notarzt wichtige Informationen mitteilen. Unterzuckerungszeichen sind beispielsweise:

  • Mangelnde Konzentration, Verwirrtheit
  • Emotionale Labilität, Aggressivität
  • Gestörte Grob- und Feinmotorik
  • Extreme Müdigkeit bis zur Bewusstlosigkeit.

Wie misst man den Zucker? WIe heißt das Insulin?

Ob erste Verwirrtheit oder sogar Bewusstlosigkeit, bei der Unterzuckerung ist rasches Handeln gefragt. Jetzt kommt es darauf an, dass auch die Angehörigen gut vorbereitet sind. Ob dem so ist, lässt sich anhand einer Checkliste klären:

  • Notfallnummer bekannt? Die Telefonnummer des Notarztes sollte gut sichtbar bereit liegen. Bei Bewusstlosigkeit immer als erstes den Notarzt rufen! Auch die Telefonnummer des Hausarztes sollte gut auffindbar sein.
  • Aufbewahrungsort von Messgerät und Insulin bekannt? Angehörige müssen wissen, wo Blutzuckermessgerät, Insuline und die erforderlichen Pens aufbewahrt werden. Auch hier ist ein gut sichtbarer Hinweis sinnvoll, damit zur Not auch Besucher helfen können.
  • Vertraut mit der Bedienung von Pen und Messgerät? Angehörigen sollten wissen, wie man mit Blutzuckermessgerät, Glukosesensor und Insulinpen umgeht. Nach einer entsprechenden Schulung ist es praktisch, immer mal wieder selbst Hand anzulegen, um die Bedienung der Utensilien aus dem FF zu beherrschen und die Scheu davor zu verlieren.
  • Schnell wirkende Kohlenhydrate bereit? Insulinpatienten sollten immer Saft oder Traubenzucker bereitstehen haben, und zwar am besten so, dass sie auch von anderen gut gefunden werden.
  • Notfallausweis griffbereit? Der Notfallausweis sollte an einem Platz stecken, wo er sich gut von anderen finden lässt, z. B. im Portemonnaie. Er muss immer aktuell sein, für den Notarzt besonders wichtig ist der Handelsname des vom Patienten genutzten Insulins.
  • Notfallmedikation bereit? Falls der Patient ein Notfallset mit Glukagonspritze hat, müssen die Angehörigen wissen, wo dies zu finden und wie es zu verabreichen ist. Seit März 2020 ist die Notfalltherapie mit Glukagon einfacher, weil es den Wirkstoff nun auch als Nasenspray gibt.


Mittagsschlaf als Blutdrucksenker?

Ein Hoch aufs Nickerchen!

Mittagsschläfchen entspannen nicht nur kurzfristig: Regelmäßige Siestas senken bei Hochdruckkranken offenbar den tagsüber gemessenen systolischen Blutdruck.

Lebensstiländerungen für den Blutdruck

Abnehmen, Rauchverzicht, mehr Bewegung und weniger Alkohol können den Blutdruck von hochdruckkranken Menschen um einige mmHg senken und gehören deshalb zu den empfohlenen Lebensstiländerungen. Womöglich reiht sich auch bald der Mittagsschlaf in diesen Reigen blutdrucksenkender Maßnahmen ein — vorausgesetzt, die Ergebnisse einer griechischen Studie lassen sich in anderen Untersuchungen bestätigen.

Durchschnittlich niedrigere systolische Werte

In dieser Studie an 212 Hypertonikern konnten Manolis Kallistratos und Kollegen den segensreichen Effekt des Mittagsschlafs nachweisen. 57% der Studienteilnehmer hatten in dem halben Jahr zuvor mindestens drei Mal pro Woche einen Mittagsschlaf von durchschnittlich 49 Minuten gehalten. Der zahlte sich aus: Bei den Mittagsschläfern wurden sowohl in der 24-Stunden-Blutdruckmessung als auch bei den Messungen tagsüber signifikant niedrigere durchschnittliche Werte als bei den Nichtschläfern gemessen (128 vs. 133 mmHg und 129 vs. 135 mmHg). Dabei hatten weder die Anzahl der von Patienten eingenommenen Hochdruckmedikamente noch die Ergebnisse verschiedener, die Herz-Kreislauf-Situation widerspiegelnder Untersuchungen einen Einfluss auf den Effekt.

Schon wenige mmHg senken Infarktrisiko

Die blutdrucksenkende Auswirkung des Mittagsschlafs war mit den Effekten anderer Lebensstiländerungen wie Rauchverzicht und Abnehmen vergleichbar, berichten die Forscher. Auch wenn es dabei nur um wenige mmHg geht, können die schon entscheidend sein. Denn eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um 2 mmHg senkt anderen Untersuchungen zufolge das Risiko Herzinfarkt und Schlaganfall um bis zu 10%.

Bloß nicht zu lange schlafen!

Doch nicht jeder Mittagsschlaf scheint gesund zu sein. Frühere Studien haben gezeigt, dass eine Schlafdauer über eine Stunde das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht. Das könnte daran liegen, dass bei längerem Schlaf die REM-Phase erreicht und dadurch vegetatives Nervensystem und Herz-Kreislauf-System aktiviert werden. Den durch die regelmäßigen Siestas hervorgerufenen blutdrucksenkenden Effekt in der griechischen Studie führen die Forscher darauf zurück, dass die Teilnehmer dem Mittagsschlaf nur durchschnittlich 49 Minuten frönten.

Quelle: Ärztezeitung


So bringt Ihr Hund Sie nicht zu Fall

Gefahr für alte Knochen

Hunde und Senioren passen gut zusammen: Wer im Alter einen Hund besitzt, leidet seltener an Einsamkeit und bewegt sich mehr. Doch leider erhöht die Hundehaltung die Sturzgefahr für alte Menschen. Hier finden Sie Tipps, damit Ihr Hund Sie nicht zu Fall bringt.

Ältere Frauen betroffen

Hund und Mensch sind schon seit Jahrtausenden ein gutes Team. Die Vierbeiner helfen bei der Jagd, suchen Lawinenopfer, erschnüffeln Drogen und führen Blinde. Auch alte Menschen profitieren von den Fellnasen. Wer einen Hund hat, bewegt sich mehr, geht häufiger an die frische Luft und hat mehr soziale Kontakte. Doch leider hat der Hund auch eine Kehrseite für Senioren – beim Hundespaziergang ist die Sturzgefahr erhöht. Betroffen sind laut einer amerikanischen Analyse von Unfallursachen aus 100 Notfallambulanzen vor allem ältere Frauen. Die Folgen solcher Stürze sind häufig Knochenbrüche. Die Hälfte der gestürzten Frauen brach sich Hand, Arm oder Schulter, knapp ein Fünftel sogar die Hüfte.

So beugen Sie Stürzen vor

Senioren jetzt von der Hundehaltung abzuraten, hieße jedoch das Kind mit dem Bade auszuschütten. Es gibt nämlich ein paar gute Tipps, um sich gegen den Sturz beim Hundegang zu wappnen:

  • Bei der Wahl des Hundes ist es sinnvoll, sich eine senioren-geeignete Hunderasse auszusuchen. Ein Pudel, Labradoodle oder Cavalier King Charles Spaniel ist für einen älteren Menschen besser geeignet als eine Dogge oder ein quirliger Jack Russell Terrier.
  • Welpen sind aus vielerlei Hinsicht für Senioren ungünstig. Besser ist ein Hund im mittleren Alter, der seine wilden Teenagerjahre schon hinter sich hat. Im Tierheim warten genügend Vierbeiner in ihren besten Jahren, die für ältere Menschen geeignet sind. Dort wird man auch bezüglich Charakters und Temperaments seines neuen Freundes gut beraten.
  • Beim Gassigehen sollte man die Leine keinesfalls um die Hand wickeln! Besser ist es auch, die Leine im Zweifelsfall lieber loslassen als selbst zu stürzen.
  • Wer die Umgebung gut im Blick behält, wird von der Aktion seines Hundes nicht überrascht.
  • Gutes Benehmen und ruhiges Verhalten kann man in jedem Alter lernen und trainieren. Der Besuch einer Hundeschule ist deshalb immer angebracht, wenn man sich einen neuen Hund nach Hause holt.

