Apothekennews

Nahrungsergänzung im Blick: Pantothensäure

Sinn oder Unsinn?

Während manche Vitamine wie Vitamin C oder Vitamin B12 in aller Munde sind, kennt kaum jemand Pantothensäure. Dabei ist das Vitamin unentbehrlich für das Gehirn und den Stoffwechsel.

Zentrales Vitamin im Energiestoffwechsel

Pantothensäure – auch Vitamin B5 genannt – spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel. Als Bestandteil von Acetyl-Coenzym-A sorgt es dafür, dass die Nahrung in Energie umgewandelt wird. Pantothensäure ist auch an der Produktion vieler körpereigener Moleküle beteiligt. Dazu gehören zum Beispiel der rote Blutfarbstoff Hämoglobin oder der Neurotransmitter Acetylcholin. Da Neurotransmitter wichtig für die Funktion des Gehirns sind, trägt Pantothensäure auch den Spitznamen „Brainfood“.

Doping für´s Gehirn?

Fehlt dem Körper Pantothensäure, sind vor allem das Nervensystem und die Muskulatur geschwächt. Die Betroffenen sind häufig müde, haben Kopfschmerzen und klagen über Muskelkrämpfe. Typisch für einen Pantothensäure-Mangel ist ein Kribbeln in den Fußsohlen, dass sich sogar zu einem Brennen entwickeln kann. Die gute Nachricht: Nach der Gabe des Vitamins verschwinden die Symptome schnell wieder.

Doch wer glaubt, Gehirn und Muskeln durch die Einnahme von Pantothensäure noch leistungsfähiger zu machen, wird leider enttäuscht. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit profitieren Personen ohne einen Mangel nicht von der zusätzlichen Aufnahme des Vitamins.

Gut versorgt – und das ganz nebenbei

Ein Pantothensäure-Mangel ist außerdem sehr selten und tritt nur in Ausnahmefällen auf. Der Grund dafür ist, dass das Vitamin ist in fast allen Lebensmitteln enthalten ist. Besonders Muskelfleisch, Eigelb, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte liefern viel Pantothensäure. Doch Vorsicht: Das Vitamin wird durch Hitze zerstört und löst sich im Kochwasser. Wer mehr Vitamine aufnehmen möchte, kocht also am besten mit wenig Hitze oder gart Lebensmittel mit Dampf.

Quellen: Verbraucherzentrale, Elmadfa und Leitzmann: Ernährung des Menschen, 6. Auflage, utb, 2019, Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit


Frühzeitig Kortisonspray bei Asthma

Einzeln oder kombiniert

Beim Thema Kortison sind viele Asthmapatient*innen zögerlich. Neue Empfehlungen stellen aber klar: Bei erwachsenen Asthma-Erkrankten sollten sie als antientzündliche Komponente von Anfang an dabei sein.

Von Anfang an zweigleisig fahren

Verengte Atemwege weiten und die Entzündung eindämmen: Das sind die zentralen Behandlungsziele beim Asthma. Bisher setzten die Ärzt*innen bei leichten Asthmaverläufen vor allem auf die Erweiterung der Bronchien mit der Wirkstoffgruppe der Betamimetika (zum Beispiel Salbutamol oder Fenoterol). Antientzündliches Kortisonspray kam erst in schwereren Fällen in dazu.

Das hat sich nun geändert: Lungenärzt*innen raten jetzt prinzipiell zur zusätzlichen Gabe von Kortison. Auf diese Weise wird das Asthma von Beginn an über beide Wirkprinzipien beeinflusst und schwere Anfälle werden seltener. Laut Leitlinien sind sowohl bei leichtem als auch bei schwerem Asthma ein Betamimetikum plus Kortison empfehlenswert. Besonders einfach zu handhaben sind dann Fixkombinationen in einem Spray oder Inhalator. Auch bisher unbehandelte erwachsene Patient*innen sollten von Anfang an Kortison und Betamimetikum verwenden, entweder in Fixkombination oder mit Einzelsprays.

Wann ist die Dauertherapie nötig?

Ob Einzelspray oder Fixkombi, viele Patient*innen ziehen zunächst eine Bedarfstherapie vor. D.h., sie benutzen ihr Asthmaspray dann, wenn sie Luftnot bekommen. Doch wann ist eine Dauertherapie erforderlich? Das lässt sich recht einfach über den Daumen peilen: Wer bei Bedarf sprüht und dabei pro Jahr mehr als zwei Inhalatoren braucht, ist reif für die Dauertherapie. Weil in den Sprays jeweils 100 bis 120 Dosen enthalten sind, wurden offenbar 200 bis 240 Dosen benötigt, rechnet der Lungenfacharzt Roland Buhl vor. Dann ist es besser, das Asthmaspray nicht nur bei akuter Luftnot, sondern zusätzlich regelmäßig morgens vor dem Frühstück anzuwenden.

Quellen: Ärztezeitung, Addendum Leitlinie


Wie Fruktose krank macht

Fettleber, Hochdruck, Übergewicht

Fruktose ist beliebt: Sie ist süß und schmeckt lecker. Als natürlicher Bestandteil von Obst und Gemüse hat sie auch noch den Ruf, besonders gesund zu sein. Doch weit gefehlt: Zuviel davon kann krank machen.

Vom Softdrink zum Leberfett

Fruktose oder Fruchtzucker ist nicht nur in den Augen der Verbraucher*innen ein beliebter Süßmacher. Auch die Nahrungsmittelindustrie kennt ihre Vorteile: Denn sie süßt doppelt so stark wie herkömmlicher Zucker, ist dabei billig und damit ein idealer Kandidat zum Süßen von Fruchtnektaren, Softgetränken, Müsli und Süßspeisen. Außerdem erzeugt Fruktose beim Backen das erwünschte Volumen und verhindert bei Tiefkühlprodukten sogar die lästige Kristallbildung.

In Hinblick auf die Gesundheit hat Fruktose aber auch Nachteile. Zuviel davon setzt der Leber zu. Das liegt an ihrer besonderen Verstoffwechslung. Fruktose wird direkt aus dem Darm in die Leber transportiert, dort abgebaut und dann ausgeschieden. Das klappt solange, bis – z. B. durch Softdrinks – Unmengen davon angeschwemmt werden. Dann schafft die Leber den Abbau nicht mehr und es wird brenzlig. Im Gegensatz zur Glukose, die als Glykogen gespeichert wird, gibt es für die Fruktose keine geeignete Speicherform. Stattdessen hilft sich die Leber, indem sie aus dem Fruchtzucker Fett produziert und dieses in den Leberzellen ablagert. Es drohen Fettleber und erhöhte Blutfette.

Fettleibigkeit vorprogrammiert

Doch nicht nur in der Leber schadet ein Zuviel an Fruktose. Weil Fruktose keine Wirkung auf die Sättigungshormone hat, wird bei hohem Fruchtzuckerkonsum ungehemmt weitergeschmaust. Das spiegelt sich darin, dass hoher Fruktosekonsum und Fettleibigkeit eng zusammenhängen.

Daneben können erhöhte Fruktosespiegel im Körper dazu führen, dass vermehrt Purine abgebaut werden und dadurch die Harnsäurespiegel ansteigen. Bei erhöhten Harnsäurespiegeln droht aber nicht nur die Gicht: Harnsäure wirkt auch auf die Gefäße, indem diese starrer werden – woraus ein Bluthochdruck entstehen kann. Außerdem fördern hohe Harnsäurespiegel die Insulinresistenz, was gemeinsam mit dem Bluthochdruck das metabolische Syndrom begünstigt.

Ganze Äpfel statt Apfelsaft

Sollte man Fruktose nun lieber komplett meiden? Verzehrt man ganze, unverarbeitete Früchte, ist die Aufnahme in der Regel unproblematisch. Denn durch die begleitenden Ballaststoffe wird die Fruktose weniger schnell aufgenommen und es entsteht ein Sättigungsgefühl. Auch die Mengen sind überschaubar: Ein mittelgroßer Apfel enthält etwa 6 g Fruktose, ein halber Liter Softgetränk dagegen etwa 25 g. Auch der Apfelsaft ist leider keine wirkliche Alternative. Da ihn ihm bis zu 6 g Fruktose pro 100 ml stecken und keine Ballaststoffe die Fruktose bremsen, ist auch hier die ganze Frucht vorzuziehen.

Die eigentliche Fruktosegefahr lauert also in den Supermarktregalen. Dort sollte man sich bei Fertigprodukten, Softdrinks und Smoothies unbedingt die Zutatenliste unter die Lupe nehmen.

Quellen: ptaheute


Augenarzneien: Was ist zu beachten?

Tropfen, Salben, Gele

Das Eingeben von Augentropfen, -salben und -gelen hat viele Tücken. Doch nur bei richtiger Anwendung wirkt das Arzneimittel richtig. Worauf Sie unbedingt achten sollten.

Die richtige Vorbereitung

Tube auf, Medikament rein – ganz so einfach ist die Anwendung nicht. Denn häufig werden Augenarzneien im Kühlschrank aufbewahrt. Gekühlte Flüssigkeiten reizen jedoch das Auge und regen den Tränenfluss an, wodurch das Arzneimittel an Wirkung verliert. Deswegen sollten Augenarzneien immer vorgewärmt aufgetragen werden. Es genügt schon die Arznei einige Minuten in der Hand zu halten oder in die Hosentasche zu stecken, damit sie sich durch die Körpertemperatur auf ca. 32 – 34 °C erwärmt.  Viele Augentropfen (z. B. Livocab) enthalten sehr kleine feste Stoffe, die sich beim Lagern am Boden absetzen. Diese müssen vorher kräftig geschüttelt werden, damit sich diese Feststoffe gleichmäßig in der Lösung verteilen. 

