Apothekennews

Insulinpumpen bei Typ-1-Diabetikern

Besonders junge Patienten profitieren

Mehr als jeder 2. junge Patient mit Typ-1-Diabetes nutzt zur Einstellung des Blutzuckerwertes mittlerweile eine Insulinpumpe. Aus den verbesserten Blutwerten sowie dem Gewinn an Sicherheit und Lebensqualität ziehen Betroffene und deren Angehörige weitreichende Vorteile.

Bessere und stabilere Blutzuckerwerte mit Insulinpumpe

Für Menschen mit Typ-1-Diabetes stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, den erhöhten Blutzuckerspiegel mit einer Insulingabe auszugleichen: Neben einer Injektionstherapie mit Spritze oder Pen nutzen immer mehr Diabetespatienten eine Insulinpumpe. Dieses Gerät gibt mit Hilfe einer programmierten Pumpe über eine unter der Haut liegende Nadel regelmäßig Insulin an den Körper ab. Über die Hälfte aller Typ-1-Diabetiker unter 20 Jahren und mehr als 90 Prozent der Kinder unter 6 Jahren nutzen in Deutschland bereits Insulinpumpen. Prof. Dirk Müller-Wieland, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), erläutert die Vorteile des Systems: „Nach aktuellem […] Kenntnisstand sind Insulinpumpen bei Patienten mit stark schwankenden Blutzuckerwerten derzeit die sicherste Methode, den Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c niedrig zu halten sowie Unterzuckerungen oder einen akuten Insulinmangel – eine lebensgefährliche Komplikation – zu verhindern.“

Eine aktuelle Studie in mehreren europäischen Ländern von 30500 Patienten mit Typ-1-Diabetes über 5 Jahre hinweg bestätigt die Vorteile von Insulinpumpen im Vergleich mit einer herkömmlichen Injektionstherapie.

Insulinpumpen geben Eltern Sicherheit

Auch auf die Eltern von kleinen Diabetespatienten wirkt sich der Einsatz von Insulinpumpen bei Kindern positiv aus. Neu, Oberarzt in der Diabetes-Ambulanz am Universitätsklinikum Tübingen, erklärt: „Die Lebensqualität der Betroffenen steigt erheblich, da Eltern bei der regelmäßigen Blutzuckerkontrolle und Insulinversorgung entlastet werden und deutlich mehr Sicherheit im Alltag haben. Unregelmäßige Bewegung und Nahrungsaufnahme sowie Wachstumsschübe […] wirken sich erheblich auf den Zuckerstoffwechsel aus. Dies bedarf häufig schneller Insulinanpassungen, um schweren Nebenwirkungen vorzubeugen.“ Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Insulinpumpentherapie ist laut Experten die intensive Schulung des Patienten und der Eltern.

Quelle: DDG


Früher Pubertätsbeginn bei Kindern

Einfluss mütterlicher Kosmetika

Eine mögliche Ursache, dass Kinder immer früher in die Pubertät kommen, wiesen amerikanische Forscher nach: Sie stellten einen Zusammenhang zwischen Wirkstoffen aus Körperpflegeprodukten der schwangeren Mütter und einer früheren Geschlechtsreife fest.

Konservierungsmittel mit Nebenwirkungen

In einer Langzeitstudie untersuchten Wissenschaftler von der Universität Berkeley, ob Inhaltsstoffe aus Kosmetika eine Wirkung auf den zeitlichen Beginn der Geschlechtsreife von Kindern haben, wenn deren schwangere Mütter sie verwenden. Die untersuchten Substanzen gehörten zur Gruppe der Phenole und Parabene, die in Kosmetikprodukten das Keimwachstum verhindern sowie als Konservierungsmittel dienen. Zusammen mit den Phthalaten, die Duftstoffe in Kosmetika fixieren, stehen alle drei Substanzgruppen in Verdacht, in das Hormonsystem einzugreifen, insbesondere in das von Mädchen.

Die Studie begann im Jahr 1999 und die Forscher nahmen von den schwangeren Müttern sowie später von deren Kindern im Alter von 9 Jahren Urinproben. In den folgenden 4 Jahren bis zum Alter von 13 Jahren stellten die Mediziner den Beginn der Pubertät mittels eines Standardtests fest.

Verfrüht einsetzende Pubertät nachteilig

Enthielten die mütterlichen Proben besonders viel Phthalat, begann die Schamhaarentwicklung der Töchter etwa ein halbes Jahr früher. Hohe Konzentrationen des zu den Phenolen zählenden Triclosans hatte zur Folge, dass die erste Menstruation (Menarche) knapp 5 Monate früher einsetzte. Große Mengen an Parabenen im Urin der Töchter ging mit einer früheren Entwicklung der Brustdrüsen, der Schambehaarung und einer früher einsetzenden Menarche einher. Bei Jungen zeigte sich nur ein Zusammenhang zwischen Parabenen und einer früheren Reifung der Geschlechtsorgane.

Die Erstautorin der Studie Kim Harley erklärt, dass die Studienergebnisse wichtig seien, da die Pubertät bei Mädchen seit einigen Jahrzehnten immer früher beginnt. Harley betont, dass ein früheres Einsetzen der Pubertät bei Mädchen nicht nur die Anfälligkeit für psychische Probleme erhöhe, sondern auch das langfristige Risiko für Brust- und Eierstockkrebs.