Quelle: DÄB


Machen Allergien den Babypo wund?

Dem Windelausschlag auf der Spur

Wenn das Baby dauernd wund am Po ist, verträgt es womöglich sein Essen oder sein Fläschchen nicht. Vor allem bei ausgeprägtem Windelausschlag und Durchfällen empfehlen türkische Kinderärzte, nach einer Nahrungsmittelallergie zu fahnden.

Tausend Reize für den Po

Der Windelausschlag begegnet fast allen Eltern: 2 Drittel aller Wickelkinder leiden mindestens einmal darunter, am häufigsten im Alter zwischen 9 und 12 Monaten. Als Ursachen für den wunden Po kommen viele Faktoren in Frage, die sich oft gegenseitig verstärken. Reizende Duft- und Konservierungsstoffe in Pflegeprodukten oder Fertigwindeln, das luftdicht abgeschlossene Windelklima und beißender Urin und Stuhl können dem Po ganz schön zusetzen. Ist die gesunde Säureschutzbarriere der Haut dann angeschlagen, haben Pilze oder Bakterien ein leichtes Spiel.

Reizende Kuhmilch, irritierende Eier

Vor allem die Kombination aus Durchfall und schlechtem Windelklima bietet einen idealen Nährboden für Windelausschlag. Wie oft der eigentliche Auslöser eine Nahrungsmittelallergie ist, haben jetzt türkische Kinderärzte untersucht. Sie sichteten die Daten von 157 Babys, die mindestens einen Monat lang an einem Windelausschlag litten und mit Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie in ein Krankenhaus eingewiesen worden waren. Gut drei Viertel der Kinder wiesen Durchfall oder anderen Magen-Darm-Probleme auf und 123 Kinder hatten eine Allergie. 96 Kinder vertrugen Kuhmilch nicht, 32 reagierten auf Eier und 3 auf Weizen. Babys, die auf mehrere Nahrungsmittel allergisch waren, hatten zumeist einen besonders ausgeprägten Windelausschlag, der sich durch eine lokale Behandlung kaum eindämmen ließ.

Ist das Allergen weg, freut sich der Po

Bei drei Viertel der Kinder führte das Weglassen des schädlichen Nahrungsmittels zur teilweisen oder vollständigen Abheilung des wunden Pos. Diesen Erfolg führten die Forscher darauf zurück, , dass die allergiebedingten Durchfälle abnahmen. Bei Babys mit hartnäckigem Windelausschlag und häufigen Durchfällen raten sie deshalb, nach Nahrungsmittelallergien zu fahnden. Wird dann das schuldige Nahrungsmittel weggelassen, sind die Chancen gut, dass der Durchfall aufhört und der Po aufatmet.

Quelle: Pediatric dermatology


COVID-19-Übertragung durch Aerosole

Jenseits der Tröpfchen

Über 100 Covid-Infizierte nach einem Gottesdienst in Frankfurt, über 30 nach einem Restaurantbesuch in Niedersachsen- immer wieder tauchen solche Schlagzeilen in der Presse auf. Selbst wenn die Abstandsregeln eingehalten werden, kommt es zu Masseninfektionen. Was steckt dahinter, und wie lässt sich vorbeugen?


Gefährliche Tröpfchen


Seit Wochen gehören sie zum Bild in der Öffentlichkeit: Mund-Nasen-Masken. Sie sollen die Infektionsraten senken, indem sie potenziell virushaltige Tröpfchen schon direkt am Herkunftsort abbremsen. Diese Tröpfchen entstehen beispielsweise beim Niesen oder Husten und haben einen Durchmesser von 5-500 Mikrometer – gerade an der Grenze der Sichtbarkeit. Dabei enthalten sie, je nach Größe, 1000 und mehr Viruspartikel. Spätestens nach 1,5 –2 m landen sie am Boden und werden damit für die luftgebundene Übertragung belanglos. Der empfohlene Mindestabstand beruht auf diesem Umstand.


Noch kleiner als Tröpfchen



Doch nicht nur Tröpfchen sind infektiös, sondern auch sogenannte Aerosole. Diese sind noch kleiner als Tröpfchen mit einem Durchmesser von 0,01 bis 5 Mikrometern. Sie können nur noch mit Laserlicht sichtbar gemacht werden und entstehen schon beim normalen Sprechen, Singen oder Rufen als ultrafeiner Sprühnebel. Das Tückische daran: Dabei sind sie so leicht, dass sie anders als Tröpfchen nicht absinken, sondern in der Luft schweben, mitunter noch stundenlang nach ihrer Entstehung.
Wie lange diese Aerosole in geschlossenen Räumen in der Luft bleiben, zeigten Wissenschaftler bei Experimenten: Sie setzten einen virushaltigen Nebel in einem geschlossenen Raum frei. Noch drei Stunden danach konnten sie tausende Viruspartikel in einem Liter Luft nachweisen. Selbst der Luftaustausch durch eine übliche Klimaanlage ändert daran nur wenig, wie in chinesischen und amerikanischen Krankenhäusern nachgewiesen werden konnte. Besonders gefährdet sind dabei kleine Räume mit viel Personenverkehr, wie z. B. Toilettenräume.


Wie wird man diese Partikel los?



Um die gefährlichen Aerosole aus einem Raum verschwinden zu lassen, hilft es nur, sie mit virusfreier Luft zu verdünnen. Und das heißt im Klartext – lüften, lüften, lüften.
Denn jeder Luftzug verwirbelt die ultrafeinen Tröpfchen und nagt an ihrer Substanz. So wie nasse Wäsche bei Wind schneller trocknet, so trocknet jede kleine Luftbewegung die winzigen Tröpfchen ein bisschen mehr aus. Dadurch schrumpfen sie, und tragen weniger Viruspartikel in sich.
Wer sich dann noch an die gebotenen Regeln wie Abstandhalten und Maskentragen hält, nimmt dem Virus immer mehr die Grundlagen, um sich weiter zu verbreiten.


Quelle: Deutsche ApothekerZeitung, Ausgabe 23/2020


Was tun bei Bisswunden?

Ratte, Hund, Katze, Maus

Bisswunden haben es in sich — im wahrsten Sinne des Wortes. Sie können gefährliche Keime aus dem Tierspeichel enthalten und sind oft viel tiefer, als es den Anschein hat. Um schwere Folgeschäden zu verhüten, sollte deshalb jede Bisswunde vom Arzt versorgt werden.

Von Wundinfektion bis Blutvergiftung

Vor allem Kinder werden von Haustieren oft gebissen, betroffen sind meist Arme und Gesicht. Das liegt nicht nur daran, dass sich die Kleinen gerne mit Hausratte, Hund und Katze beschäftigen und dabei schon aufgrund ihrer Größe den Tiermäulern besonders nah sind. Kinder vergessen auch gern einmal, dass es sich bei ihrem vierbeinigen Spielkameraden um ein Tier handelt. Da sind Missverständnisse vorprogrammiert: Häufig beißt ein Tier zu, wenn es erschreckt, geärgert oder beim Fressen gestört wird.

Doch Tierbisse sind mehr als schmerzhaft. Hund, Katze & Co. übertragen oft menschengefährdende Krankheitskeime mit ihrem Speichel, wodurch sich die Wunde entzündet. Bemerkbar macht sich eine solche Wundinfektion durch die typischen Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung, eitrige Absonderungen und klopfende Schmerzen. Manchmal breitet sich die Infektion auch über die Bisswunde hinaus weiter aus und schädigt tiefere Strukturen wie Sehnen, Nerven oder Muskeln. Gelangen die Erreger in den Blutkreislauf, droht sogar eine Blutvergiftung.

Teuflische Katzenzähne

Katzenbisse sind dabei ganz besonders gefährlich. Die spitzen Schneidezähne unserer Stubentiger dringen sehr tief in das Gewebe ein, wodurch Bakterien bis zu den Sehnenscheiden, Knochen und Gelenke gelangen und diese infizieren können. Dabei ist von außen meist nicht einmal sichtbar, wie tief der Katzenbiss gegangen ist.