Arzneimittel fürs Auge richtig anwenden

Auch beim Auftragen der Augenmittel ist auf einiges zu achten:

  • Hände gründlich waschen, um zu verhindern, dass Schmutz oder Keime ins Auge gelangen.
  • Kontaktlinsen herausnehmen und frühestens nach 15 Minuten wieder einsetzen. Bestandteile der Arznei lagern sich sonst möglicherweise in den Linsen ein.
  • sich hinsetzen oder hinlegen – je nachdem, was leichter fällt.
  • Kopf nach hinten neigen, nach oben auf einen festen Punkt blicken und das Unterlid mit dem Zeigefinger sanft nach unten ziehen.
  • das Fläschchen dicht über das Auge halten. Dabei darf die Tropfspitze weder das Auge, noch die Wange oder die Finger berühren. Tipp: Verabreicht eine Hilfsperson die Augenarznei, hilft es, die Hand mit dem Präparat an der Stirn der Patient*in abzustützen. Bei abrupten Kopfbewegungen bewegt sich die Helferhand mit, der Abstand zum Augen bleibt gleich und das Augen wird nicht unabsichtlich verletzt.
  • Tropfen, Salbe oder Gel am untern Augenrand in die Tasche (Bindehautsack) geben.
  • Danach das Lid loslassen und die Augen schließen (ca. 1 – 3 Minuten), ohne diese jedoch zuzukneifen. Dies verzögert das Abfließen der Arznei über den Tränenkanal. Bei Salben: Mit geschlossenen Augen nach rechts, links, oben und unten schauen. Dies verteilt die Salbe.
  • Zudrücken des Augenwinkels an der Nase verlängert die Verweildauer des Wirkstoffes im Auge und reduziert Nebenwirkungen.

Weniger ist mehr

Bei Arzneimitteln, die am Auge angewendet werden, gilt: weniger ist mehr. Ein Tropfen bzw. ein 5 bis 10 mm langer, dünner Salbenstrang reicht vollkommen aus. Mehrere oder zu große Tropfen bzw. zu viel Salbe fließen rasch ab. Beim nächsten Lidschlag werden sie aus dem Auge befördert und die Wirkung der Augenarznei verschlechtert sich.

Quellen: H. Gebler, G. Kindl: Pharmazie für die Praxis; Deutscher Apotheker Verlag, 6. Auflage 2013 und Pharmazeutische Zeitung


Welche Sonnencreme ist die richtige?

Auf diese Angaben kommt es an

Wer die Sonne unbeschwert genießen möchte, sollte dabei an den passenden Sonnenschutz denken. Die vielen Angaben auf der Flasche helfen dabei, das richtige Produkt für den individuellen Hauttyp zu finden. Aber auf was kommt es denn nun an?

Ausgangswert Eigenschutzzeit

Ganz schutzlos ist die Haut der Sonnenstrahlung nicht ausgeliefert: Die Haut verfügt dafür über natürliche Mechanismen, wie etwa die Einlagerung von Pigmenten („braun werden“), die je nach Hauttyp unterschiedlich ausgeprägt sind. Sie sind die Grundlage für die individuelle Eigenschutzzeit, die aussagt, wie lange man sich ohne Schutz der Sonne aussetzen kann. Während die Eigenschutzzeit bei sehr hellen Hauttypen bereits nach 10 Minuten endet, beträgt sie bei dunklen Hauttypen bis zu 45 Minuten. Wer länger in der Sonne bleiben will, benötigt Sonnencreme, um sich zu schützen.

Von Lichtschutzfaktoren und Schutzklassen

Bei der Auswahl des passenden Sonnenschutzes helfen die unterschiedlichen Angaben auf der Verpackung:

Der Lichtschutzfaktor, kurz LSF, ist die prominenteste Zahl auf der Flasche. Er ist ein Maß dafür, wie stark ein Produkt die Haut vor Sonnenbrand schützt, genauer, um welchen Faktor das betreffende Produkt die Eigenschutzzeit der Haut verlängert. Lichtschutzfaktor mal Eigenschutzzeit ergibt dann die Zeit, die man sich in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu riskieren. Als Rechenbeispiel: Wer sehr helle Haut hat, verlängert seine Schutzzeit durch eine Sonnencreme mit LSF 6 gerade mal auf sechzig Minuten. Eine Sonnencreme mit höherem LSF ist dann sicher sinnvoller.

Relativ neu ist die Angabe der Schutzklasse. Sie soll die etwas unhandlichen Zahlen des Lichtschutzfaktors griffiger gestalten. Dafür wurden die Lichtschutzfaktoren von 6 bis 50+ in vier Kategorien eingeteilt, aus denen sich der Grad der Schutzwirkung (von niedrig bis sehr hoch) auf einen Blick erkennen lässt:

  • Als niedrig gekennzeichnet werden schwächsten heute erhältlichen Produkte mit LSF 6 bis 10. Sie eignen sich nur für wenig sonnenempfindliche Typen oder einen kurzen Aufenthalt in der Sonne.

  • Die Schutzklasse mittel gibt schon etwas länger Schutz, sie beinhaltet LSF von 15 bis 25.

  • Mit hoch sind die meisten Mitteleuropäer gut bedient, in diese Schutzklasse werden Produkte mit LSF 30 bis 50 eingeordnet.

  • Sehr hoch bezeichnet den stärksten Sonnenschutz mit einem LSF über 50, dieser eignet sich besonders für Kinder und sehr hellhäutige Personen.

Noch mehr Angaben

Sonnenbrand entsteht vorwiegend durch die UV-B-Strahlung der Sonne. Allerdings kann auch die langwellige UV-A-Strahlung Schäden in der Haut verursachen. Erreicht der Schutz gegen UV-A-Strahlung eines Sonnenschutzmittels, wie empfohlen, ein  Drittel seiner UV-B-Schutzwirkung, so darf es sich noch mit einem zusätzlichen Symbol schmücken, den Buchstaben UVA in einem schwarzen Kreis.
Weitere Kriterien sind etwa eine wie erhöhte Wasserfestigkeit oder besonders gute Hautverträglichkeit. Wer sich unsicher ist, welches Produkt das Richtige ist, sucht am besten Rat in der Apotheke.


Für alle Produkte gilt: Die versprochene Wirkung wird nur erreicht, wenn die Cremes und Sprays richtig aufgetragen werden. Wichtig ist, beim Eincremen nicht zu sparen und regelmäßig nachzucremen. Außerdem sollte der Sonnenschutz eine halbe Stunde vor Beginn des Sonnenbaden aufgetragen werden, damit er Zeit hat, seine Wirkung zu entfalten.


Quelle: PTA heute 06/2020


ADHS wirksam behandeln

Von Elterntraining bis Medikament

Unaufmerksamkeit, Zappligkeit und Impulsivität machen Kindern und Erwachsenen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) das Leben schwer. Die Folgen für Ausbildung, Beruf und soziale Beziehungen sind häufig gravierend. Doch wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, lässt sich mit psychotherapeutischen Maßnahmen und Medikamenten gegensteuern.

Verkehrsunfälle, Scheidungen und Depressionen häufig

Eine ganze Zeit lang gab es einen regelrechten Hype um die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Bei Kindern, die in der Schule nicht mitkamen, herumzappelten statt konzentriert lernten oder sonst anstrengend waren, wurde oft vorschnell eine ADHS vermutet und nach Medikamenten gerufen. Zum Glück ist nicht jeder Zappelphillipp ein ADHS-Kind. Wer jedoch nachgewiesenermaßen unter der Erkrankung leidet (und das sind immerhin knapp 4% der Kinder und Jugendlichen), muss mit Auswirkungen auf sein gesamtes Leben rechnen.

So ist bei Kindern mit ADHS das Unfallrisiko um 400% erhöht, weil sie oft Gefahren nicht richtig einschätzen und ihre Handlungen weniger umsichtig planen. Die Konzentrationsstörungen führen dazu, dass die Leistungen in Schule und Ausbildung leiden. 35% der Jugendlichen mit ADHS haben deshalb keinen Schulabschluss . Aufgrund ihrer sozialen Probleme entwickeln viele ADHS-Kinder und -Teenager Depressionen oder fangen an, Drogen zu nehmen. Weitere häufige Auswirkungen sind Essstörungen sowie der Hang zu Selbstverletzung und riskantem sexuellen Verhalten.

Auch Erwachsene mit ADHS leiden unter den Folgen ihrer Erkrankung. Sie sind oft weniger leistungsfähig im Beruf und seltener fest angestellt. Dazu kommen eine höhere Scheidungsrate als Gesunde und vermehrte Verkehrs- und andere Unfälle. Depressionen und Angststörungen sind häufig, ebenso unerklärliche Erschöpfungszustände und Schmerzen. Viele Betroffene kämpfen mit Suchtproblemen. Diese reichen vom Kettenrauchen bis zur Kauf- oder Spielsucht.

ADHS-Hinweise bei Kindern erkennen

Je früher die Erkrankung erkannt und therapiert wird, desto besser sind die Chancen, trotz ADHS ein gutes Leben zu führen. Bei den folgenden drei Kardinalsymptomen sollten Eltern und Erzieher*innen deshalb aufmerksam werden:

  • Unaufmerksamkeit zeigt sich beispielsweise darin, dass das Kind leicht ablenkbar und vergesslich ist. Es fängt eine Aufgabe nach der anderen an und schafft es nicht, sie abzuschließen. Oft scheint es auch so, als könnte das Kind gar nicht richtig zuhören.
  • Typisches Zeichen der Hyperaktivität ist beispielsweise, dass das Kind in Situationen, in denen es nicht angebracht ist, ungebremst herumrennt und herumklettert. Es redet oft sehr viel, wirkt wie aufgezogen. Sitzt es auf dem Stuhl, rutscht es hin und her und fuchtelt mit den Händen herum.
  • Am schwierigsten für Familienmitglieder, Mitschüler*innen, Lehrer*innen oder Bekannte ist häufig die Impulsivität der ADHS-Kindern. Denn diese Kinder sind schnell ungeduldig, fallen anderen ins Wort und können oft nicht warten, bis sie an der Reihe sind. Manche Kinder sind rücksichtslos oder werden aggressiv, andere „stören“ nur.