Quelle: Ärztezeitung


Malen als Gedächtnisstütze

Wörter lieber zeichnen als schreiben

Wortlisten merken, schwierige Definitionen begreifen – mit Stift und Zeichenpapier in der Hand kaum noch ein Problem. Das Aufmalen von Begriffen hilft dem Gedächtnis deutlich auf die Sprünge.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Wie schaffen wir es, uns besser an Wörter und schwierige Begriffe zu erinnern? Dieser Frage gingen kanadische Wissenschaftler der Universität Waterloo nach. Eine Liste mit Begriffen wie zum Beispiel Birne und Lkw behielten Versuchspersonen viel besser in Erinnerung, wenn sie diese aufzeichneten. Die Probanden merkten sich die Worte viel schlechter, wenn sie sie mehrfach aufschrieben, sich im Geist vorstellten oder entsprechende Abbildungen betrachteten. Auch Erklärungen für schwierige Begriffe wie beispielsweise Isotop prägten sich den Teilnehmern besser ein, wenn sie nicht nur abgeschrieben, sondern gemalt wurden.

Malen besonders hilfreich für Ältere und Demenzkranke

Ältere Personen schnitten schlechter ab als jüngere, wenn sie sich Wortlisten durch Aufschreiben merken sollten. Dieser Nachteil verschwand vollständig, wenn sie die Begriffe zeichneten. Auch Patienten mit Demenz profitierten von der Zeichenmethode, mit der sie sich eine Wortliste am besten einprägten.
Die Studienleiterin Myra Fernandes vermutet, dass aufgrund der Kombination aus motorischen und visuellen Anteilen das Zeichnen so gut als Erinnerungsstütze funktioniert. Zusätzlich verlangt das Malen ein intensives Auseinandersetzen mit dem Begriff oder der Definition.

Ohne Bedeutung für die Gedächtnisleistung waren die künstlerischen Fähigkeiten des Einzelnen; auch die Strichmännchen von Teilnehmern ohne Zeichenerfahrung halfen beim Erinnern.

Quelle: Spektrum


Verdauung fängt im Kopf an

Essen für die Sinne

Bereits der Anblick und der Duft eines leckeren Essens geben dem Körper das Startsignal für die Produktion von Verdauungsenzymen und Speichel. Kölner Forscher untersuchten die Wege, über die Gehirn und Leber Kontakt miteinander aufnehmen.

Körper bereitet sich zeitig auf Nahrungsverwertung vor

Wann stellt sich der Körper auf die Verdauung von Nahrungsbestandteilen ein? Wenn die ersten Bissen im Mund sind oder schon vorher? Schon länger ist bekannt, dass während der so genannten Kopfphase – also beim Riechen, Sehen und Schmecken – alle Bereiche des vegetativen Nervensystems aktiviert werden: Die Herzfrequenz steigt, die Speichelproduktion im Mund kommt in Gang und der Magen gibt Enzyme zur Verdauung der Nahrung ab. Auf diese Weise ist die Verstoffwechslung der aufgenommenen Nahrung sichergestellt.

Auge & Nase senden Startsignal an Leber

Das Wissenschaftlerteam um Prof. Jens Claus Brüning vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung fand kürzlich heraus, dass nicht nur der Magen-Darm-Trakt, sondern auch die Leber durch den Geruch und den Anblick von Speisen über Nervenzellen (Neurone) im Gehirn aktiviert wird, Verdauungsenzyme freizusetzen.

Brüning und sein Team wiesen nach, dass während der Kopfphase noch weitere Prozesse der Nahrungsverwertung angekurbelt werden: Im Gehirnbereich des Hypothalamus, der wichtigsten Schaltzentrale des vegetativen Nervensystems, existieren Neurone, die ausschließlich durch Riechen und Sehen von Essen aktiviert werden und der Leber signalisieren, dass Verdauungsenzyme bereitgestellt werden müssen. Claus Brandt, Erstautor der Studie, fasst zusammen: „Der Körper reagiert nicht erst auf die Nahrung, wenn sie aufgenommen wurde, sondern bereits auf die sensorischen Signale, die mitteilen, dass sie bald ankommen wird. Somit kann er eine effiziente Verstoffwechselung des Essens gewährleisten.“

Quelle: Ärzteblatt


Ausdauertraining verjüngt Zellen

Mit Sport gegen das Altern

Dass sportliche Betätigung gesund für Herz und Kreislauf ist und auch im Alter fit hält, ist unstrittig. Welche Sportart wirkt sich am positivsten auf den Gewinn an Lebensjahren aus? Dieser Frage gingen Forscher aus Homburg und Leipzig nach.

Sport ist nicht gleich Sport

An der Untersuchung nahmen 124 gesunde, aber inaktive Erwachsene teil. Der Kardiologe Christian Werner von der Universität des Saarlandes und sein Team analysierten, wie sich unterschiedliche Arten intensiver sportlicher Betätigung auf verschiedene Messgrößen niederschlagen, die mit langem Leben verknüpft sind.