Überhaupt ist es bei Tierbissen nicht möglich, von außen zwischen harmlos und gefährlich zu unterscheiden. Denn die Eintrittspforte, also die Bisswunde, kann nicht nur sehr klein sein. Sie verschließt sich auch oft durch Gewebeverschiebungen und erschwert dadurch die Beurteilung von außen erheblich.

Was tun nach einem Biss?

Damit es nach Tierbissen nicht zu Folgeschäden kommt, geben Unfallchirurgen folgen Rat:

  • Egal ob Ratte, Katze oder Hund zugebissen hat, jeder Tierbiss gehört zum Arzt. Und zwar so schnell wie möglich, damit dieser die frische Wunde sehen und beurteilen kann.
  • Immer den Impfpass mitnehmen, damit der Arzt den Impfstatus prüfen kann. Und zwar sowohl den Impfpass des Kindes als auch den Impfpass des Haustieres.
  • Auch harmlos erscheinende, bereits vom Arzt versorgte Bisswunden aufmerksam kontrollieren. Bisswunden können sich auch noch Tage später aus der Tiefe heraus entzünden. Bei entsprechenden Anzeichen (Rötung, Schwellung, Schmerzen, Eiter) den Arzt unbedingt sofort erneut aufsuchen.

Beim Arzt wird die Wunde dann gereinigt, desinfiziert und der Impfstatus (Tetanus und Tollwut) abgeklärt. Häufig werden Kinder mit Bissverletzung auch stationär aufgenommen und mit Antibiotikainfusionen behandelt. Bei großen Bisswunden ist manchmal sogar eine Operation erforderlich, um geschädigtes oder abgestorbenes Gewebe zu entfernen und den zurückgebliebenen Defekt plastisch zu decken.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie


Umweltzone senkt Arzneikosten

Weil Herz und Lunge aufatmen

Umweltzonen verbessern nicht nur die Luft, sie lohnen sich auch für die Gesundheit. Denn neben dem gesteigerten Wohlbefinden der Anwohner zeigen sich die Effekte von Umweltzonen auch ganz nüchtern in Euro und Cent – und zwar in reduzierten Medikamentenkosten.

Einfahrt nur mit passender Plakette

In 58 deutschen Städten gibt es inzwischen Umweltzonen, die für schadstoffintensive PKWs, LKWs und Busse gesperrt sind. In manchen Gebieten ist die Einfahrt nur mit grüner, in anderen mit grüner oder gelber Plakette erlaubt. Das mag die ausgesperrten Fahrer ärgern, doch der Gesundheit der dort lebenden Menschen kommt das Fahrverbot zugute, wie eine Analyse des MCC Klimaforschungsinstituts ergab.

16 Millionen Euro pro Jahr gespart

Die Studie basiert auf den anonymisierten Daten von 2,7 Millionen AOK-Versicherten und Luftqualitätsmessungen des Bundesumweltamtes (bereinigt von möglichen Störeffekten wie Wetterlagen und regionalen Wirtschaftsentwicklungen). Seit Einführung der Umweltzonen 2008 konnten die dortigen Feinstaubbelastungen kontinuierlich gesenkt werden, berichten die Forscher, und zwar im Durchschnitt um 5,9 Prozent.

Gleichzeitig gingen in den Städten mit Umweltzone die Verordnungen von Arzneimitteln für Atemwegs- und Herzerkrankungen kontinuierlich zurück. Insgesamt seien dadurch pro Jahr etwa 16 Millionen Euro an Medikamentenkosten eingespart worden, berechneten die Forscher. Als Ursache für die eingesparten Verordnungen nennen die Wissenschaftler die Verbesserungen der Luftqualität.

Nutzen sogar noch größer

Der Nutzen in Euro und Cent sei sogar noch viel größer, da nur die Kosten der verschreibungspflichtigen Medikamente erfasst worden seien. Noch gar nicht berechnet und zusätzlich zu Buche schlügen die (reduzierten) Kosten für die ärztliche Versorgung und die Effekte einer (vermiedenen) verfrühten Sterblichkeit durch Atemwegs- und Herzerkrankungen.

Quelle: MCC Klimaforschungsinstitut


Schuppe ist nicht Schnuppe

Wie Hefepilze Schuppen verursachen

Schuppen im Haar sind für viele Menschen eine große Belastung. Noch immer werden die weißen Flocken von vielen als ein Zeichen mangelnder Körperhygiene betrachtet. Doch Schuppe ist nicht gleich Schuppe.

Die Fähigkeit der Haut sich zu regenerieren

Die Bildung von Schuppen hängt mit der Physiologie der Haut zusammen: Ununterbrochen erneuert sich die Haut und stößt jeden Tag mehrere Milliarden Hornzellen ab. In den unteren Hautschichten entstehen zeitgleich neue Zellen, die innerhalb von etwa 30 Tagen die Oberfläche erreichen. Die abgestoßenen Zellen rieseln unbemerkt als kleinste Schüppchen zu Boden.

Wenn Hefepilze hinter Schuppen stecken

Lösen sich die Hautzellen jedoch nicht einzeln, sondern kleben viele Zellen aneinander, werden sie als Schuppen wahrgenommen. Meist sind Schuppen zwar unappetitlich, aber harmlos. Manchmal jedoch sind die schuppigen Veränderungen an der Kopfhaut erste Anzeichen für ernste Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Neurodermitis.
Grob zu unterscheiden sind 2 Arten von Schuppen: trockene Schuppen (seltener) und fettige Schuppen (häufiger). Je nach Beschaffenheit der Schuppen kommen unterschiedliche Auslöser in Frage:

  • Trockene Schuppen sind häufig Folge einer trockenen Kopfhaut, bedingt durch falsche Haarpflege oder trockene Heizungsluft . Achtung: Hier sind entfettende Antischuppen-Shampoos kontraindiziert!
  • Fettige, verklebte Schuppen treten dagegen häufig zusammen mit einer Seborrhö auf, also einer übermäßigen Talgproduktion der Kopfhaut. Wissenschaftler vermuten, dass die übermäßige Talgproduktion das Wachstum von Hefepilzen auf der Kopfhaut begünstigt. Ihre Stoffwechselprodukte reizen die Kopfhaut, was die Bildung neuer Hautzellen beschleunigt und so zu einer vermehrten Schuppenbildung führt. Gleichzeitig entstehen kleinste Mikroentzündungen, die sich durch Juckreiz oder kleine rote Stellen nach dem Kämmen bemerkbar machen.
    Hier eignen sich zur Behandlung antimykotische Shampoos oder Lösungen die das Pilzwachstum hemmen und in der Regel 2 bis 3 mal pro Woche angewendet werden. Zusätzlich helfen entfettende Shampoos und Produkte mit Selendisulfid. Diesem Wirkstoff wurde eine antiproliferative Wirkung nachgewiesen, er hemmt damit also die Zellteilungsrate und vermindert die Anzahl der Schuppen.

Quellen: PTA heute, Praxiswissen für die Apotheke, Ausgabe 9/2019 und gesundheitsinformation.de


Blutdruck messen - aber richtig!

Kardinalfehler vermeiden

Den Blutdruck selbst zu messen ist für viele Menschen Routine. Automatische Blutdruckmessgeräte für zuhause sind aber nur vermeintlich leicht zu bedienen – denn einige Regeln müssen auch hier beachtet werden, um verlässliche Werte zu erhalten.