Bei Jugendlichen verwandelt sich die äußerliche Hyperaktivität oft in eine innere Unruhe. Aufgrund massiver Konzentrationsstörungen schaffen es viele ADHS-Teenager in der Schule nicht, ihre Aufgaben fertig zu stellen. Probleme mit Mitschüler*innen sind häufig. ADHS-Jugendlichen fällt es schwer, soziale Beziehungen aufzubauen oder sich in Gruppen einzuordnen. Manche Betroffenen werden aggressiv, andere ziehen sich in sich zurück. Die meisten haben Schwierigkeiten, Frustrationen auszuhalten oder mit der eigenen Wut oder Ärger umzugehen.

Hinweis: Je nach Ausprägung der Beschwerden unterscheidet man zwischen dem hyperaktiv-impulsiven Typ und dem vorwiegend unaufmerksamen Typ. Allerdings kommen auch Mischformen vor.

So zeigt sich ADHS im Erwachsenenalter

Gut zwei Drittel der betroffenen Kinder nehmen ihre Erkrankung ins Erwachsenenalter mit. Manchmal wird die Störung auch erst dann diagnostiziert, z. B. wenn die Beschwerden milde sind oder nicht bemerkt, fehlgedeutet oder ignoriert wurden. Insgesamt geht man davon aus, dass etwa 1 bis 4 % der Erwachsenen in Deutschland von einer ADHS betroffenen sind. Auch bei ihnen macht sich die Erkrankung mit den drei Hauptkriterien Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität bemerkbar. Diese äußern sich folgendermaßen:

  • Lähmende „Aufschieberitis“, geringe Motivation, Konzentrationsschwierigkeiten bei der Arbeit, z. B. bei Konferenzen oder beim Lesen. Probleme beim Organisieren der Arbeit und des Alltags, schlechtes Zeitmanagement.
  • Innere Unruhe, Nervosität und Nicht-Warten-Können. Das Sitzen in Ruhe fällt schwer, stattdessen wird oft mit den Füßen gewippt oder mit den Fingern an etwas herumgespielt.
  • Ständiges Reden und Anderen-Ins-Wort-Fallen, zu schnelles und aggressives Autofahren, Probleme, Frustrationen auszuhalten und mit Ärger umzugehen. Dazu kommen Jähzorn, häufige Stimmungsschwankungen und überzogene emotionale Reaktionen auf Kleinigkeiten.

Hinweis: Neben allen problematischen, selbstgefährdeten Komponenten hat die Erkrankung auch positive Aspekte. Oft handelt es sich bei den Betroffenen um offene, kreative Menschen, die, wenn sie ihre passende Nische im Beruf gefunden haben, unschlagbar in ihrem Metier sind.

Wer stellt die Diagnose?

Wenn Kinder ein problematisches Verhalten zeigen, kommen die ersten Hinweise meist von den Eltern, den Kindergärtner*innen oder auch den Lehrer*innen. Dann ist es Zeit, die Kinderärzt*in um Rat zu fragen. Diese wird bei einem begründeten Verdacht eine Fachkolleg*in einschalten, z. B. eine Fachärzt*in für Kinder- und Jugendpsychiatrie (es sei denn, sie hat selbst die nötige Expertise für eine ADHS-Diagnose). Auch Psychologische Psychotherapeut*innen mit Zusatzqualifikationen sind geeignet, eine ADHS zu diagnostizieren.

Die Untersuchungen sind umfangreich. Meist füllen Eltern und Kind zunächst Fragebögen aus, auf deren Ergebnis dann ein ausführliches Gespräch aufgebaut wird. Bei einer gründlichen körperlichen Untersuchung wird auch das Sehen und Hören geprüft, um körperliche Ursache für die Aufmerksamkeits- oder Lernprobleme auszuschließen. Psychologische Tests runden die Diagnose ab. Zum Einsatz kommen vor allem altersentsprechende Konzentrationstests.

Im Erwachsenenalter werden noch nicht diagnostizierte Betroffene manchmal von Freunden oder Kollegen darauf hingewiesen, dass ihr Verhalten problematisch ist und eventuell mit ADHS zu tun haben könnte. Mancher kommt durch intensive Beschäftigung mit seinen Schwierigkeiten auch selbst darauf, dass seine sozialen Probleme oder Konzentrationsschwierigkeiten etwas mit ADHS zu tun haben könnten. Hilfreich sind dabei Selbsttests, die es im Internet gibt. Sie ersetzen natürlich nicht die Diagnose. Die erfolgt bei der Fachärzt*in, z. B. in der neurologischen oder der psychiatrischen Praxis. Grundlage der Diagnose sind auch bei Erwachsenen Fragebögen, das gründliche Gespräch, die körperliche Untersuchung und psychologische Tests.

Hinweis: Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen müssen im Rahmen der Diagnose andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden ausgeschlossen werden. Dazu gehören zum Beispiel Depressionen, Schilddrüsenüberfunktion, Schädel-Hirn-Verletzungen oder Epilepsien.

Wo kommt die Störung her?

Forscher*innen gehen davon aus, dass Veränderungen der zentralen Botenstoffe die Grundlage von ADHS bilden. D.h., es sind die Stoffe beteiligt, über die die Gehirnzellen miteinander kommunizieren. Wie es zu diesen Veränderungen kommt, ist allerdings noch unklar. Neueste Untersuchungen bekräftigen die Annahme, dass eine genetische Veranlagung das Risiko für ein ADHS erhöht. Aber auch Schwangerschaftsfaktoren oder Geburtskomplikationen sollen daran beteiligt sein – Genaues weiß man dazu allerdings noch nicht. Sicher ist jedoch, dass die Erkrankung maßgeblich durch Umweltfaktoren und psychosoziale Faktoren beeinflusst werden kann.

ADHS bei Kindern behandeln – aber wie?

Die Behandlung ist multimodal, d.h., sie besteht aus mehreren Bausteinen und wird individuell an die Beschwerden des Kindes angepasst. Zunächst ist es wichtig, Eltern und Kind über die Erkrankung aufzuklären. Ein Elterntraining soll helfen, mit dem problematischen Verhalten des Kindes besser umzugehen. Je nach Beschwerdebild bekommt das Kind psychologische Unterstützung. Meist wird eine Verhaltenstherapie begonnen, bei starken Aufmerksamkeitsstörungen auch ein Training zur Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit. Sind die Beschwerden nur leicht ausgeprägt, können diese Maßnahmen durchaus ausreichen.

Bleibt ein Behandlungserfolg aus oder leidet das Kind von vorneherein unter einer sehr schweren Symptomatik (starke Aggressivität, ausgeprägte Funktionsbeeinträchtigung in der der Schule), kommen Medikamente auf den Plan. In Deutschland werden Medikamente erst bei Kindern über sechs Jahren empfohlen, in besonders schweren Einzelfällen ist dies auch im Vorschulalter möglich. Medikamente der ersten Wahl bei Kindern sind Stimulanzien wie Methylphenidat (oder Amphetamin). Alternativen bei Nebenwirkungen oder mangelhaftem Erfolg sind Atomoxetin und Guanfacin.

Stimulanzien, Atomoxetin und Guanfacin sind starke Medikamente, die auch eine ganze Reihe von unerwünschten Wirkungen aufweisen. Aus diesem Grund muss ihr Einsatz gründlich überwacht und die Notwendigkeit einer Therapie regelmäßig fachärztlich geprüft werden. Unter Methylphenidat treten beispielsweise sehr häufig Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Nervosität und Appetitverlust auf. Bei Amphetaminen drohen Appetitminderung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Mundtrockenheit. Guanfacin kann zu einer vermehrten Tagesmüdigkeit führen, zu Kopfschmerzen, Oberbauchschmerzen, niedrigem Blutdruck und Gewichtszunahme.

Hinweis: Sowohl unter einer langfristigen Behandlung mit Methylphenidat als auch mit Atomoxetin wurde bei Kindern ein vermindertes Körperwachstum beobachtet – vermutlich aufgrund der appetitmindernden Wirkung. Regelmäßige Kontrollen von Körpergröße und -gewicht sind obligatorisch, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Gegenmaßnahmen sind z. B. gehaltvollere Mahlzeiten sowie Pausieren oder Wechsel des Präparates.

Erwachsene behandeln: Aufklärung, Medikamente und Psychotherapie

Ob bei Erwachsenen eine Behandlung erforderlich ist, hängt davon ab, wie sehr die Lebensqualität eingeschränkt ist. Manchmal hilft schon die ausführliche Aufklärung und Beratung über die Erkrankung enorm. Die Betroffenen lernen, dass ihre Probleme nicht selbst verschuldet sind, sondern eine Ursache haben. Im Rahmen einer Psychotherapie wird trainiert, besser mit den Problemen klarzukommen. Oft lassen sich dabei für bestimmte Situationen Handlungsstrategien entwickeln. Dazu gehört beispielsweise, bei der Arbeit große Ziele in Etappen einzuteilen oder Impulskäufe mit Wunschlisten und Achtsamkeitstraining zu vermeiden.

Reichen die Maßnahmen nicht aus, kommen Medikamente zum Einsatz. Wie bei Kindern und Jugendlichen verordnet die Ärzt*in meist Methylphenydat, alternativ kann die Therapie auch mit Atomoxetin begonnen werden. Welches Präparat individuell am besten wirkt, lässt sich nicht vorhersagen. In Cross-over-Studien mit den Stimulanzien Methylphenidat oder Amphetamin sprachen z. B. 41% der Studienteilnehmer*innen auf beide an, 28% mehr auf Amphetamine und 16% mehr auf Methylphenidat. Greift eine Therapie nicht, wird deshalb ein anderer Wirkstoff versucht. Möglich ist auch die Kombination verschiedener Wirkstoffe. Behandlungserfolg und Nebenwirkungen sollten alle sechs Monate geprüft werden. Einmal im Jahr empfehlen Expert*innen einen behandlungsfreien Zeitraum, um zu überprüfen, ob die Betroffene inzwischen vielleicht auch ohne Medikamente zurechtkommt.