Die zelluläre Alterung spiegelt sich in der Länge der so genannten Telomere wieder. Bei Telomeren handelt es sich um Abschnitte der Erbsubstanz, die sich an den Enden der Chromosomen befinden und sich schützend um das Erbgut der Zelle legen, um diese vor dem Zelltod zu bewahren. Alternde Zellen besitzen somit kürzere Telomere als jüngere Zellen. Ein weiterer Alterungsmarker ist das Eiweiß Telomerase, das eine Verkürzung der Telomere verhindert.

Die Personen der Kontrollgruppe führten für die Dauer der Studie (6 Monate) ihren inaktiven Lebensstil weiter. Die zweite Gruppe nahm 3 Mal pro Woche an einem 45-minütigem Ausdauertraining teil. Die dritte Gruppe erhielt ein Intervalltraining mit einem Wechsel von 4 Minuten Anstrengung und 4 Minuten Erholungspause. Die vierte Gruppe durchlief 3 Mal wöchentlich ein Zirkeltraining an 8 verschiedenen Fitnessmaschinen mit je 20 Wiederholungen.

Wirkung bis auf Chromosomenebene

Alle Teilnehmer der Sportgruppen erzielten einen ähnlichen Trainingseffekt, was die erhöhte Laufgeschwindigkeit und die gesunkene Herzfrequenz im Vergleich zu den Kontrollpersonen zeigte.

Eine Veränderung der Altersmarker ließ sich nur bei den Gruppen mit Ausdauer- und Intervalltraining feststellen: Die Telomere waren verlängert und die Telomerase-Aktivität erhöht. Die Gruppe mit Krafttraining wies ähnlich wie die Kontrollgruppe kaum Veränderungen dieser Parameter auf. Für den Erstautor der Studie Werner bestätigt dieses Resultat die Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, wonach Krafttraining nicht als Ersatz, sondern eher als Ergänzung von Ausdauertraining betrachtet werden sollte.

Ob ein halbes Jahr sportliches Training aber ausreicht, um langfristig die Zellen zu verjüngen und länger zu leben, ist laut Studienleiter Prof. Ulrich Laufs Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Quelle: Ärzteblatt


Ohrenpflege – so geht's

Finger weg von Wattestäbchen

Unser Ohr leistet Enormes. Gleich für zwei Sinneswahrnehmungen ist es zuständig: den Hörsinn und den Gleichgewichtssinn. Tipps zur richtigen Pflege und Reinigung dieses wichtigen Organs.

Selbstreinigung der Ohren unterstützen

Die Ohren reinigen sich selbst und zwar rund um die Uhr. Kleine Flimmerhärchen in den Gehörgängen transportieren durch ständige Bewegung abgestorbene Hautschuppen, Fremdkörper und Schmutz- und Staubpartikel nach außen. Unterstützt werden die Härchen vom Ohrenschmalz, dem sogenannten Cerumen. Ohrenschmalz ist kein Schmutz. Im Gegenteil: Da Partikel daran haften bleiben, hilft das klebrige Sekret, den Gehörgang zu reinigen. Außerdem bildet Ohrenschmalz einen Säureschutzmantel, der das Eindringen von Krankheitserregern oder Insekten verhindert und die Haut fettet, um sie geschmeidig zu halten. Um die Ohren zu reinigen genügt es, diese Selbstreinigungsfunktionen zu unterstützen.

Sanfte Säuberung

Mit einem Waschlappen oder Wattepad können Sie die Ohrmuscheln sanft säubern und den heraus transportierten Schmutz entfernen. Alternativ lassen Sie unter der Dusche etwas warmes Wasser in den Gehörgang laufen und trocknen die Ohrmuschel anschließend mit einem weichen Tuch ab.

Hinweis: Seife oder Shampoo sollten nicht in die Ohren gelangen.

Gegen trockene Haut hilft es, die Ohrmuschel vorsichtig mit einigen Tropfen Babyöl einzureiben. Auch hinter den Ohren sollten Sie sich regelmäßig waschen und die Haut anschließend gut abtrocknen. Kinder benötigen dabei Hilfe. Denn bei fehlender oder falscher Reinigung entstehen bei Ihnen besonders schnell Entzündungen am und im Ohr.

Wattestäbchen meiden

Wattestäbchen haben in den Ohren nichts zu suchen. Die harten Stäbchen können kleine Hautverletzungen verursachen und eine Angriffsfläche für Bakterien und Pilze bieten. Die Folge sind Ekzeme und schmerzhafte Entzündungen des Gehörgangs. Bei unsachgemäßer Benutzung besteht außerdem das Risiko, das empfindliche Trommelfell zu reizen oder zu verletzen. Zum anderen schieben Q-Tipps das Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang, wo es eintrocknet und sich zu einem Pfropf verklumpen kann.

Tipp: Wenn Sie nicht auf Wattestäbchen verzichten wollen, steigen Sie auf spezielle Sicherheitsstäbchen für Babys um. Diese haben ein verdicktes Ende und dringen nicht zu tief in den Gehörgang ein.