Die Position macht´s aus

Die Bestimmung des Blutdrucks ist bei vielen Erkrankungen von Bedeutung. Gut, dass es auch zu Hause möglich ist, seinen Blutdruck zuverlässig zu kontrollieren. Inzwischen gibt es eine Reihe von technisch ausgefeilten Messgeräten, mit denen sich der Blutdruck am Oberarm oder am Handgelenk selbstständig ermitteln lässt. Doch leider kann man bei der Messung trotzdem eine Menge falsch machen. Die American Heart Association hat die häufigsten Fehler und die besten Tipps für eine korrekte Blutdruckmessung zusammengestellt:

  • Besonders wichtig ist beim Blutdruckmessen die Position. Der systolische Blutdruck ist im Liegen 3 bis 10 mmHg höher als im Sitzen. Wenn unbedingt im Liegen gemessen werden muss, sollte man dabei ein Kissen unter den Oberarm legen, damit sich Messstelle und Herz auf gleicher Ebene befinden.
  • Im Sitzen sollte bei der Messung der Oberarm nicht einfach herabhängen. Am besten legt man ihn bequem so ab, dass sich die Manschette des Messgerätes im Niveau des Vorhofs befindet, also etwa in der Mitte des Brustbeins.
  • Es ist wichtig, sich bei der Blutdruckmessung zu entspannen und mit dem Rücken gut anzulehnen. Ist der Rücken nicht gestützt, kann der systolische Blutdruck um bis zu 15 mmHg und der diastolische um bis zu 6 mmHg steigen.
  • Die Beine dürfen bei der Messung nicht übergeschlagen oder gekreuzt werden. Beinekreuzen beim Blutdruckmessen lässt den Blutdruck systolisch um bis zu 8 mmHg, diastolisch um bis zu 5 mmHg ansteigen.
  • Wer ein Handgelenkmessgerät benutzt, muss es sorgfältig anlegen. Der Sensor muss genau über der daumenseitigen Unterarmarterie (Arteria radialis) positioniert sein. Im Zweifel kann man sich den Messpunkt von seinem Arzt oder Apotheker zeigen lassen.
  • Das Handgelenk muss bei einer Handgelenksmessung über den gesamten Messvorgang hinweg gestreckt und in Höhe des Herzens gehalten werden. Ganz einfach geht das zum Beispiel, wenn man dazu im Sitzen den Ellenbogen bequem auf einen Tisch aufstützt.

Blutdruck-Uhren vor die Brust!

Neben den bewährten Blutdruckmessern für Oberarm und Handgelenk gibt es inzwischen auch andere Möglichkeiten, den Blutdruck zu messen. Ganz up to date ist für viele, dafür das Smartphone zu nutzen. Dabei wird der Finger auf das Dysplay gelegt und der Blutdruck bestimmt, indem spezielle Apps die Hautdurchblutung messen. Doch diese Methode ist nicht ausreichend geprüft, warnen die Kardiologen und raten davon ab.

Weiter entwickelt in puncto Blutdruck-Messung seien dagegen Smartwatches und andere Blutdruck-Uhren. Aber auch hier bleibe abzuwarten, ob diese Geräte dauerhaft zuverlässige Messergebnisse liefern können. Neue interessante Messtechnologien für die Blutdruck-Uhren sind dafür schon in Erprobung. Wer jetzt schon seinen Blutdruck mit Hilfe eine Blutdruck-Uhr messen möchte, sollte sie bei der Messung auf jeden Fall in vors Herz halten.

Quelle: DÄB


Fieber bei Babys und Kleinkindern

Richtig messen, richtig reagieren

Auch wenn Fieber im Kindesalter häufig vorkommt, ist für Eltern der fiebernde Nachwuchs jedesmal wieder eine echte Herausforderung. Vor allem bei Babys und Kleinkindern sind Väter und Mütter oft unsicher, was sie bei ansteigenden Temperaturen machen sollen. Deshalb ist es wichtig, gut informiert zu sein: Welche Temperaturen gelten bei Kindern überhaupt als Fieber, wann und wie sollte man Fieber senken und wann muss ein fieberndes Kind dem Arzt vorgestellt werden? Dies und mehr rund um das Thema Fieber bei Babys und Kleinkindern erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Was ist Fieber überhaupt?

Fieber ist keine Krankheit, sondern Teil der Gegenmaßnahmen unseres Körpers auf das Eindringen von Krankheitserregern oder andere schädigende Ereignisse (Fieber entsteht z. B. auch bei Krebserkrankungen oder Hormonstörungen). Im Falle einer Infektion wird Fieber durch die körpereigene Abwehr ausgelöst, die über Botenstoffe wie Interleukine und Prostaglandine den Temperatur-Sollwert im Gehirn erhöht. Der Körper glaubt zu frieren und versucht, seine Kerntemperatur zu erhöhen. Er beginnt mit Kältezittern (Schüttelfrost), um durch Muskelaktivität Wärme zu generieren. Gleichzeitig verengt er die Gefäße und reduziert das Schwitzen, um weniger Wärme abzugeben. Durch die erhöhte Körpertemperatur wird nun der gesamte Stoffwechsel aktiviert und der Ablauf biochemischer Reaktionen beschleunigt – was wiederum die Abwehrvorgänge auf Trab bringt.

Hinweis: Bei Neugeborenen bis zu 28 Tagen ist dieser Mechanismus noch nicht voll ausgeprägt. Sie reagieren deshalb auch bei schweren Infektionen nur mit einem geringen Temperaturanstieg. Alarmzeichen sind bei ihnen eher Apathie, Trinkunlust, Veränderung der Hautfarbe und Berührungsempfindlichkeit.

Welche Temperaturen sind normal?

Gesunde Erwachsene haben eine durchschnittliche Körpertemperatur von 36,0 bis 37,2° C, Temperaturen > 37,9°C (rektal gemessen) gelten bei ihnen als Fieber. Die Körpertemperatur gesunder Kinder ist etwas höher, bei ihnen sind 36,5 bis 37,5 °C normal, wobei die Temperatur abends ein halbes Grad höher sein kann als morgens (war das Kind der Sonne ausgesetzt, kann das Thermometer auch ein ganzes Grad klettern). Von Fieber spricht man bei Kindern, wenn die Temperatur über 38,5°C liegt, darunter von subfebrilen Temperaturen. Bei Neugeborenen (bis 4 Wochen alt) gelten Temperaturen über 38,0 °C als Fieber.

Neben einer erhöhten Temperatur gibt es weitere aussagekräftige Hinweise darauf, ob ein Kind Fieber hat. Typische Anzeichen sind

  • Heißes und gerötetes Gesicht, glasige Augen
  • Teilnahmslosigkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit
  • Husten, Schnupfen, Atemnot
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Verändertes Schreimuster, Lethargie, Reizbarkeit.

Hinweis: Nicht jede Temperaturerhöhung ist krankhaft. Beim und nach dem Spielen in der Sonne, bei körperlicher Aktivität und Herumtoben entwickeln Kinder häufig Körpertemperaturen bis leicht über 38°C.

Fieber messen – aber richtig

Beim Verdacht auf Fieber ist sofort die Körpertemperatur zu messen. Die genauesten Werte ergibt die rektale Messung, bei der vorsichtig ein Thermometer in den Po des Kindes eingeführt wird. Folgendes Vorgehen wird empfohlen:

  • Das Kind ist nicht überhitzt (vom Herumtoben) und trägt nicht mehr Kleidung als nötig (zu warme Kleidung kann Fieber vortäuschen).
  • Das Kind legt sich entspannt auf die Seite und zieht die Beine an, Babys legt man auf den Rücken.
  • Die Spitze des digitalen Fieberthermometers mit Wasser anfeuchten oder mit etwas Vaseline oder Creme bestreichen.
  • Das Thermometer vorsichtig ein bis zwei Zentimeter in den Po einführen und auf das Messsignal warten.
  • Thermometer herausziehen, ablesen und reinigen.

Eine weitere Methode ist die Messung der Temperatur mittels Ohrthermometer. Hier ist es wichtig, dass das Gerät korrekt gehalten wird, damit der Infrarotstrahl auch das Trommelfell erreicht. Dafür muss man die Ohrmuschel vorsichtig nach hinten oben ziehen. Zu beachten ist auch, dass Ohrenschmalz und Zugluft die Messwerte verfälschen können.

Eine weitere Messmethode für kooperative Kinder über 5 Jahren ist die Messung der Temperatur im Mund. Gemessen wird frühestens 10 Minuten nach dem Essen oder Trinken unter der Zunge, das Kind soll während der Messung durch die Nase atmen. Messwerte unter der Zunge sind etwa 0,3 bis 0,5 °C niedriger als im Po gemessene Werte.