Tipp: Für ADHS-Patient*innen ist das Internet durchaus hilfreich. Dort findet man Kontakt zu Selbsthilfegruppen und Leidensgenoss*innen. Zudem geben immer mehr Betroffene auf eigenen Internetseiten Tipps, wie man die Erkrankung vor allem im Hinblick auf Beruf- und Privatleben besser in den Griff bekommt.

Quellen: S3 Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“, AWMF-Nr. 028-045; www.adhs-deutschland.de


Wie Medikamente den Geschmack verändern

Von bitter bis metallisch

Ein funktionierender Geschmacksinn ist für viele Menschen ein entscheidendes Stück Lebensqualität. Schließlich ist Essen und Trinken nicht nur überlebensnotwendig, sondern auch eine Genussfrage. Was aber tun, wenn Medikamente das Geschmacksempfinden stören?

Kein Luxusproblem

Geschmacksstörungen sind zuallererst einmal ernst zu nehmen. Das gilt vor allem bei Betroffenen, die ohnehin ein zu niedriges Körpergewicht haben. Leidet dann der Geschmackssinn, wird das Essen oft zur reinen Pflicht und die Betroffenen nehmen noch weiter ab. Hinzu kommt, dass Geschmacksveränderungen oft sehr belastend sind. Dann werden die auslösenden Medikamente nicht mehr eingenommen, obwohl sie aus gesundheitlicher Sicht dringend nötig sind. Wer gar nichts mehr schmeckt, erkennt auch nicht, wenn Lebensmittel bereits verdorben sind.

Auf Ursachensuche

Warum manche Medikamente den Geschmack beeinflussen, ist noch nicht vollständig erforscht. Mögliche Erklärungen sind:

  • Schädigung der Geschmacksknospen. In den Geschmacksknospen befinden sich die Sinneszellen für das Schmecken. Einige Medikamente schädigen die Geschmacksknospen aber. Verantwortlich sind etwa Präparate, die gegen Krebs eingenommen werden, z. B. Cisplatin.
  • Zu wenig Speichel. Auch Mundtrockenheit schädigt die Geschmacksknospen. Einfluss auf die Speichelproduktion nehmen unter anderem Antidepressiva und viele Antihistaminika.
  • Störung bei der Weiterleitung. Von den Geschmacksknospen werden die Geschmacksinformationen über Nerven weitergeleitet. Einige Medikamente stören wahrscheinlich diese Impulsweitergabe. Das betrifft z. B. Diuretika wie Spironolacton.
  • Fehler im Gehirn. Die Geschmacksinformationen werden schließlich im Gehirn weiterverarbeitet. Einige Medikamente könnten diesen Vorgang behindern. Diskutiert wird das bei Präparaten wie dem ACE-Hemmer Captopril.

Auch Cremes und Augentropfen als Auslöser

In manchen Fällen bringen die Betroffenen die Geschmacksveränderungen gar nicht mit der Medikamenteneinnahme in Verbindung. Die als Schlafmittel eingesetzten Z-Substanzen etwa verursachen meist erst am Morgen danach einen metallisch-bitteren Geschmack. Auch der bittere Geschmack durch das Glaukom-Präparat Dorzolamid wird oft nicht der Medikamenteneinnahme zugeordnet – weil es nämlich gar nicht geschluckt, sondern direkt ins Auge getropft wird. Genauso kommt kaum jemand auf die Idee, dass Hautsalben einen knoblauchartigen Geschmack verursachen könnten. Das ist aber wegen des Dimethylsulfoxids durchaus möglich.

Speichel anregen

Was können Betroffene aber nun gegen die Geschmacksstörungen tun? Relativ viele Hilfsmittel gibt es gegen Mundtrockenheit. Speichelbildende Präparate findet man in der Apotheke in Form von Lutschpastillen, Mundsprays, Gelen oder Lösungen. Ansonsten können Betroffene versuchen, die übermäßig wahrgenommene Geschmacksrichtung zu meiden – also beispielsweise bei metallischem Geschmack nicht mit Metallbesteck zu essen oder bei bitterem Geschmack auf bittere Lebensmittel zu verzichten. Notfalls sollte man mit der Ärzt*in besprechen, ob ein anderes Medikament in Frage kommt.

Quelle: PTA heute, 12/2021


Gehtraining muss weh tun

Schlendern bringt nichts bei pAVK

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit schmerzen beim Laufen schnell die Beine. Ein Gehtraining soll den Verlauf der chronischen Gefäßerkrankung bremsen. Das funktioniert aber nur, wenn die Patienten dabei wirklich bis an ihre Schmerzgrenzen gehen.

Gehtraining kann Operation hinausschieben

Die wichtigste nicht-medikamentöse Maßnahme bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist das tägliche Gehtraining. Läuft alles gut, kann man damit sogar eine Gefäßoperation hinausschieben. Empfohlen wird ein täglicher Spaziergang von einer Stunde. Wie intensiv das Training sein soll, ist jedoch bisher umstritten.

Dieser Frage gingen US-Forscher*innen nun an 305 pAVK-Patient*innen nach. 240 von ihnen sollten ein Jahr lang wöchentlich 5 Mal ein Gehtraining absolvieren. Die eine Hälfte spazierte dabei so langsam, dass keine Schmerzen auftraten. Die anderen 120 marschierten bewusst bis an ihre Schmerzgrenze. Um Intensität und Dauer des Trainings zu messen, trugen die Patient*innen dabei einen Beschleunigungssensor. Die restlichen 65 Patienten bildeten die Kontrollgruppe – und spazierten überhaupt nicht.

35 Meter mehr

Vor und nach der einjährigen Trainingsphase absolvierten alle Teilnehmer*innen einen 6-Minuten-Gehtest. Dabei geht man sechs Minuten lang zügig auf ebener Strecke. Wenn nötig, darf man zwischendurch anhalten, sollte aber so schnell und weit laufen wie es der gesundheitliche Zustand erlaubt. Gemessen wird die Strecke, die in den sechs Minuten zurückgelegt werden. Sie ist ein Indikator für die Leistungsfähigkeit von Herz, Gefäßen und Lunge und spiegelt bei pAVK-Patienten den Zustand der Gefäße (gesunde untrainierte Personen schaffen etwa 700 bis 800 Meter).

Bei der Analyse der Ergebnisse stellte sich heraus: Die Gruppe, die bis an ihre Schmerzgrenze ging, steigerte ihre 6-Minuten-Gehstrecke um durchschnittlich 35 m (von 338,1 auf 371,2 Meter). Bei den Patiente*innen mit Schongang kam es zu einer Verschlechterung um 4,6 m (von 332,1 auf 327,5 m). Die 6-Minuten-Gehstrecke der Kontrollgruppe verkürzte sich um durchschnittlich 10,4 m (von 328,1 auf 317,5 m).

Sanftes Gehtraining bringt nichts

Der Unterschied der beiden Trainingsgruppen betrug insgesamt 40,9 Meter und war damit signifikant. Und das, obwohl die Patienten in der Hochintensitätsgruppe – wahrscheinlich aufgrund der Schmerzen — zu 50% weniger trainiert hatten (2,8 statt 3,5 Tage pro Woche im Vergleich zu den Niedrigintensiv-Trainierenden). Auch interessant: Das „sanfte“ Gehtraining brachte im Vergleich zur Kontrollgruppe keinen Vorteil, die durchschnittlich 5 Meter mehr erwiesen sich statistisch nicht als signifikant.

Das Gehtraining bei pAVK muss weh tun, um zu einer objektiven Verbesserung zu führen, schlussfolgert deshalb die Studienleiterin Mary McDermott. Welche Mechanismen dahinterstecken, bleibt jedoch unklar. Vermutet wurden Gefäßaussprossungen in der Muskulatur – Gewebeproben aus der Wadenmuskulatur der Teilnehmer zeigten diesbezüglich jedoch keine Veränderungen.

Quelle: Ärzteblatt


Periode in den Herbst verschieben?

Für ungestörten Strandurlaub

Im Sommerurlaub kann die Periode ganz schön stören. Manche Frauen nehmen dann ihre Antibabypille durchgehend und lassen die Blutung so ausfallen. Doch wie riskant ist solch eine Zyklusverschiebung?

Mehrmonatiger Langzeitzyklus möglich

Die Antibabypille unterdrückt den Eisprung und verhindert dadurch eine Schwangerschaft. Klassischerweise wird sie 21 Tage lang eingenommen, in der siebentätigen Pause kommt es zu einer Abbruchblutung. Wann die Periode beginnt, lässt sich prinzipiell also gut steuern. Fällt die Blutung auf einen ungünstigen Zeitpunkt, nehmen einige Frauen die Hormone länger ein und verschieben die Abbruchblutung auf einen späteren Zeitpunkt.

Mit Einphasenpillen ist ein mehrmonatiger Langzeitzyklus möglich. Einphasenpillen sind die Antibabypillen, die Estrogen und Gestagen in konstanten Konzentrationen enthalten. Es gibt sogar Präparate, die speziell für die Einnahme von drei Monaten ausgelegt sind. Denn ob die Abbruchblutung nach 21,28, 32 Tagen oder einige Wochen später einsetzt, ist egal, sagt die Hamburger Frauenärztin Anneliese Schwenkhagen. Die Pillenerfinder*innen haben in den sechziger Jahren die Einnahmezeit an den natürlichen Zyklus angepasst, medizinisch ist dies aber nicht zwingend nötig.