Ohrenschmalzpfropf professionell entfernen lassen

Eine weitere Ursache für einen Ohrenschmalzpfropf ist eine übermäßige Produktion von Ohrenschmalz. Dann reicht die Selbstreinigungsfunktion der Ohren nicht aus. Ohrenschmalz sammelt sich im Gehörgang, trocknet ein und bildet einen harten Pfropf. Bei älteren Menschen entsteht der Verschluss oft, da die Drüsen weniger Fett erzeugen und das Ohrenschmalz fester wird. Die Folgen sind Druckgefühle, Schmerzen und Schwerhörigkeit. Ohrentropfen oder -sprays mit Pflanzenölen aus der Apotheke helfen Ihnen, das Cerumen zu entfernen.

Hinweis: Hat sich bereits ein harter Pfropf gebildet, sollten Sie sich an einen HNO-Arzt wenden. Dieser entfernt den Schmalzpfropfen durch Absaugen, mithilfe eines kleinen Häkchens oder durch eine Spülung mit körperwarmem Wasser.


Blutdruck: zu hoch oder noch normal?

Neuer Grenzwert für Behandlung

Ist ein Absenken der Grenzwerte für eine Blutdruckbehandlung sinnvoll und sterben weniger Personen an Herzerkrankungen, wenn der Arzt früher mit der Behandlung beginnt? Diese Frage stellten sich Münchner Forscher.

Unterschiede bei amerikanischen und deutschen Grenzwerten

Wissenschaftler um Karl-Heinz Ladwig von der Technischen Universität München und dem Helmholtz Zentrum München überprüften, ob weniger Menschen an Herzerkrankungen sterben, wenn die Schwelle für eine Blutdruckbehandlung niedriger angesetzt wird. Anlass der Studie ist eine neu erlassene Richtlinie in den USA für Bluthochdruck. Laut amerikanischen Vorgaben beginnt eine Behandlung, wenn im so genannten Bluthochdruckstadium 1 Werte zwischen 130-139 mmHg/80-89 mmHg gemessen werden. Im Gegensatz dazu sieht die Europäische Gesellschaft für Kardiologie bei diesen Werten noch einen erhöhten normalen Blutdruck ohne Behandlungsbedarf.

Die Münchner Forscher werteten die Daten von rund 12.000 Patienten in Deutschland aus. „Wir haben untersucht, wie hoch innerhalb eines Zeitraumes von 10 Jahren das Risiko für Menschen in den verschiedenen Blutdruckkategorien war, an einer Herz-Kreislauferkrankung zu sterben und welche anderen Risikofaktoren jeweils vorlagen“, erläutert Seryan Atasoy, Epidemiologin und Erstautorin der Studie.

Niedrigere Grenzen schlecht für Psyche

Personen mit Werten aus dem Stadium 1 starben nicht häufiger an Herz-Kreislauferkrankungen als Menschen mit normalem Blutdruck. Zusätzlich brachte die Daten der behandelten Patienten mit gefährlichem Bluthochdruck zwei Erkenntnisse: Die Motivation, aufgrund einer Diagnose den Lebensstil umzustellen, ist sehr gering, da Rauchen und Bewegungsmangel in dieser Gruppe besonders ausgeprägt sind. Außerdem scheint sich eine Behandlung eher negativ auf die Psyche auszuwirken: Jeder Zweite in dieser Gruppe leidet unter depressive Verstimmungen, verglichen mit jedem Dritten Nicht-Behandelten.

„Wird man offiziell mit dem Etikett 'krank' versehen, wirkt sich das auf die psychische Gesundheit aus“, führt Ladwig aus. Das Herabsetzen der Behandlungsgrenze in den USA hat zur Folge, dass der Anteil an behandelten Bluthochdruckpatienten von 32 Prozent auf 46 Prozent steigen wird. Ladwig erläutert: „14 Prozent werden also zusätzlich psychischem Druck ausgeliefert, ohne dass für sie eine signifikant höhere Gefahr bestehen würde, eine tödliche Herz-Kreislauferkrankung zu entwickeln und ohne, dass eine Motivationswirkung […] zu erwarten wäre.“ Eine Übernahme der US-Leitlinien für Europa wäre daher aus Ladwigs Sicht nicht zu empfehlen.

Quelle: Ärzteblatt


Schnarchen schadet Beziehung

Belastung für Körper und Partner

Wie wohltuend ein erholsamer Nachtschlaf ist, merkt man erst, wenn er gestört ist – zum Beispiel durch einen schnarchenden Partner. Hinter den lauten Atemgeräuschen stecken aber manchmal auch ernste Erkrankungen.

Schlechter Schlaf neben einem Schnarcher

Eine aktuelle forsa-Umfrage unter 1012 Personen im Auftrag der Initiative Deutschland schläft gesund der Deutschen Stiftung Schlaf bringt es an den Tag: Ein schnarchender Partner stellt eine ernsthafte Belastung für die Beziehung dar. Drei Viertel der befragen Frauen und 6 von 10 Männern gaben bei der Befragung an, dass ihr Lebenspartner schnarcht. Die Konsequenz ist bei zwei Dritteln der Fälle eine gestörte Nachtruhe und bei fast jedem 8. Betroffenen führt das laute Schnarchen zu getrennten Schlafzimmern.

Die Partner von Schnarchern entwickeln unterschiedliche Strategien, mit denen sie den nächtlichen Lärm versuchen zu stoppen: Sie reichen vom Anstoßen des Schnarchers (45 Prozent) über Umdrehen im Bett (21 Prozent) und Aufwecken (11 Prozent) bis zur räumlichen Trennung in der Nacht.