Hinweis: Stirn- und Schläfenthermometer sowie die Messung in der Achselhöhle sind ungenau, man sollte bei Kindern grundsätzlich darauf verzichten.

Wann zum Arzt?

Da Kinder im Verlauf des Heranwachsens viele Infektionen durchmachen, treten bei ihnen auch häufiger Temperaturerhöhungen und Fieber auf als bei Erwachsenen. Oft stecken banale Infektionen durch Viren oder Bakterien dahinter, z. B. ein Schnupfen oder ein Magen-Darm-Infekt, die man gut selbst behandeln kann. Zum Arzt gehen bzw. den Kinderarzt anrufen sollte man mit

  • Säuglingen < 3 Monaten bei Temperaturen ab 38,0 °C
  • Babys ab 3 Monaten und Kleinkindern bei Temperaturen ab 39 °C.

Daneben gibt es weitere Gründe, mit einem fiebernden Kind einen Arzt aufzusuchen:

  • Das Fieber dauert länger als 3 Tage.
  • Das Fieber sinkt trotz fiebersenkender Maßnahmen wie Paracetamol-Zäpfchen nicht.
  • Das Fieber kehrt nach einer kurzen fieberfreien Zeit wieder zurück.
  • Weitere Beschwerden kommen dazu, wie beispielsweise Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Nackensteife, erschwerte Atmung.
  • Das Baby schreit anders als sonst und/oder wirkt lethargisch.
  • Das Baby will nicht trinken und reagiert negativ auf Berührungen.
  • Die Eltern sind besorgt und beunruhigt.

Bei 90 % aller Fieberzustände kann der Arzt durch eine gründliche klinische Untersuchung und eine Untersuchung des Urins die Ursache feststellen und, falls notwendig, eine Therapie einleiten. Selten werden Blutentnahmen, Röntgen oder andere Untersuchungen nötig.

Ab wann Fieber senken?

Fieber hat bei Infektionen eine wichtige Aufgabe: Es beschleunigt alle Stoffwechselprozesse und heizt damit auch das Abwehrsystem ordentlich an. Deshalb muss es auch nicht zwingend bekämpft werden – im Gegenteil: Untersuchungen haben ergeben, dass fiebersenkende Mittel oft den Verlauf von Infektionskrankheiten verlängern. Andererseits ist hohes Fieber eindeutig schädlich: Steigt es über 39°C, kommt es über die Aktivierung des Stoffwechsels zu einer vermehrten Belastung von Herz und Kreislauf. Viele Ärzte empfehlen deshalb bei Kindern mit Herz- oder Lungenerkrankungen früher fiebersenkende Medikamente als bei ansonsten gesunden Kindern.

Doch wann sollen Eltern ihrem Kind ein fiebersenkendes Mittel verabreichen? Unter 40°C gibt es dafür keine generelle Empfehlung. Entscheidend ist neben der gemessenen Temperatur der Allgemeinzustand des Kindes, weshalb Eltern den kleinen Patienten gut beobachten müssen. Ist das Kind munter und trinkt ausreichend, können auch Körpertemperaturen bis 39°C akzeptiert werden. Bei Windelträgern ist regelmäßig zu prüfen, ob die Windeln nass genug werden – das Kleine also genug Flüssigkeit ausscheidet. Auch an trockenen Schleimhäuten, also wenn sich z.B. die Lippen trocken anfühlen und das Kind ein klebriges Gefühl im Mund hat, lässt sich gut erkennen, wenn ein Kind nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgt ist. Im Zweifel ist immer ein Arzt aufzusuchen!

Allgemein gilt: Je schlechter der Zustand des Kindes ist, desto früher sind bei Temperaturen > 38,5° C fiebersenkende Medikamente oder, wie in den oben genannten Fällen, auch der Gang zum Arzt angebracht. Mit einer Fiebersenkung begonnen werden sollte bei

  • Kindern mit rektalen Temperaturen > 39,5 °C
  • Fiebernden Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben
  • Fiebernden Kindern, deren Allgemeinzustand schlecht ist.

Hinweis: Fieber nach dem Impfen muss und soll nicht mit fiebersenkenden Mittel behandelt werden, da dies die erwünschte Impfreaktion abschwächt. Wenn Ihr Kind nach dem Impfen Temperaturen >39 °C entwickelt und Sie Zweifel haben, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Kinderarzt.

Fieber senken – aber wie?

Fieber lässt sich mit Medikamenten oder mit physikalischen Maßnahmen beeinflussen. Als Erstmaßnahmen empfiehlt sich, dass das Kind mit nackten Beinen und Armen herumläuft, und im Bett nur mit einer leichten Decke schläft. Die Heizung etwas herunterzudrehen ist ebenfalls eine sinnvolle Idee — genau wie Speiseeis und kalte Getränke anzubieten. Diese Maßnahmen sind aber nur sinnvoll, wenn das Kind „mitzieht“ - wenn es sich dagegen wehrt, sollte man darauf verzichten. Ansonsten verschaffen eine ganze Reihe von Hausmitteln dem Patienten in der jeweiligen Fieberphase Linderung. Insgesamt gelten folgende Regeln:

  • Viel trinken! Fiebernde Kinder sollen täglich 50 bis 80 ml Wasser oder ungesüßten Tee pro kg Körpergewicht trinken.
  • Wärmflasche und eine zusätzliche Decke helfen bei Schüttelfrost.
  • Wadenwickel und Pulswickel anlegen, wenn das Fieber sinkt und der Körper gekühlt werden soll. Achtung, bei Säuglingen sind nur Pulswickel angebracht.
  • Strikte Bettruhe, gerne auch auf dem Sofa, ist nur einzuhalten, wenn das Kind sich schlapp fühlt. Körperliche Anstrengungen, Sport und Toben sind trotzdem zu vermeiden.

Hinweis: Damit der Körper nicht zu sehr auskühlt, dürfen Waden- oder Pulswickel nur angelegt werden, wenn Arme und Beine warm sind!

Fieber mit Medikamenten senken

Als Medikamente der Wahl gelten bei Kindern Paracetamol und Ibuprofen.

  • Paracetamol (zum Beispiel ben-u-ron®) wirkt gegen Fieber und Schmerzen, indem es die Synthese von Prostaglandinen und die pyrogenen Effekte anderer körpereigener Botenstoffe im Gehirn hemmt. Es wird je nach Alter und Gewicht dosiert, die Tagesgesamtdosis sollte 60 mg/kg Körpergewicht nicht überschreiten. Paracetamol ist auch für Neugeborene zugelassen, in diesen Fällen wird der Arzt die entsprechenden Mengen bestimmen.
  • Ibuprofen (zum Beispiel Nurofen®) wird ebenfalls nach Alter und Gewicht dosiert, hier ist die höchste erlaubte Gesamttagesdosis 30 mg/kg Körpergewicht. Ibuprofen ist für Kinder ab 3 Monaten zugelassen. Für sehr kleine Dosen empfehlen sich Zäpfchen.

Die fiebersenkenden Arzneimittel stehen als Saft, Zäpfchen, Tabletten, Kapseln oder Schmelztabletten zur Verfügung. Bei der Gabe von Fiebersaft ist Vorsicht geboten, er soll dem sitzenden oder aufrecht gehaltenen Kind langsam in die Wangentasche geträufelt werden, damit es sich nicht verschluckt. Bei Erbrechen oder wenn das Kind lethargisch ist und schlecht schlucken kann, eignen sich Zäpfchen besonders gut.

Einige Ärzte empfehlen, fiebernden Kindern Paracetamol und Ibuprofen im Wechsel zu geben, um das Fieber so schneller zu senken. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin lehnt dieses Vorgehen ab und rät dazu, nur einen Wirkstoff zu verwenden und außerdem die verabreichten Mengen genau zu notieren. Notieren Sie auch die gemessenen Temperaturen, um eine Fieberkurve zu erstellen. Diese Informationen sind wichtig, wenn Sie mit Ihrem Kind doch den Kinderarzt aufsuchen möchten.