Medizinische Gründe für Dauereinnahme

Es gibt sogar medizinische Gründe für eine Langzeiteinnahme. Viele Frauenärzt*innen raten dies bei Endometriose, starken Regelschmerzen oder Migräne. Auch eine Dauereinnahme aus Lifestyle-Gründen hält die Hamburger Frauenärztin für problemlos. Allerdings sollte die Patientin vor der Langzeiteinnahme gründlich über Vor- und Nachteile der Pille aufgeklärt werden. Zudem gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse über mögliche Folgen einer dauerhaften Langzeiteinnahme.

Schlechte Idee: Pilleneinstieg mit Dauereinnahme

Die Pille nur im Sommer einzunehmen, um dann blutungsfrei zu sein, hält Frauenärztin Dorothee Struck für keine gute Idee. „Gerade zu Beginn der Einnahmezeit hormoneller Verhütungsmittel ist das Risiko für Thrombosen, Embolien und Schlaganfälle am höchsten“. Verstärkt wird die Thrombosegefahr noch dadurch, dass im Urlaub häufig langes und beengtes Sitzen angesagt ist, z.B. auf Flugreisen oder bei langen Autofahrten.

Zudem ist die Pille kein homöopathisches Arzneimittel. Durch ihren Einfluss auf den Hormonhaushalt hat sie neben der erhöhten Thrombosegefahr auch noch andere Risiken: Sie verändert die Libido, kann zu Gewichtszunahme, Depressionen und Blutdruckanstieg führen und das Risiko für Brustkrebs und suizidales Verhalten erhöhen.

Quelle: ptaheute


PECH hilft bei Sportverletzungen

Tipps zur effektiven Erstversorgung

Sport ist gesund – das weiß heute wohl jeder. Doch manchmal kann schon eine falsche Bewegung zur Prellung, Zerrung oder gar Verstauchung führen. Mit einer effektiven Erstversorgung lassen sich die schlimmsten Folgen verhindern.

Heilung beschleunigen

Ob die Oberschenkelzerrung beim Joggen oder der Kreuzbandriss beim Fußball: Jede Sportart birgt ihre ganz eigenen Verletzungsrisiken. Da diese sich nicht immer vermeiden lassen, ist es umso wichtiger, nach dem Unglück angemessen zu reagieren, weiß der Diplom-Sportwissenschaftler Klaus Möhlendick: „Eine schnelle und gute Erstversorgung ist wichtig, denn sie kann Schlimmeres verhindern. Vor allem Schwellungen und Einblutungen lassen sich damit eindämmen, und das beeinflusst den Krankheitsverlauf positiv.“

Pause, Eis, Kompression, Hochlagern

Bewährt hat sich als Erste-Hilfe-Maßnahme bei Sportverletzungen das sogenannte PECH-Schema. Dabei steht P für Pause, E für Eis, C für Kompression (auf Englisch compression) und H für Hochlagern. „Die Maßnahmen der PECH-Regel helfen, die betroffenen Bereiche vor weiteren Schäden zu schützen und einen möglichst zügigen Heilungsprozess zu ermöglichen“, erklärt Möhlendick. Sie sollten sofort der Reihe nach durchgeführt werden, ersetzen allerdings keinen Besuch in der Arztpraxis.

Weitere Tipps zum PECH-Schema:

  • Eine Pause von der sportlichen Betätigung sollte selbst dann eingelegt werden, wenn ein Laufen mit leichten Beschwerden noch möglich wäre.
  • Beim Kühlen sind Kälteschäden an der betroffenen Stelle zu vermeiden. Das Eispack also lieber nicht direkt auf die Haut legen, sondern davor in ein Tuch wickeln. Für unterwegs bieten sich Kälte-Kompressen aus der Apotheke an. Sie passen in jeden Rucksack und werden durch leichtes Kneten innerhalb von Sekunden angenehm kühl. 
  • Der Kompressionsverband sollte zwar Druck erzeugen, um mögliche weitere Blutungen zu stoppen und die Verletzung zu stabilisieren, allerdings sollte er nicht zu fest angelegt sein.
  • Nicht zuletzt ist beim Hochlagern wichtig, dass der verletzte Körperteil höher als das Herz liegt. Nur so kann das Blut optimal von der betroffenen Stelle wegfließen, was Schwellungen und Schmerzen verringert.


Quelle: Barmer Pressemeldung und Infoportal


Asthmaanfall: Gefahr fürs Ungeborene

Keine Anfälle riskieren

Asthmakranke Schwangere sollten auf keinen Fall ihre Medikamente absetzen und dadurch einen Asthmaanfall riskieren. Denn es droht ihnen dadurch nicht nur akute Luftnot – auch für das Ungeborene kann ein solcher Anfall gesundheitliche Konsequenzen haben.

Mehr Frühgeburten, mehr Fehlbildungen

Viele werdende Mütter verzichten in der Schwangerschaft lieber auf Medikamente, um dem Ungeborenen nicht zu schaden. Im Falle von Asthmatikerinnen erreichen besorgte Mütter damit aber genau das Gegenteil. Wer durch Weglassen der Medikamente Asthmaanfälle in Kauf nimmt, setzt sein Kind unnötigen gesundheitlichen Risiken aus, wie kanadische Forscher*innen in einer Langzeitstudie an über 100 000 asthmakranken Müttern gezeigt haben.

Die Auswertung der Daten ergab, dass es bei Müttern mit Asthmaanfällen in der Schwangerschaft häufiger zu der gefürchteten Präeklampsie und zu Schwangerschafts(blut)hochdruck kam. Folgen zeigten sich auch beim Geburtsgewicht: Frauen mit Asthmaanfällen in der Schwangerschaft entbanden häufiger zu leichte Kinder als Schwangere, deren Asthma unter Kontrolle war. Außerdem traten mehr Frühgeburten und mehr angeborene Fehlbildungen auf.

Höheres Asthmarisiko für das Kind

Auch langfristig wirkten sich die Asthmaanfälle werdender Mütter auf ihre Kinder aus: Sie litten bis zum Alter von 5 Jahren häufiger an Atemwegserkrankungen, wie Asthma oder Lungenentzündungen. Die optimale Asthmakontrolle hat bei werdenden Müttern oberste Priorität, betonen die Studienautor*innen. Ein Asthmaanfall wird deshalb wie bei einer Nicht-Schwangeren Frau versorgt. Bei schweren Anfällen empfehlen Lungenärzt*innen außerdem, lieber in das Krankenhaus zu fahren. Dort kann mit der Gabe von Sauerstoff eine Unterversorgung des Kindes rechtzeitig behandelt werden. 

Welche Medikamente sind unbedecklich?

Um Asthmaanfälle grundsätzlich zu verhindern, sollten Frauen ihre Medikamente deshalb keinesfalls einfach absetzen. Hat eine Frau Angst vor Nebenwirkungen für das Kind, holt sie am besten den Rat der behandelnden Ärzt*in oder Apotheker*in ein, sobald sie von ihrer Schwangerschaft erfährt. Meist muss die Therapie gar nicht umgestellt werden, denn gegen die häufig verwendeten inhalative Kortison-Präparate wie Beclometason gibt es keine Bedenken. Einige Medikamente sind jedoch eher ungeeignet für Schwangere. Dazu zählt zum Beispiel Kortison in Tablettenform. In seltenen Fällen verursacht es Missbildungen bei ungeborenen Kindern. Streng verboten in der Schwangerschaft sind Adrenalin und Antibiotika, wie Tetrazyklin oder Sulfonamid. Sie verursachen Herzrasen oder Fehlbildungen beim ungeborenen Kind.

Quelle: Lungenärzte im Netz, European Respiratory Journal


Nahrungsergänzung im Blick: Selen

Sinn oder Unsinn?

Nahrungsergänzungsmittel mit Selen werden oft als Wundermittel für schöne Haare und Nägel beworben. Doch der Nährstoff hat noch viel mehr zu bieten.

Mehr als schöne Haare

Selen gehört zu den Spurenelementen. Das heißt, dass der Körper nur sehr geringe Mengen davon benötigt. Doch auch diese kleinen Mengen haben einen großen Effekt auf den Körper: Selen hilft dem Körper im Kampf gegen oxidativen Stress, unterstützt die Schilddrüse und das Immunsystem und beim Mann auch die Bildung von Spermien. Einige Studien zeigen sogar, dass Selen vor Krebs schützt. Allerdings sind die Vermutungen noch nicht eindeutig bewiesen.

Viele Unklarheiten und starke Schwankungen

Wie viel Selen der Körper jeden Tag benötigt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt deshalb nur Schätzwerte für den täglichen Bedarf an. Wer sich ausgewogen ernährt und gesund ist, braucht sich aber keine Sorgen um die Selen-Aufnahme zu machen. Wer mehr Selen aufnehmen möchte, dem hilft diese Faustregel: Proteinreiche und tierische Lebensmittel enthalten mehr Selen als zum Beispiel Obst und Gemüse. Doch nicht nur Fleisch und Fisch, auch pflanzliche Proteinquellen, wie Hülsenfrüchte und Nüsse versorgen den Körper mit dem Spurenelement.

Veganer*innen aufgepasst

Ein Selen-Mangel kommt nur in Ausnahmefällen und bei sehr einseitiger Ernährung vor. Auch Veganer*innen sowie Menschen mit chronischen Darmerkrankungen oder einer Alkoholsucht müssen aufpassen. Sie achten am besten auf die ersten Anzeichen eines Selenmangels, etwa weiße Flecken auf den Nägeln und Haarausfall. In diesem Fall hilft die Hausärzt*in weiter.