Manchmal Hinweis auf schwerwiegende Ursache

Unter den Schnarchern weiß nur ein Bruchteil (5 Prozent), dass ein Gang zum Arzt durchaus ratsam sein kann. Nächtliche Atemaussetzer, die das Schnarchen manchmal begleiten, können ernsthafte körperliche Folgen haben: Diese meist unbemerkte Schlafapnoe wird mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischer Bronchitis und chronischem Husten sowie asthmatischen Beschwerden in Zusammenhang gebracht. Auch ein schlecht eingestellter Diabetes und Schlaganfälle scheinen laut Schlafforschern mit dem Schnarchen in Verbindung zu stehen.

Quelle: Ärzteblatt


Vorsorgeleistung für Männer

Kritischem Gefäßriss vorbeugen

Insbesondere für Männer höheren Alters besteht die Gefahr, dass sich im Bauchraum eine erweiterte Körperschlagader, ein so genanntes Aneurysma, bildet. Ein Riss des Gefäßes ist lebensbedrohlich. Experten raten, zeitig einen Termin für die kostenlose Vorsorgeuntersuchung zu machen.

Einmalige Leistung für Männer über 65 Jahren

Ein Bauch-Aortenaneurysma ist eine krankhafte Ausweitung der Hauptschlagader (Aorta), die bei Männern im höheren Alter 5-fach häufiger auftritt als bei Frauen. Überschreitet die Aussackung eine kritische Grenze, droht sie zu reißen und es kommt innerhalb von Sekunden zu lebensgefährlichen inneren Blutungen.

Wird eine erweiterte Bauchschlagader rechtzeitig erkannt, gibt es zwei Möglichkeiten: Der Arzt beobachtet die Veränderungen in nachfolgenden Untersuchungen oder er operiert, wenn das Risiko für einen Riss groß ist. „Genau das will das neue Screening leisten“, erklärt Prof. Thomas Schmitz-Rixen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin. Seit 2018 bieten die gesetzlichen Krankenkassen eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung einer erweiterten Bauchaorta an. Männer über 65 Jahren haben einen einmaligen Anspruch auf eine Ultraschalluntersuchung und die begleitende Beratung. Beides kann der Hausarzt vornehmen.

Nicht zögern: Vorsorgetermin machen

Wie Studien zeigen, verhindert die Früherkennung 3 Todesfälle bei 1000 untersuchten Männern. Bei fraglichen Fällen, die der Arzt weiter beobachtet, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für nachfolgende Ultraschallscreenings.

Männer, die rauchen, bereits länger unter Bluthochdruck leiden oder erhöhte Fettwerte im Blut aufweisen, gehören zu den Risikopatienten für ein Bauch-Aneurysma. Auch familiär gehäuft auftretende Aneurysmen und Herzkrankheiten erhöhen die Gefahr für eine erweiterte Bauchschlagader. „Wir raten diesen Risikopatienten, nicht zu lange abzuwarten und einen Screening-Termin zu vereinbaren“, betont Schmitz-Rixen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie


ADHS durch frühe Einschulung?

Aufmerksamkeitsstörungen immer häufiger

Sind Kinder in der Schule unruhig und konzentrieren sich schlecht, steht schnell die Diagnose ADHS im Raum. Amerikanische Forscher haben nun untersucht, ob solche Kinder schlicht zu früh eingeschult wurden.

Stichtag entscheidet über Alter bei Einschulung

In vielen Ländern regelt ein Stichtag, in welchem Alter Kinder eingeschult werden. Das hat zur Folge, dass der Altersunterschied zwischen den Schülern in vielen Grundschulklassen bis zu einem Jahr beträgt. Eine amerikanische Forschergruppe der Harvard Medical School hat nun eine interessante Beobachtung gemacht: Bei Kindern, die im August geboren wurden und deswegen noch sehr jung eingeschult wurden, wurde 34 Prozent häufiger eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert als bei solchen Kindern, die auf Grund ihres Geburtstags im September noch ein Jahr länger zuhause blieben. Untersucht wurden über 400 000 Grundschüler der Jahrgänge 2007 bis 2009. Die früh eingeschulten Kinder erhielten zudem 32 Prozent häufiger Medikamente wie Methylphenidat gegen die Erkrankung. Vor der Einschulung war die Anzahl der gestellten Diagnosen völlig unabhängig vom Geburtsmonat.

Mangelnde Schulreife statt ADHS

Die deutlichen Ergebnisse der Studie legen nah, dass die Diagnose ADHS oft gestellt wird, weil Kinder zu früh eingeschult werden. Denn auch fehlende Schulreife ist oft ein Grund, warum Kinder nicht still sitzen können und nur wenig Interesse am Unterricht haben. Häufig sind es dann die Lehrer, die Eltern auf Verhaltensauffälligkeiten aufmerksam machen und so den Gang zum Arzt einleiten. Andere Studien zeigen ganz ähnliche Phänomene: So haben Kinder, die nach dem Stichtag geboren sind, also später eingeschult werden, häufig bessere Noten als ihre jüngeren Mitschüler.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt


Besser mollig als Raucher

Rauchstopp lohnt sich trotz mehr Kilos

Wer mit dem Rauchen aufhört, nimmt häufig erst einmal ein paar Kilo zu. Auch, wenn ein etwas Gewicht zusätzlich auf die Waage kommt, überwiegen die gesundheitlichen Vorteile des Nicht-Rauchens.