Hinweis: Acetylsalicylsäure (ASS) darf Kindern und Jugendlichen nicht gegeben werden, da bei ihnen durch ASS das seltene Reye-Syndrom mit Gehirnentzündung und Leberzellnekrose ausgelöst werden kann.

Quellen: DAZ 2019, Nr. 47, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin


Soulfood oder Superfood

Schokolade ist besser als ihr Ruf

Schon vor tausenden Jahren galt die Schokolade in Lateinamerika als Medizin. Auch heute schreibt man ihr erstaunliche Wirkungen zu: Sie verbessert die Laune, beugt Herzinfarkten vor und soll sogar Übergewicht verhindern. Doch was kann die Schokolade wirklich?

Schokolade macht glücklich - warum eigentlich?

Ein Stück Schokolade, das auf der Zunge zergeht, hebt wohl die Stimmung der meisten Menschen. Das liegt wohl vor allem am süßen, cremigen und aromatischen Geschmack. Doch auch viele Inhaltsstoffe der Schokolade beeinflussen die Psyche. Flavonoide, Coffein und Alkaloide sind nur wenige Beispiele für Inhaltsstoffe in der Schokolade, die in einem komplexen Zusammenspiel die Stimmung beeinflussen.

Gesund durch Polyphenole

Nicht nur die Psyche, auch der Körper profitiert von der Schokolade. Verantwortlich dafür ist eine große Vielfalt verschiedener Polyphenole, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehören. Diese werden im Darm aufgenommen und verteilen sich über das Blut im gesamten Körper.

  • In den Blutgefäßen wirken die Polyphenole einer Entzündung entgegen und schützen so vor Atherosklerose, einem Auslöser von Herzinfarkten oder Schlaganfällen.
  • Auch im Magen-Darm-Trakt wirken die Polyphenole einer Entzündung entgegen und schützen den Darm. Zusätzlich verbessern sie die Folgen von Übergewicht, wie eine reduzierte Insulinempfindlichkeit und einzelne Blutfettwerte.
  • Durch ihren Einfluss auf verschiedene Regionen im Gehirn erleichtern die Polyphenole das Lernen und das Erkennen von Zusammenhängen.

Vollmilch, zartbitter oder weiß – die Sorte ist entscheidend

Doch Schokolade ist nicht gleich Schokolade. Die verschiedenen Sorten unterscheiden sich in der Zusammensetzung, also etwa im Verhältnis von Kakaomasse, Kakaobutter und Zucker, den Grundzutaten der Schokolade. Dunkle Schokolade enthält besonders viel Kakaomasse, in der die wertvollen Polyphenole stecken. Dafür enthält sie aber viel Cadmium, ein Spurenelement, das in zu großen Mengen gesundheitsschädlich ist. Weiße Schokolade und Vollmilch enthalten hingegen weniger, bis gar keine Kakaomasse, also kaum Polyphenole.

Auch wenn es verlockend ist, sind die positiven Effekte auf die Gesundheit keine Ausrede für übermäßigen Schokoladenverzehr. Wie mit jedem Genussmittel gilt auch hier, Maß zu halten. Denn Schokolade enthält neben den „guten Polyphenolen“ auch Zutaten, die in großen Mengen der Gesundheit schaden: Fett und Zucker.

Quellen: Magrone et al. 2017, Latham et al. 2014, Tuenter et al. 2018, Maddela et al. 2020, PTAheute 2020(9)


Babysprache aktiviert Gehirn

Eltern machen´s richtig

Dududu, wo ist denn das Babylein, killekille … — beim Anblick kleiner Wonneproppen fallen entzückte Eltern, Tanten und selbst fremde Erwachsene oft automatisch in die Babysprache. Und das ist ganz richtig so, meinen die Kinderärzte.

Einfache Wörter, singende Sprache

Wenn Eltern in der Babysprache flöten und gurren, hört sich das für andere oft ziemlich unsinnig an. Doch das Gegenteil ist der Fall, erklärt der Kinderarzt Ulrich Fegeler. Dieser Sprachstil, der aus einfachen Wörtern, schlichter Grammatik, Wiederholungen und übertriebenen Klängen besteht und meist in erhöhter, aber variantenreicher oder singender Stimmlage erklingt, ist für Babys enorm wichtig.

Reiz fürs Babyhirn

Denn Kinder, mit denen als Säugling viel in der Babysprache kommuniziert wird, lernen später nicht nur leichter sprechen. Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass diese fröhliche, dem Kind zugewandte Babysprache auch ein starker Anreiz für das Babygehirn ist, darauf zu reagieren und zu kommunizieren. Und das sogar schon in der Phase, in der das Kleine selbst nur brabbeln kann.

Eltern sollten sich also von außenstehenden Kritikern nicht irre machen lassen und weiter nach Lust und Laune mit ihrem Baby gurren. Denn Zwiegespräche in Babysprache sind laut Fegeler eine einfach durchzuführende Frühförderung. Vor allem, wenn sie nicht nur Laute, sondern auch einfache Wörter enthält, beeinflusst Babysprache die spätere Sprachentwicklung positiv.

Quelle: www.kinderärzte-im-netz.de


Was bringen Darm-Ökogramme?

Der Flora auf der Spur

Die Darmflora ist seit geraumer Zeit als Dreh- und Angelpunkt für Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen in aller Munde. Kein Wunder, dass Angebote für „persönliche Darm-Ökogramme“ nur so aus dem Boden schießen. Doch was bringt die – meist teure — Bakteriensuche im Stuhl?

Billionen von Keimen im Darm-Dienst

Bis zu 2 kg Bakterien trägt ein Erwachsener in seinem Darm mit sich herum. In Zahlen sind das etwa 80 Billionen Keime, die zu mindestens 500 bis 1000 verschiedenen Arten gehören. Diese Armada von Mikroben spielt eine bedeutende Rolle für den Organismus. Sie unterstützt die Verdauung, produziert Vitamine, neutralisiert giftige Substanzen und trägt zur Immunabwehr bei.

Eine gestörte Darmflora wird deshalb auch immer häufiger mit Erkrankungen in Verbindung gebracht. Typisches Beispiel ist die antibiotika-assoziierte Diarrhö, bei der die natürliche Darmflora durch Antibiotika reduziert und der Darm von krankhaften Keimen überwuchert wird, wodurch es zu Durchfällen kommt. Eine Veränderung der Zusammensetzung der Darmflora (die sogenannte Dysbiose) soll auch z. B. mit Rheuma und Allergien in Zusammenhang stehen – die genauen Krankheitsmechanismen sind aber noch unklar.

Lukrative Darmflora

In letzter Zeit wird die Dysbiose jedoch nicht nur von Ärzten erforscht und diskutiert. Auch geschäftstüchtige Anbieter haben sich des Themas angenommen und versuchen, aus den Darmbakterien Profit zu schlagen. Sowohl Darm-Ökogramme, d.h. Untersuchungen der Darmflora mit Hilfe von Stuhlproben, als auch die danach ausgesprochenen Ernährungsempfehlungen mit Probiotika stehen bei Menschen mit Befindlichkeitsstörungen oder Krankheiten hoch im Kurs. Doch Experten sehen diese „Darm-Ökogramme“ aus mehreren Gründen kritisch:

  • Viele Krankheiten können zu einer reduzierten Vielfalt der Darmflora führen. Eine solche reduzierte Diversität des Mikrobioms (so der Fachausdruck für eine verringerte Anzahl von Bakterienarten) ist aber unspezifisch und kein Beweis für eine bestimmte Krankheit. Außerdem ist eine Veränderung der Darmflora nicht immer krankhaft. 
  • Die von Anbietern solcher Darm-Ökogramme angegebenen „Normbereiche“ und entsprechende Abweichungen davon sind nicht evidenzbasiert (d.h. es gibt keine ausreichenden Studien dazu) und lassen deshalb keine therapeutischen Ernährungsempfehlungen zu. 
  • Auch die gezielte Suche nach einzelnen „guten“ Stämmen und die daraus resultierende probiotischen Empfehlungen sind fragwürdig, da völlig unklar ist, wie viele solcher guter Bakterien „normal“ sind. •
  • Ebenso fraglich ist es, ob die nach einem Darm-Ökogramm empfohlenen Probiotika überhaupt in der Lage sind, sich in im Darm anzusiedeln und die Darmflora nachhaltig zu beeinflussen.