Um einen Mangel zu vermeiden, wird den Risikogruppen empfohlen, ganz bewusst viele selenhaltige Nahrungsmittel in den Speiseplan zu integrieren. Auch selenhaltige Nahrungsergänzungsmittel helfen, den Bedarf zu decken. Doch Vorsicht: Mehr als 300 µg Selen sollten die Produkte nicht enthalten. Zu viel Selen schädigt nämlich die Leber und das Herz. Von den Betroffenen wird die Überdosierung meist zuerst an Haarausfall, Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Übelkeit bemerkt.

Quellen: Verbraucherzentrale, DGE Referenzwerte und FAQ, Elmadfa und Leitzmann: Ernährung des Menschen, 6. Auflage, utb, 2019


Kind nicht im Auto vergessen!

Vorsicht Hitzetod

Auch wenn es schnell gehen muss: Bei sommerlichen Temperaturen sollten Eltern ihre Kinder nicht im Auto warten lassen. Denn im Wageninneren steigen die Temperaturen oft schon nach 30 Minuten auf bis zu 40 Grad – und bringen gerade kleine Kinder in Lebensgefahr.

Temperaturregelung noch nicht ausgereift

Kleinkinder sind besonders anfällig gegenüber Hitze, erklärt der Kinderarzt Ulrich Fegeler. Im Gegensatz zu Erwachsenen kann ihr Körper die Temperatur noch nicht so gut regeln, er erwärmt sich drei- bis fünfmal schneller. Deshalb sind hohe Umgebungstemperaturen für die Kleinen schnell kritisch, es droht der Hitzetod. Zum Beispiel im Inneren eines Wagens: Schon bei 22° C außen klettert die Temperatur darin auf bis zu 40° C, wobei der schnellste Anstieg in den ersten dreißig Minuten zu verzeichnen ist. Auch ein leicht geöffnetes Fenster kann die Bruthitze nicht verhindern, betont Fegeler.

Schon ab 14 °C gefährlich

Doch auch geringere Außentemperaturen sind für die zurückgelassenen Kinder gefährlich. So beobachteten italienische Forscher*innen die meisten Hitzetodesfälle im Auto ab 16° C Außentemperatur. Amerikanische Fachgesellschaften gehen sogar davon aus, dass Außentemperaturen ab 14° C das Auto in einen tödlichen Brutkasten verwandeln können.

Handy auf den Rücksitz legen

Doch warum bleiben Kinder überhaupt allein im Auto sitzen? Die wenigsten Eltern lassen ihren Nachwuchs bewusst im Auto zurück, wie amerikanische Forscher*innen bei Analyse solch tragischer Hitzetodesfälle im Auto herausgefunden haben. Über ein Viertel der Kinder waren heimlich selbst ins Auto geklettert und konnten sich daraus nicht mehr befreien. Und in 55% der untersuchten Fälle hatten die Eltern aus Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Stress oder Ablenkung ihr Kind schlicht und einfach im Auto vergessen.

Wie kann man solchen tragischen Unfällen vorbeugen? Fegeler gibt folgende Tipps:

  • Autos nicht unverschlossen parken.
  • Kinder davor warnen, dass sie nie allein in Autos steigen sollen.
  • Immer auf den Rücksitz schauen, wenn man sein Auto verschließt.
  • Am besten das Handy oder die Handtasche neben den Kindersitz auf den Rücksitz legen, um vor dem Aussteigen den Blick nach hinten zu erzwingen.
  • Ein Spielzeug oder die Windeltasche auf den Beifahrersitz stellen, um sich daran zu erinnern, dass der Nachwuchs mit unterwegs ist.
  • Eine Markierung am Autoschlüssel anbringen, die erinnert, dass womöglich der Nachwuchs im Wagen sitzt.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de


Wie sich UV-Filter unterscheiden

Chemisch oder mineralisch?

So schön die Sonne ist – zuviel davon schadet der Haut. Beim Sonnenbaden ist ein Schutz vor den gefährlichen UV-Strahlen deswegen ein Muss. In Sonnencremes gibt es dafür zwei Arten von Filtern, mineralische und chemische. Doch wie unterscheiden sich diese beiden Filtertypen?

Abfangen und umwandeln

Schon die ersten, in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelten Sonnenschutzmittel basierten auf chemischen Lichtschutzfiltern. Sie dringen in die Haut ein, fangen dort die energiereichen UV-Strahlen auf und wandeln sie in Wärme- oder Lichtenergie um. Je nach umgewandeltem Wellenbereich werden UVA- und UVB-Filter unterschieden. UV-A-Strahlen sind vor allem für das vorzeitige Altern der Haut verantwortlich, UV-B für den Sonnenbrand. Häufig sind beide Filter kombiniert. Vorteil der chemischen Sonnenschutzfilter ist, dass mit ihnen ein höherer Lichtschutzfaktor erreichbar ist als mit mineralischen Filtern.

Chemie braucht Zeit zum Wirken

Chemische Filter haben allerdings auch Nachteile: Durch ihr – gewolltes – Eindringen in die Haut können sie Allergien auslösen. Zudem wirken sie erst nach etwa 20 bis 30 Minuten, d.h. man sollte sich nach dem Auftragen nicht sofort in die Sonne legen. Außerdem zersetzen sie sich relativ schnell, d.h. ihre Schutzwirkung hält nur etwa 1 bis etwa 3 Stunden an. Auch in der Tube oder Flasche zersetzen sie sich nach drei bis sechs Monaten, d.h., jede Saison muss ein neues Produkt benutzt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt sind Hinweise darauf, dass einige UV-Filter und ihre Abbauprodukte in (früher erlaubten) Tierversuchen hormonell wirksam sind. Ob sich dies auf den Menschen übertragen lässt ist strittig. In Sonnencremes werden jedoch deutlich geringere Mengen dieser Filter eingesetzt, weshalb viele Expert*innen sie für unbedenklich halten. Vorsichtshalber wird jedoch Kindern und Schwangeren empfohlen, auf Sonnencremes mit mineralischen Filtern auszuweichen.

Schlussendlich gelangen chemische UV-Filter auch in die Umwelt. So wurden sie beispielsweise in Fischen und in Muttermilch nachgewiesen. Welche Schäden sie dort hervorrufen, ist noch nicht abschließend geklärt.

Schutzschild auf der Haut

Mineralische Filter sind winzige Partikel, die nach dem Eincremen auf der Haut bleiben und die gefährlichen UV-Strahlen reflektieren und streuen. Am häufigsten eingesetzt werden dafür Titanoxid und Zinkoxid. Weil mineralische Filter nicht in die Haut eindringen, eignen sich Sonnencremes damit gut für Kinder und Menschen mit empfindlicher Haut. Weiterer Vorteil: Sie wirken sofort nach dem Eincremen.

Störender Weißeffekt

Allerdings hinterlassen mineralischen Filter nach dem Eincremen einen weißen Schleier. Der ist umso ausgeprägter, je höher der Lichtschutzfaktor ist. Inzwischen wurden mineralische Filter auch als Nanopartikel entwickelt, die sich ohne Weißeffekt nutzen lassen. Hier besteht allerdings noch Unklarheit, ob diese winzig kleinen Partikel ein gesundheitliches Problem darstellen. Im Magen-Darm-Trakt sollen sie zu gutartigen Gewebeneubildungen führen, wobei die entsprechenden Forschungen noch nicht abgeschlossen sind. Aus diesem Grund sind Tuben und Flaschen mit Sonnencreme immer gut zu verschließen und außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern aufzubewahren.

Quelle: ptaheute


Blasen vorbeugen und behandeln

Wenn der Schuh drückt

Ob nach einer langen Wanderung oder einem ausgiebigem Shoppingtrip – Blasen entstehen schnell und sind oft schmerzhaft. Das sind die besten Tipps, um Blasen vorzubeugen oder sie schnell wieder zum Abheilen zu bringen.

Wie entstehen Blasen?

Unsere Haut ist aus verschiedenen Schichten aufgebaut, die elastisch und verschiebbar sind. Die oberste Schicht bildet die Epidermis, darunter folgen die Dermis und die Subkutis. Druck oder Reibung von außen lassen zwischen den Schichten Hohlräume entstehen, die sich dann mit Gewebeflüssigkeit füllen. Wie sehr eine Blase schmerzt, hängt dabei von ihrer Tiefe ab. Generell gilt: Je länger und stärker die mechanischen Kräfte auf die Haut einwirken, desto tiefer die Blase und desto länger dauert die Heilung.

Blasen effektiv vorbeugen

Oft helfen aber schon ein paar einfache Tipps, damit Blasen überhaupt nicht entstehen. Bewährt hat sich:

  • Besonders anfällige Stellen vorsorglich mit Blasenpflastern abdecken oder mit Vaseline einschmieren. Beides gibt es in der Apotheke.
  • Neue Schuhe einlaufen, bevor sie länger getragen werden
  • Fester, guter Sitz der Schuhe
  • Socken tragen, die die Feuchtigkeit ableiten
  • Feuchte Füße vermeiden, z.B. durch Antischweißmittel (sog. Antihidrotika).

Blasen lieber nicht aufstechen

Schon entstandene Blasen sollten besser nicht selbstständig aufgestochen werden, weil das Infektionsrisiko dann hoch ist. Kleinere, kaum schmerzende Blasen werden daher besser nur mit einem Blasenpflaster abgedeckt. Diese polstern die betroffene Stelle, schützen so vor zusätzlichem Druck, fördern die Wundheilung und lindern den Schmerz. Wichtig ist, dass die Pflaster erst entfernt werden, wenn sie sich von selbst lösen. Andernfalls ist das Risiko hoch, die neugebildete Haut darunter wieder zu verletzen. Nur wenn eine Blase sehr stark schmerzt, ist es nötig, sie zu eröffnen, um die Wundflüssigkeit ableiten. So wird der unangenehme Druck von der betroffenen Stelle genommen und der Abheilungsprozess beschleunigt. Um Infektionen zu vermeiden, sollte man zuvor die richtigen Bedingungen schaffen, also den Hautbereich gründlich säubern und mit einer sterilen Nadel arbeiten. Im Zweifelsfall überlässt man die Blase aber lieber einer medizinischen Fachkraft.

Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung, Ausgabe Nr. 24(2019)


Blutdruck messen - aber richtig!

Kardinalfehler vermeiden

Den Blutdruck selbst zu messen ist für viele Menschen Routine. Automatische Blutdruckmessgeräte für zuhause sind aber nur vermeintlich leicht zu bedienen – denn einige Regeln müssen auch hier beachtet werden, um verlässliche Werte zu erhalten.

Die Position macht´s aus

Die Bestimmung des Blutdrucks ist bei vielen Erkrankungen von Bedeutung. Gut, dass es auch zu Hause möglich ist, seinen Blutdruck zuverlässig zu kontrollieren. Inzwischen gibt es eine Reihe von technisch ausgefeilten Messgeräten, mit denen sich der Blutdruck am Oberarm oder am Handgelenk selbstständig ermitteln lässt. Doch leider kann man bei der Messung trotzdem eine Menge falsch machen. Die American Heart Association hat die häufigsten Fehler und die besten Tipps für eine korrekte Blutdruckmessung zusammengestellt:

  • Besonders wichtig ist beim Blutdruckmessen die Position. Der systolische Blutdruck ist im Liegen 3 bis 10 mmHg höher als im Sitzen. Wenn unbedingt im Liegen gemessen werden muss, sollte man dabei ein Kissen unter den Oberarm legen, damit sich Messstelle und Herz auf gleicher Ebene befinden.
  • Im Sitzen sollte bei der Messung der Oberarm nicht einfach herabhängen. Am besten legt man ihn bequem so ab, dass sich die Manschette des Messgerätes im Niveau des Vorhofs befindet, also etwa in der Mitte des Brustbeins.
  • Es ist wichtig, sich bei der Blutdruckmessung zu entspannen und mit dem Rücken gut anzulehnen. Ist der Rücken nicht gestützt, kann der systolische Blutdruck um bis zu 15 mmHg und der diastolische um bis zu 6 mmHg steigen.
  • Die Beine dürfen bei der Messung nicht übergeschlagen oder gekreuzt werden. Beinekreuzen beim Blutdruckmessen lässt den Blutdruck systolisch um bis zu 8 mmHg, diastolisch um bis zu 5 mmHg ansteigen.
  • Wer ein Handgelenkmessgerät benutzt, muss es sorgfältig anlegen. Der Sensor muss genau über der daumenseitigen Unterarmarterie (Arteria radialis) positioniert sein. Im Zweifel kann man sich den Messpunkt von seinem Arzt oder Apotheker zeigen lassen.
  • Das Handgelenk muss bei einer Handgelenksmessung über den gesamten Messvorgang hinweg gestreckt und in Höhe des Herzens gehalten werden. Ganz einfach geht das zum Beispiel, wenn man dazu im Sitzen den Ellenbogen bequem auf einen Tisch aufstützt.

Blutdruck-Uhren vor die Brust!

Neben den bewährten Blutdruckmessern für Oberarm und Handgelenk gibt es inzwischen auch andere Möglichkeiten, den Blutdruck zu messen. Ganz up to date ist für viele, dafür das Smartphone zu nutzen. Dabei wird der Finger auf das Dysplay gelegt und der Blutdruck bestimmt, indem spezielle Apps die Hautdurchblutung messen. Doch diese Methode ist nicht ausreichend geprüft, warnen die Kardiolog*innen und raten davon ab.

Weiter entwickelt in puncto Blutdruck-Messung seien dagegen Smartwatches und andere Blutdruck-Uhren. Aber auch hier bleibe abzuwarten, ob diese Geräte dauerhaft zuverlässige Messergebnisse liefern können. Neue interessante Messtechnologien für die Blutdruck-Uhren sind dafür schon in Erprobung. Wer jetzt schon seinen Blutdruck mit Hilfe eine Blutdruck-Uhr messen möchte, sollte sie bei der Messung auf jeden Fall in vors Herz halten.

Wer sich unsicher ist, sucht am besten den Rat in der Apotheke. Hier beraten Fachkräfte über das richtige Messgerät und die richtige Messtechnik.

Quelle: DÄB


Nur ein Medikament oder schon Doping?

Strenge Regeln selbst im Freizeitsport

Wettkämpfe sind nicht nur dem Spitzensport vorbehalten. Auch viele Freizeitsportler*innen messen sich gerne, etwa beim Marathon oder bei Radveranstaltungen. Aber Vorsicht: Mit einer Wettkampfteilnahme gelten auch für den Breitensport die gängigen Anti-Doping-Bestimmungen. Und die sind oft strenger, als vermutet.

Doping aus der Hausapotheke

Doping ist nicht nur ein Thema im Spitzensport –Freizeitsportler*innen sollten die Anti-Doping-Regeln ebenfalls kennen. Denn auch bei Hobby-Wettkämpfen werden regelmäßig Doping-Kontrollen durchgeführt. Was viele Sportler*innen nicht wissen: Auch „ganz normale“, handelsübliche Medikamente können auf der Doping-Verbotsliste stehen.
Ein gutes Beispiel für ein handelsübliches, aber dopingrelevantes Medikament ist der Hustensaft Spasmo-Mucusolvan®. Der enthält das beta-2-Mimetikum Clenbuterol, das anabole (muskelaufbauende) Wirkung hat. Wettkampfsportler*innen dürfen diesen nie – also auch nicht in wettkampffreien Zeiten – einnehmen.
Nur während dem Wettkampf tabu sind viele Erkältungspräparate wie Aspirin Complex® und Boxagrippall®. In diesen steckt oft der Wirkstoff Ephedrin, der u. a. stimulierend auf das Herz-Kreislauf- und Atmungssystem wirkt.

Was tun bei chronischen Krankheiten?

Besonders vorsichtig müssen Sportler*innen mit chronischen Krankheiten sein, die dauerhaft Medikamente einnehmen. Ein häufig verschriebenes Medikament bei Asthma oder COPD ist beispielsweise das bronchienerweiternde Salbutamol. Dieses ist als verboten gelistet und darf nur bis zu einer bestimmten Konzentration inhaliert werden. Auch einige Blutdrucksenker wie Diuretika sind für Wettkampfsportler*innen verboten, weil sie den Urin verdünnen und den Nachweis von Doping-Substanzen erschweren.
Dann hilft nur, in der Apotheke oder Arztpraxis nach einer erlaubten Alternative zu fragen. Gibt es keine, muss ein ärztliches Attest als Nachweis mitgeführt werden.

Aufpassen sollte man auch bei Nahrungsergänzungsmitteln. Aktuell sehr populär sind etwa Nahrungsergänzungsmittel mit Cannabidiol (CBD). Dieser Wirkstoff ist zwar prinzipiell erlaubt – aber nur, solange der THC-Gehalt höchstens 0,2 % beträgt. Leider zeigt sich immer wieder, dass Angaben auf Herstelleretiketten nicht verlässlich sind. Auch anabol wirkende Substanzen finden sich immer wieder ohne Angabe in Nahrungsergänzungsmitteln.

Besser im Vorfeld informieren

Bei der Vielzahl an betroffenen Wirkstoffen ist es oft schwierig, den Überblick zu behalten. Seine eigenen Medikamente überprüfen kann man am besten mit der offiziellen Verbotsliste der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA). Die Kölner Liste wiederum führt auf dopingrelevante Substanzen getesteter Nahrungsergänzungsmittel. Im Zweifel kann man sich beim Kauf eines Medikaments direkt in der Apotheke rückversichern.

Quelle: PTA heute, 11/2021





Karies sicher vorbeugen

Weder zuviel, noch zu wenig Fluorid

Zur Kariesprävention bei Kindern wird neben Mundhygiene und gesunder Ernährung vor allem die Gabe von Fluoriden empfohlen. Doch gerade dabei gibt es Unsicherheiten. Reicht fluoridhaltige Zahnpasta, muss man zusätzlich Fluoridtabletten geben oder riskiert man damit womöglich einer Überdosierung?

Fluoridmenge genau beachten

Karies wird in Deutschland bei Kindern immer seltener. Grund dafür sind die seit den 1990er Jahren verbesserten Präventionsmaßnahmen, insbesondere die Gabe von Fluoriden im Säuglings- und Kindesalter. Fluorid lässt sich auf verschiedene Weise verabreichen, z. B. über fluoridhaltiges Wasser, Tabletten oder Zahnpasta. Um eine Fluoridüberdosierung und einer dadurch bedingten Schädigung von Zähnen, Knochen und zu vermeiden, müssen die Fluoridmengen genauestens beachtet werden. Als optimale Dosis für höchstmögliche Kariesvorbeugung bei geringstem Risiko gelten 0,05 mg/kg Körpergewicht. Wie sich das konkret umsetzen lässt, beschreibt das Netzwerk Gesund ins Leben in seiner bundesweiten Empfehlung zur Kariesvorbeugung im Säugling- und Kindesalter.

Von Geburt bis Zahndurchbruch

Schon vor dem ersten Milchzahn braucht der Säugling Fluoride. Die Dosierung hängt davon ab, wie das Kind ernährt wird.

  • Gestillte Kinder erhalten täglich ein Kombipräparat aus 0,25 mg Fluorid und 400-500 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D in Tablettenform (Vitamin dient der Vorbeugung von Rachitis).
  • Wird der Säugling überwiegend mit Säuglings(milch)nahrung ernährt, kommt es darauf an, wie fluoridhaltig das dafür verwendete Wasser ist. Liegt der Fluoridgehalt unter 0,3 mg/l, eignen sich die gleichen Kombitabletten wie beim gestillten Säugling. Beträgt der Fluoridgehalt 0,3 mg/l oder mehr, soll Vitamin D alleine verabreicht werden.