Rauchstopp bedeutet Gewinn an Lebenszeit

Der Konsum von Nikotin steigert den Grundumsatz des Körpers und dämpft das Hungergefühl. Dementsprechend haben Menschen einen gesteigerten Appetit, wenn sie sich das Rauchen abgewöhnen. Ehemalige Raucher legen durchschnittlich 4 bis 5 Kilogramm an Gewicht zu, wenn sie konsequent auf Nikotin verzichten. „Lange Zeit war unklar, ob dieser Effekt den Gewinn an Lebenszeit, der durch den Rauchstopp erzielt wird, teilweise wieder zunichtemacht“, erläutert der Lungenspezialist Prof. Claus Vogelmeier. Diese Bedenken könne die aktuelle amerikanische Studie zerstreuen.

Wissenschaftler aus Boston werteten die Daten mehrerer Langzeitstudien aus, bei denen für 160.000 Teilnehmer Angaben zu Rauchstatus, Gewicht und Gesundheit vorlagen. Über einen Beobachtungszeitraum von im Durchschnitt 20 Jahren verglichen die Forscher Veränderungen, die ein Rauchstopp verglichen mit fortgesetztem Rauchen zur Folge hat.

Nichtrauchen hat nur Vorteile – wenn das Gewicht stabil bleibt

Die Gefahr, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder anderen Ursachen zu sterben, war für alle Ex-Raucher deutlich geringer als für die Gruppe der Immer-noch-Raucher. Der Gewinn an Lebenszeit galt laut den amerikanischen Forschern für alle Gewichtsgruppen. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) Vogelmeier ergänzt: „Dieser Effekt stellt sich sehr rasch nach dem Rauchstopp ein und wird in den ersten zehn bis fünfzehn Jahren immer größer.“ Lediglich Personen mit einer sehr starken Gewichtszunahme (mehr als 18 Kilogramm) hatten ein ähnliches Risiko wie Raucher, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

In den ersten 5 bis 7 Jahren nach dem Verzicht auf Zigaretten stieg das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, zunächst an und fiel danach wieder ab. „Das Diabetesrisiko stieg dabei umso stärker, je mehr Gewicht die Teilnehmer zulegten“, führt Vogelmeier aus. Ex-Raucher, die weniger als 5 Kilogramm zunahmen, waren von diesem Effekt nahezu nicht betroffen.

„Als Fazit bleibt festzuhalten: Ein Rauchstopp lohnt sich immer“, fasst DGIM-Generalsekretär Prof. Ulrich Fölsch die Studienergebnisse zusammen. Dies gelte auch für andere Krankheiten wie beispielsweise Rheuma und Magen-Darm-Leiden, unter denen Raucher deutlich stärker leiden als Nichtraucher.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.


Befreiung von Rezeptgebühr

Bei Krankenkassen beantragen

Für Patienten mit häufigen Verschreibungen bedeuten die jährlichen Rezeptgebühren eine erhebliche finanzielle Belastung. Welche Voraussetzungen sind für eine Zuzahlungsbefreiung notwendig? Die Apothekerkammer Niedersachsen gibt hilfreiche Tipps.

Grenze für Zuzahlung erreicht?

Gesetzliche Zuzahlungen kommen aus unterschiedlichen Bereichen auf den Patienten zu: bei Rezeptgebühren für Medikamente, bei Heil- und Hilfsmitteln, nach Krankenhausaufenthalten und Rehamaßnahmen. Es existiert ein Eigenanteil, den Patienten aus eigener Tasche zahlen müssen. Die Höhe richtet sich nach dem Haushalts-Bruttoeinkommen durch beispielsweise Gehalt oder Rente. Die Belastungsgrenze für alle in einem Haushalt lebenden Personen liegt jährlich bei 2 Prozent der Bruttoeinkünfte. Patienten mit chronischen Erkrankungen unterliegen einer Höchstgrenze von lediglich 1 Prozent beim Eigenanteil.

Bei Überschreiten der Belastungsgrenze können sich Patienten von weiteren Zuzahlungen bei ihrer Krankenkasse für das laufende Jahr befreien lassen. Bereits zu viel geleistete Beträge erstatten die Krankenkassen auch rückwirkend. Allerdings müssen Betroffene alle Zahlungsbelege und Quittungen zusammen mit ihrem Einkommensnachweis bei den Kassen vorlegen. Dabei ist wichtig, dass alle Belege den korrekten und vollständigen Namen des Versicherten enthalten. Bei Bedarf legen die Mitarbeiter der Apotheken für Stammkunden ein Kundenkonto an, über das problemlos alle geleisteten Zahlungen abrufbar sind.

Befreiung auch im Voraus möglich

Manche Patienten wissen bereits im Vorfeld, dass sie mit ihren Zuzahlungen einen Betrag oberhalb der Belastungsgrenze erreichen. Für die Betroffenen besteht die Möglichkeit, den persönlichen Grenzbetrag an die Krankenkasse zu entrichten und in der Folge für das laufende Kalenderjahr von allen Zuzahlungen befreit zu werden. Das lästige Sammeln von Belegen und Quittungen entfällt ebenfalls.