Für die klinische Diagnostik gastrointestinaler Erkrankungen haben Darm-Ökogramme derzeit keinen Stellenwert, resümierte deshalb auch die Gastroenterologin Viola Andresen beim Praxis Update 2020. Ein sinnvoller Einsatz könnte jedoch in Zukunft die fäkale Stuhltransplantation sein, um die Darmflora des Spenders mit der des Empfängers zu vergleichen und dadurch eine passenden Spender zu finden. Menschen jedoch, die der Ursache für Ihre Darmbeschwerden mit einem Darm-Ökogramm auf die Spur kommen wollen, können sich die Kosten für diese Untersuchung besser sparen.

Quelle: Springer Medizin


Richtige Matratze – guter Schlaf

So findet man die optimale Matratze

Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend – und damit auf unserer Matratze. Deren Qualität ist nicht nur Voraussetzung für guten Schlaf, die falsche Matratze verursacht auch häufig Rückenschmerzen. Diese Tipps helfen die richtige Matratze zu finden.

Schlafgewohnheiten beachten

Matratze ist nicht Matratze: Bei der Auswahl kann man viel falsch machen – das hat Folgen. Wer falsch liegt, schläft schlecht und wer schlecht schläft, dessen Rückenmuskulatur und Bandscheiben regenerieren nicht richtig. Umso wichtiger ist es, die individuell passende Matratze zu finden.
Zuerst sollte unbedingt über die eigenen Schlafgewohnheiten nachgedacht werden, da gute Matratzen optimalerweise mehrere Liegezonen haben: Wer auf dem Rücken schläft, benötigt z. B. eine Matratze, die die Wirbelsäule in ihrer natürlichen S-Form stützt. Sie sollte deswegen im Nackenbereich fester und im Schulter- und Beckenbereich weicher sein, so dass keine Druckstellen entstehen und Schulter und Becken leicht einsinken. Bauchschläfer brauchen eine Matratze, die im Lendenwirbelbereich fester ist, damit kein Hohlkreuz entsteht. Für Seitenschläfer eignet sich eine Matratze, die im Schulter- und Hüftbereich ausreichend nachgibt, sodass die Wirbelsäule gerade liegt und nicht durchhängt.

Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen

Für die richtige Matratzenwahl sind außerdem diese Punkte zu beachten:

  • Temperaturtyp bedenken: Die eigene Wohlfühltemperatur entscheidet über die Materialauswahl mit. Schwitzt man viel, ist ein Material mit guter Durchlüftungsfähigkeit zu wählen. Ist einem eher zu kalt, eignet sich eine Matratze, die gut isoliert.
  • Besser zwei als eine: Da jeder Körper anders gebaut ist, sind die Anforderungen für die Schlafunterlage entsprechend unterschiedlich. Für Paare ist es daher sinnvoll, statt einer großen Matratze, zwei einzelne zu kaufen.
  • Verschiedene Härtegrade ausprobieren: Die Härtegrade der Matratzen unterliegen keiner Norm. Die Käufer orientieren sich am besten nach den eigenen Vorlieben. Zu beachten ist allerdings, dass eine zu harte Matratze zu ständigen Haltungswechseln und einen unruhigen Schlaf verleitet – eine zu weiche Matratze hingegen die Bewegungsfreiheit einschränkt und die Wirbelsäule nicht ausreichend stützt. Zudem benötigen schwere Menschen eine eher harte Matratze und leichte Menschen eine weiche, damit Schulter und Becken optimal einsinken.
  • Umtauschrecht vereinbaren: Nachdem die ergonomische Passform einer Matratze meist nur nach mehreren Nächten beurteilbar ist, raten Experten, beim Kauf einer Matratze ein mindestens 2 wöchiges Umtauschrecht zu vereinbaren.

Quelle: Techniker Krankenkasse


Zu peinlich für den Arzt

Was lieber geheim bleibt

Von Achselschweiß bis Zahnfäule gibt es eine ganze Menge körperlicher Beschwerden, über die Patienten nicht gerne reden. Für welche Krankheiten sich Männer und Frauen besonders schämen, wurde in einer diskreten Online-Befragung herausgefunden.

Schamhaft beim Arzt und beim Partner

1502 Männer und Frauen beteiligten sich an der Internet-Befragung der Online Praxis Zava zu schamhaft besetzten Themen. Dabei kam heraus, dass für 44% der Frauen und 36% der Männer bestimmte Beschwerden zu peinlich sind, um darüber persönlich mit ihrem Arzt zu sprechen. Ähnlich sieht es im Privatbereich aus: 43% der Frauen und 32% der Männer lassen peinliche Themen auch ihrem Partner gegenüber lieber außen vor.

Gerüche besonders unangenehm

Doch wobei sind die Deutschen nun besonders schamhaft? Um das zu beantworten, sollten die Befragten aus einer Liste verschiedener Beschwerden und Erkrankungen diejenigen auswählen, über die sie besonders ungern sprachen. Die 10 peinlichsten Beschwerden rangierten in dieser Studie wie folgt:

  • Starker Mund- und Achselgeruch
  • Schlechte Zähne
  • Übermäßiges Schwitzen
  • Blähungen
  • Läuse
  • Pilzinfektionen im Intimbereich
  • Schuppen, fettige Haare
  • Inkontinenz
  • Durchfall
  • Geschlechtskrankheiten.

Angst vor Verurteilung steckt tief

Häufig steckt hinter dem Schamgefühl die Angst, von anderen wegen mangelnder Körperhygiene verurteilt zu werden. Nicht berücksichtigt würde dabei von den Patienten, dass diesen Beschwerden auch andere Ursache zugrunde liegen könnten, betont Beverly Kugler, Ärztliche Leiterin der Online-Praxis. Die Angst der Betroffenen ist zwar übertrieben, aber nicht völlig unbegründet. Laut einer früheren Umfrage der Online-Praxis hatten 45% der Patienten Angst vor Verurteilung, tatsächlich erlebt hatten dies immerhin 27%.

Ärzte und Apotheker sind für Peinlichkeiten da

"Egal, ob Achselschweiß oder Akne, Parodontose oder Pilzinfektionen, Betroffene sollten sich nicht scheuen, medizinischen Rat zu suchen. Für Ärzte oder Apotheker ist es selbstverständlich, über gesundheitliche Probleme zu sprechen - genau dafür sind sie da. Es ist wichtig, Beschwerden von einem Experten abklären zu lassen", rät die Ärztin Beverley Kugler.

Quelle: Presseportal


Sonnencreme – eine Gefahr für die Umwelt?

Meeresbewohner in Gefahr

Wer sich im lang ersehnten Strandurlaub ohne Sorge um Hautkrebs und Sonnenbrand bräunen will, cremt sich davor mit Sonnencreme ein. Doch die ist inzwischen in Regionen wie Hawaii oder Florida teilweise verboten. Wie kommt das?


Chemikalien reichern sich in Lebewesen an


Viele befolgen den Rat Ihres Dermatologen und cremen sich an sonnigen Tagen reichlich mit Sonnencreme ein. Doch die bleibt leider oft nicht dort, wo sie aufgetragen wurde. Beim Schwimmen gelangt sie ins Wasser und lagert sich im Boden oder als eine Art Ölfilm auf der Wasseroberfläche ab. Die UV-Filter in der Sonnencreme, wie Benzophenon-3 oder Nano-Partikel sind jedoch alles andere als ungefährlich für die Umwelt. Sie werden von Meereslebewesen, wie Korallen, Algen, Muscheln oder Fischen, aufgenommen. Einmal im Körper schädigen sie die DNA der Lebewesen oder wirken wie Hormone, die Wachstum und Fortpflanzung stören. Doch nicht nur das empfindliche Ökosystem Meer ist so gefährdet, auch Menschen nehmen durch Wasser und Lebensmittel aus dem Meer die Schadstoffe auf. Ob und welche schädlichen Effekte das auf den Körper haben könnte, ist von Wissenschaftlern im Moment noch nicht geklärt.