Vom Zahndurchbruch bis zum ersten Geburtstag

Ist der erste Zahn da, wird das Kind behutsam an das Zähneputzen herangeführt. Um eine Überdosierung der Fluoride zu vermeiden, ist es wichtig, den Fluoridgehalt der Zahnpasta und des für die Säuglingsmilch verwendeten Wassers zu kennen.

  • Wird das Kind überwiegend mit Säuglingsmilch ernährt und liegt der Fluoridgehalt des dafür verwendeten Wassers bei oder über 0,3 mg/l, sollen ihm die Zähne nur einmal täglich mit einer reiskorngroßen Menge (0,125 g) geputzt werden. Hier ist es egal, ob die Zahnpasta fluoridhaltig ist oder nicht. Vitamin D gegen Rachitis wird in der Dosierung von 400-500 IE täglich per Tablette verabreicht.
  • Bei gestillten Kindern oder einem Fluoridgehalt im Trinkwasser unter 0,3 mg/l gibt es zwei Möglichkeiten, den Kinderzähnen das nötige Fluorid zuzuführen: Ist die verwendete Zahnpasta fluoridreich, sind die Zähnchen zweimal täglich mit einer nur reiskorngroßen Menge Zahnpasta (mit 1000 ppm Fluorid) putzen. Zusätzlich bekommt das Kind täglich eine Vitamin-D-Tablette mit 400-500 IE Vitamin D. Bei fluoridfreier Zahnpasta werden die Zähne auch zweimal täglich geputzt. Zur Kariesvorbeugung gibt´s wie vor dem Zahndurchbruch ein Kombipräparat aus und 0,25 mg Fluorid und 400-500 IE Vitamin D.

Vom ersten bis zum zweiten Geburtstag

Bis zum zweiten Lebensjahr heißt es zweimal täglich Zähne putzen, und zwar mit einer reiskorngroßen Menge fluoridhaltiger Zahnpasta (mit 1000 ppm Fluorid). Die Eltern sollten beim Zähneputzen dabei sein und genau darauf achten, dass nicht zuviel Zahnpasta auf die Zahnbürste aufgetragen wird.

Von 2 bis 6 Jahren

Im Vorschulalter brauchen die Kinderzähne mehr Fluoride. Enthält die Zahnpasta 1000 pppm Fluorid, wird eine erbsengroße Menge (etwa 0,25 g) auf die Zahnbürste gequetscht. Geputzt wird morgens und abends mit den Eltern. Sind die Kleinen tagsüber in Kindergarten oder Kita, darf dort eine dritte Zahnputzeinheit mit ebenfalls erbsengroßer Menge an Zahnpasta eingelegt werden. Hält man sich an diese Empfehlungen, sind die Zähne geschützt und das Risiko einer Überdosierung gering.

Quelle: Monatsschrift Kinderheilkunde


Juckreiz dank See und Weiher

Gestörter Badespaß

Im Sommer locken nicht nur Nord- und Ostsee, sondern auch viele Seen, Weiher und Flüsse zum Baden. Doch nicht immer ist der Badespaß ungetrübt. Gerade in Naturgewässern kann man in unangenehmen Kontakt mit Zerkarien, Bakterien und anderen Erregern kommen.

Der Mensch als Fehlwirt

Zerkarien sind die Larven der Saugwürmer und gehören zu den häufigsten Spaßverderbern beim Badevergnügen in Naturgewässern. Sie gelangen durch Wasserschnecken ins Wasser und befallen dort eigentlich Enten und andere Wasservögel, um sich zu Würmern zu entwickeln. Manchmal dringen die Larven aber auch in die menschliche Haut ein. Dort sterben sie ab, was zunächst zu einem leichten Hautjucken, später zu starkem Juckreiz führt. Es entwickeln sich Papeln, die sich entzünden. Etwa drei Tage dauert der Spuk, bis die Badedermatitis innerhalb von zehn bis 20 Tagen wieder komplett abheilt.

Antihistaminika und vorbeugen

Gegen den Juckreiz helfen antihistaminhaltige Gele oder Salben aus der Apotheke. Auch niedrig dosierte Kortisonsalben können eingesetzt werden. Bei sehr starken Beschwerden sind manchmal auch Antihistaminika als Tabletten nötig. Wichtig: Nicht an den Papeln kratzen, um eine zusätzliche bakterielle Infektion zu vermeiden. Damit es gar nicht erst zu einer Badedermatitis kommt helfen folgende Tipps:

  • Flachwasser und dicht bewachsene Uferzonen meiden, da hier Wasserschnecken leben. Am besten in strömendem Wasser schwimmen.
  • Nicht an Badestellen mit vielen Wasservögeln ins Wasser gehen.
  • Lieber abends als morgens baden, da morgens die Zerkariendichte im Wasser am höchsten ist.
  • Nach dem Schwimmen sofort Badebekleidung wechseln und die Haut gründlich abrubbeln.
  • Wasserabweisende Sonnencreme benutzen, sie soll den Zerkarien das Eindringen in die Haut erschweren.

Krank durch Darmbakterien oder Algenblüte

Nicht nur Larven, auch pathogene Bakterien tummeln sich in manchen Gewässern. So drohen Infektionen mit krankmachenden Darmbakterien, wenn natürliche Gewässer mit Fäkalien verunreinigt sind. Normalerweise werden Badegewässer regelmäßig auf Darmbakterien wie Escherichia coli geprüft und bei zu hoher Keimzahl das Gewässer für das Baden gesperrt. Gerade nach Starkregen wird aber manchmal auch in sonst saubere Gewässer fäkale Verunreinigungen und Krankheitserreger aus Kläranlagen eingeschwemmt.

Im Gegensatz zu Darmbakterien sind Cyanobakterien im Wasser sehr gut erkennbar. Steigen die Temperaturen, vermehren sich diese Keime in nährstoffreichem Wasser massenhaft und bilden oft blaugrüne Teppiche. Eine solche Algenblüte kommt sowohl im Süßwasser als auch in der Ostsee vor. Dabei sind die schlierig-schmierigen Algenbeläge nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich. Denn die Cyanobakterien bilden Giftstoffe, die bei direktem Kontakt Haut und Schleimhäute reizen. Die Folge sind Bindehautentzündungen und Ohrenschmerzen. Wird das verseuchte Wasser verschluckt, drohen Übelkeit, Durchfall und allergische Reaktionen. Badestellen mit blaugrünen Schlieren und Algenbelag sollte man also besser meiden.

Vorsicht bei offenen Wunden

Viel seltener, aber umso gefährlicher sind Vibrionen. Bei Wassertemperaturen über 20° C vermehrt sich das im Salz- und Brackwasser der Nord- und Ostsee lebende Bakterium Vibrio vulnificus. Infektionsgefahr droht vor allem bei offenen Wunden. Wer offene oder schlecht heilende Wunde hat, sollte deshalb sommerwarmes Meerwasser lieber meiden.

Quelle: ptaheute


Schuppe ist nicht Schnuppe

Wie Hefepilze Schuppen verursachen

Schuppen im Haar sind für viele Menschen eine große Belastung. Noch immer werden die weißen Flocken von vielen als ein Zeichen mangelnder Körperhygiene betrachtet. Doch Schuppe ist nicht gleich Schuppe.

Die Fähigkeit der Haut sich zu regenerieren

Die Bildung von Schuppen hängt mit der Physiologie der Haut zusammen: Ununterbrochen erneuert sich die Haut und stößt jeden Tag mehrere Milliarden Hornzellen ab. In den unteren Hautschichten entstehen zeitgleich neue Zellen, die innerhalb von etwa 30 Tagen die Oberfläche erreichen. Die abgestoßenen Zellen rieseln unbemerkt als kleinste Schüppchen zu Boden.

Wenn Hefepilze hinter Schuppen stecken

Lösen sich die Hautzellen jedoch nicht einzeln, sondern kleben viele Zellen aneinander, werden sie als Schuppen wahrgenommen. Meist sind Schuppen zwar unappetitlich, aber harmlos. Manchmal jedoch sind die schuppigen Veränderungen an der Kopfhaut erste Anzeichen für ernste Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Neurodermitis.
Grob zu unterscheiden sind 2 Arten von Schuppen: trockene Schuppen (seltener) und fettige Schuppen (häufiger). Je nach Beschaffenheit der Schuppen kommen unterschiedliche Auslöser in Frage:

  • Trockene Schuppen sind häufig Folge einer trockenen Kopfhaut, bedingt durch falsche Haarpflege oder trockene Heizungsluft . Achtung: Hier sind entfettende Antischuppen-Shampoos kontraindiziert!
  • Fettige, verklebte Schuppen treten dagegen häufig zusammen mit einer Seborrhö auf, also einer übermäßigen Talgproduktion der Kopfhaut. Wissenschaftler vermuten, dass die übermäßige Talgproduktion das Wachstum von Hefepilzen auf der Kopfhaut begünstigt. Ihre Stoffwechselprodukte reizen die Kopfhaut, was die Bildung neuer Hautzellen beschleunigt und so zu einer vermehrten Schuppenbildung führt. Gleichzeitig entstehen kleinste Mikroentzündungen, die sich durch Juckreiz oder kleine rote Stellen nach dem Kämmen bemerkbar machen.
    Hier eignen sich zur Behandlung antimykotische Shampoos oder Lösungen die das Pilzwachstum hemmen und in der Regel 2 bis 3 mal pro Woche angewendet werden. Zusätzlich helfen entfettende Shampoos und Produkte mit Selendisulfid. Diesem Wirkstoff wurde eine antiproliferative Wirkung nachgewiesen, er hemmt damit also die Zellteilungsrate und vermindert die Anzahl der Schuppen.

Beratung über Schuppen und das richtige Schampoo erhalten Sie in der Hausaztpraxis oder Apotheke.

Quellen: PTA heute, Praxiswissen für die Apotheke, Ausgabe 9/2019 und gesundheitsinformation.de