Quelle: Apothekerkammer Niedersachsen


Hilfe bei Erdnussallergie

Therapie für den Ernstfall

Kommen Erdnussallergiker auch nur mit kleinen Mengen des Allergens in Kontakt, sind die Folgen mitunter lebensbedrohlich. Eine neue Therapie könnte Betroffene zumindest vor den schlimmsten allergischen Symptomen schützen.

Gefährliche Allergie mit steigender Tendenz

Etwa jedes 100. Kind in Deutschland reagiert allergisch auf Erdnüsse: Das äußert sich in Magen-Darm-Beschwerden über heuschnupfenartige Symptome bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Bei manchen Menschen reichen für schwere Reaktionen kleinste Mengen Erdnusseiweiß aus, das über die Nahrung, bloßes Einatmen oder über die Haut in den Körper gelangt.

Der Verzicht auf erdnusshaltige Produkte ist die einzig mögliche Therapie. Für Betroffene gestaltet sich das schwierig; auch in unverdächtigen Produkten wie zum Beispiel Speiseöl, Cornflakes, Müsli, Chips, Wachsmalstiften und Kosmetika sind häufig Spuren von Erdnüssen enthalten.

Eine Arzneimittelstudie an 66 Kliniken in Amerika und Europa setzte sich zum Ziel, Erdnussallergiker mit Hilfe einer Gewöhnungstherapie zumindest vor den schlimmsten allergischen Beschwerden zu bewahren. An der Studie nahmen insgesamt 551 Patienten teil, die allergisch auf Erdnüsse reagierten. Die meisten (496) waren jünger als 18 Jahre. Voraussetzung für eine Teilnahme war unter anderem eine positive Reaktion auf 100 Milligramm Erdnussprotein, was etwa einem Drittel der in einer Erdnuss enthaltenen Menge entspricht.
Die Teilnehmer erhielten zu Beginn der Untersuchung 0,5 Milligramm Erdnussprotein, wobei sich die Menge über 22 Wochen auf eine Dosis von 300 Milligramm steigerte, die dann über ein halbes Jahr verabreicht wurden.

Therapie schützt vor Folgen eines versehentlichen Kontakts

Zwei Drittel der Patienten im Alter von 4 bis 17 Jahren (67 Prozent) waren nach Therapieende in der Lage, eine Dosis von 600 Milligramm Erdnussprotein (entspricht 2 Erdnüssen) zu tolerieren, verglichen mit 4 Prozent der Kontrollgruppe. Eine Menge von 3 bis 4 Erdnüssen (1000 Milligramm) vertrug noch die Hälfte der Patienten, aber nur 2,4 Prozent der Kontrollgruppe.

Eine bestehende Erdnussallergie heilt durch die orale Immuntherapie nicht aus, die Patienten sind jedoch weitgehend vor den gravierenden Folgen eines versehentlichen Kontakts geschützt, zu dem es bereits beim Essen in der Kantine oder im Restaurant kommen kann.

Die Aussicht für eine baldige Zulassung der oralen Immuntherapie in den USA sind gut und in Europa wird demnächst mit einem Antrag auf Zulassung gerechnet.

Quelle: Ärzteblatt


Sensible Nerven bei unruhigen Beinen

Ursachenforschung bei Restless Legs

Die Nerven von Patienten mit Restless Legs Syndrom (RLS) geben bereits schwache Impulse an die Muskulatur weiter, die dann zuckt und schmerzt. Diese Übererregbarkeit trägt laut Göttinger Neurologen zum Krankheitsbild der unruhigen Beine bei.

Nerven in Beinen bei RLS schneller aktiviert

Am Restless Legs Syndrom oder den unruhigen Beinen sind in Deutschland mehrere 100.000 Menschen erkrankt. Wenn der Körper eigentlich zur Ruhe kommt – also am Abend und in der Nacht – beginnen häufig die Beschwerden: Betroffene klagen über Kribbeln, Reißen und Krämpfe in den Beinen und sie verspüren einen unnatürlichen Bewegungsdrang. Durch den ständigen Schlafmangel fühlen sich RLS-Patienten müde und erschöpft. Die Beschwerden treten ein- oder beidseitig in Beinen oder Armen auf.

Wissenschaftler der Universität Göttingen zeigten in einer aktuellen Untersuchung, dass eine erhöhte Erregbarkeit der peripheren Nerven beim RLS eine Rolle spielt. An der Studie nahmen 34 RLS-Patienten teil, die keine Medikamente einnahmen, sowie 38 gesunde Probanden. Das Team um Dirk Czesnik ermittelte an den Endigungen des Mittelarmnerves (Nervus medianus) eine unterschiedliche Erregbarkeit in den beiden Teilnehmergruppen: Die Forscher machen bestimmte Kanäle verantwortlich, die sich bei den Nervenzellen von RLS-Patienten bereits bei schwachen Impulsen öffnen und das Signal an die Muskulatur weiterleiten.

In künftigen Studien wollen die Mediziner die Wirkung von Medikamenten testen, die genau an diesen Kanälen ansetzen und die Erregbarkeit der Muskeln verringern. Auch der Effekt bereits etablierter Arzneimittel auf die Nervenerregung in der Peripherie ist Bestandteil neuer Untersuchungen.