„Kleiden und Meiden“


Trotz allem bleibt der Schutz der Haut vor UV-Strahlen wichtig, um Hautkrebs zu verhindern. Keine Methode – auch nicht die Sonnencreme – bietet vollständigen Schutz vor allen UV-Strahlen. Viel wichtiger ist es deshalb, die Maßnahmen zu kombinieren und auch der Umwelt zu liebe neue Alternativen auszuprobieren. Hier sind einige Tipps:

  • Passende Kleidung: Sonnenbrille, Hut und Kleidung, die Arme und Beine bedecken, halten viele Strahlen ab. Einige Hersteller bieten sogar spezielle UV-Schutzkleidung an, die die Sonne besser abhält.

  • Sonne meiden: Zwischen 10 und 16 Uhr ist die Sonne besonders intensiv und dadurch besonders gefährlich. Wer kann, geht der Mittagssonne also am besten durch eine „Siesta“ aus dem Weg. Am Strand und auf dem Balkon hilft ein Sonnenschirm, ausreichend Schatten zu spenden.

  • Sonnencreme: Welches Produkt für die Umwelt und die eigenen Gesundheit unbedenklich ist, ist noch nicht endgültig geklärt. Eine Liste der umweltschädlichen Substanzen ist jedoch auf der Seite der „National Oceanic and Atmospheric Administration“ zu finden.

Quellen: National Oceanic and Atmospheric Adiministration, Sánchez-Quiles et al. 2020, Narla und Lim 2019, American Cancer Society


Lachgas greift die Nerven an

Gefährlicher Freizeitspaß

Lachgas greift die Nerven an Immer mehr junge Leute berauschen sich mit Lachgas, meist aus damit gefüllten Luftballons. Doch Vorsicht, Lachgas ist alles andere als harmlos. Wer es regelmäßig inhaliert, bringt seine Nerven ernsthaft in Gefahr.

Berauschende Luftballons 

Lachgaspartys greifen um sich: Bei jungen Niederländern ist Lachgas (chemisch Distickstoffoxid N2O) hinter Cannabis und Ecstasy die am häufigsten konsumierte Droge. Experten rechnen damit, dass das Gas auch in Deutschland immer beliebter werden wird. Ein Grund dafür ist, dass es auch legal oft verwendet wird, z. B. in Kartuschen von Sahnespendern, und es sich deshalb leichter besorgen lässt als viele andere Rauschmittel.

Konsumiert wird Lachgas vor allem aus damit gefüllten Luftballons. Beim Inhalieren kommt es zu einem Rausch, manche erleben ein angenehmes Kribbeln und verstärkte Sinneseindrücke, andere eine Art Trance. Der ganze Spaß ist jedoch recht kurz, weshalb auf Lachgaspartys oft massenweise Ballons zum Einsatz kommen.

Angriff auf den B12-Stoffwechsel

Doch Lachgas-Inhalieren ist kein harmloses Vergnügen. Vor allem der chronische Konsum wirkt toxisch auf die Nerven, betonte die Neurologin Anne Bruijnes beim diesjährigen (virtuellen) Kongress der europäischen Neurologengesellschaft. Denn Lachgas stört den Vitamin-B12-Stoffwechsel, wodurch in der Folge der Methioningehalt im Organismus sinkt. Diese Aminosäure ist jedoch notwendig für die Bildung der Nervenhüllen. Ist Methionin nicht ausreichend vorhanden, kommt es zu Nervenschäden wie Polyneuropathie oder sogar Rückenmarksdegeneration. Folge davon sind Missempfindungen und Arm- oder Beinschwächen, im schlimmsten Fall drohen Lähmungen.

Mit Beinschwäche in die Klinik

Mit Missempfindungen und Beinschwäche landeten auch 13 chronische Lachgas-Konsumenten bei Bruijnes in der neurologischen Ambulanz. Behandelt wurden die Patienten mit Vitamin B12. Die meisten erholten sich daraufhin wieder, berichtete die Neurologin. Einige ihrer Patienten hatten jedoch länger Beschwerden und benötigten eine Reha. Möglicherweise gibt es zudem eine hohe Dunkelziffer von Lachgaskonsumenten mit Nervenstörungen, da sich viele aufgrund ihres Drogenkonsums nicht zum Arzt trauen und deshalb nicht behandelt werden können.

Quelle: Ärztezeitung


Gesunde Ernährung, viele Spermien

Ein Hoch auf Fisch und Gemüse

Seit Jahrzehnten geht es bei Männern in den Industrienationen mit der Spermaqualität bergab. Liegt das womöglich an den um sich greifenden ungesunden Essgewohnheiten?

Weichmacher, Pflanzenschutzmittel, Handy …

Als Ursache für die schon lange bekannte verminderte Spermaqualität westlicher Männer diskutieren Experten eine Vielzahl von Faktoren: Sie reichen von Weichmachern aus Plastik und Pflanzenschutzmitteln, die über die Nahrungsketten in den Organismus gelangen, bis zum Handy in der Hosentasche. Ob sich womöglich auch unterschiedliche Ernährungsweisen auf die Spermienproduktion auswirken, haben nun Urologen untersucht.

3000 Männer, 4 Ernährungsstile

Rund 3000 gesunde junge Männer (Durchschnittsalter 19 Jahre) gaben ihm Rahmen ihrer Musterungsuntersuchung an, wie häufig sie in den drei Monaten zuvor bestimmte Produkte aus einer Liste von 136 Lebensmitteln gegessen hatten. Die Wissenschaftler unterschieden schließlich vier Ernährungsstile:

  • Western-Style Diät mit viel Pizza, Pommes, verarbeitetem Fleisch, Weißmehlprodukten und gesüßten Getränken
  • Gesunder Ernährungsstil mit viel Fisch, Hühnchen, Gemüse und Obst
  • Open-Sandwich-Stil mit viel kaltem Fleisch, kaltem Fisch, Vollkornprodukten, Mayonnaise, Gewürzen und Milchprodukten
  • Vegetarischer Stil mit viel Gemüse, Soja, Milch und Eiern.

Spermien gleich mit gemustert

Außerdem untersuchten die Urologen auch Ejakulat, Hormone und Hodenvolumen der jungen Männer. Bei der Analyse der gewonnen Daten zeigte sich, dass die Samenqualität tatsächlich mit den Essgewohnheiten assoziiert war. Männer, die sich gesund ernährten, schnitten mit durchschnittlich 167 Millionen Spermien im Ejakulat am besten ab. Den zweiten Platz errangen die Vegetarier: Sie hatten durchschnittlich 151 Millionen Spermien vorzuweisen, die Open-Sandwich-Freunde belegten mit durchschnittlich 146 Millionen Platz 3. Männer, die dem Western-Style – sprich vor allem Junk-Food — frönten, bilden mit durchschnittlich 122 Millionen Spermien das Schlusslicht.

Auch Hodenvolumen betroffen

Doch nicht nur für die Anzahl der Spermien ließ sich ein Zusammenhang mit der Art der Nahrung feststellen. Die gleiche Tendenz zeigten Beweglichkeit der Spermien, Hodenvolumen und Hormonkonzentrationen. Sämtliche Parameter waren bei den gesundheitsbewussten Essern besser als bei den Western-Style-Verfechtern. Die Spermaqualität scheint offenbar unter einer fett- und zuckerreichen, ballaststoffarmen Ernährung zu leiden, schreiben die Urologen. Ob die ungesunde Nahrung tatsächlich die Ursache dafür ist oder ob beide Parameter nur korrelieren, kann diese Untersuchung nicht klären. Nach Meinung der Autoren scheint der Versuch, schlechte Spermaqualität durch eine gesunde Ernährung zu verbessern, trotzdem gerechtfertigt zu sein. Immerhin fielen bei den gesund ernährten jungen Männern auch andere Marker wie das Hodenvolumen und die Hormone besser aus.

Quelle: Ärztezeitung