Quelle: Ärzteblatt


Diät oder Intervallfasten?

Das Wichtigste ist Durchhalten

Intervallfasten hilft Übergewichtigen nicht nur beim Abnehmen, sondern ist auch gesund. Die gleichen positiven Wirkungen haben herkömmliche Reduktionsdiäten. Heidelberger Forscher sehen viele individuelle Wege zu einem gesunden Gewicht.

Intervallfasten: gesünder und effektiver als Diät?

Es klingt verlockend: 8 Stunden schlemmen, soviel man möchte und anschließend die folgenden 16 Stunden hungern. Oder gleich 2 ganze Tage fasten, dafür die restlichen 5 Tage der Woche ohne Reue genießen. Zahlreiche Ratgeber versprechen mit dem Intervallfasten – auch bekannt als 16:8- oder5:2-Diät – garantierten Gewichtsverlust ohne Jojo-Effekt mit nachhaltiger Verbesserung der körperlichen Gesundheit.

„Tatsächlich gibt es erst wenige kleinere Studien zum intermittierenden Fasten, die aber mit verblüffend positiven Effekten für die Stoffwechsel-Gesundheit aufwarten“, erläutert Ruth Schübel vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). „Das hat uns neugierig gemacht und wir wollten wissen, ob sich diese Effekte auch in einer größeren Patientengruppe und über einen längeren Zeitraum nachweisen lassen.“

Zusammen mit Wissenschaftlern vom Universitätsklinikum Heidelberg untersuchte Schübel über 1 Jahr den Erfolg von Diäten und Intervallfasten auf Gewicht und Gesundheit von 150 übergewichtigen und fettleibigen Teilnehmern. Ein Drittel der Probanden ernährte sich 12 Wochen lang nach einer Reduktionsdiät mit einer um 20 Prozent verringerten täglichen Kalorienaufnahme. Die zweite Gruppe folgte einem 5:2-Diätplan, mit dem sie wöchentlich ebenfalls 20 Prozent der Kalorien einsparten. Die Teilnehmer der Kontrollgruppe nahmen an keiner Diät teil, sollten sich aber wie alle anderen ausgewogen ernähren. Nach der Diät dokumentierten die Forscher für weitere 38 Wochen Gewicht und Gesundheitszustand.

Bauch- und Leberfett reduzieren – egal wie

Beide Diätformen verbesserten in gleichem Maß die körperliche Gesundheit der Teilnehmer. „Bei den Probanden beider Gruppen verringerte sich mit dem Körpergewicht das viszerale Fett, also das ungesunde Bauchfett, ebenso die Fettablagerungen in der Leber“, hebt Schübel hervor. Ebenfalls keinen Unterschied zwischen den Diätformen fanden die Studienautoren bei verschiedenen Stoffwechselwerten und Genaktivitäten.

Tilman Kühn, Leiter der Studie, fasst als Ergebnis zusammen, dass es weniger auf die Diätform ankomme, sondern darauf, sich für eine Methode zu entscheiden und diese dann durchzuziehen. „Zudem scheint es, dass es einigen Menschen leichter fällt, an zwei Tagen sehr diszipliniert zu sein, statt jeden Tag Kalorien zu zählen und sich einzuschränken. Um das neue Gewicht zu halten, bedarf es aber auch einer dauerhaften Ernährungsumstellung auf ausgewogene Kost nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.“

Quelle: DKFZ


Händedesinfektion in Kita lohnt sich

Handhygiene gegen Atemwegsinfekte

Kinder erkranken seltener an Infektionen der Atemwege und benötigen weniger antibiotische Medikamente, wenn sie bei der Handhygiene Desinfektionsmittel verwenden.

Alle Jahre wieder: Husten und Infekte der Atemwege in Kitas

In der kalten Jahreszeit haben in Kindergärten und Krippen wieder Husten, Ohrenentzündung und Bronchitis Hochkonjunktur. Ernestina Azor-Martinez und ihre Kollegen vom Krankenhaus Torrecardenas in Almeria, Südspanien, gingen der Frage nach, ob eine bessere Hygiene der Hände einen Einfluss auf die Zahl der Atemwegserkrankungen bei Kindern hat. Hierfür untersuchten sie insgesamt 911 Kinder bis zu 3 Jahren, die mindestens 15 Stunden pro Woche in einer öffentlichen Einrichtung betreut wurden.

Die Forscher teilten die Kinder in 3 Gruppen ein: Ein Teil der Kinder wusch die Hände mit Wasser und Flüssigseife ohne antibakterielle Zusätze. Die zweite Gruppe verwendete ein Handdesinfektionsmittel mit 70 Prozent Ethanol und die Kinder der Kontrollgruppe behielten ihre üblichen Handwaschgewohnheiten bei. Alle Kinder und Betreuer wuschen sich die Hände entsprechend den speziellen Vorgaben nach Ankunft und vor Verlassen der Einrichtung, vor und nach dem Essen, nach Aufenthalten im Freien, nach Toilettengängen sowie nach Niesen oder Naseputzen. Zusätzlich gab es Schulungen für Eltern und Betreuer zum Thema Handhygiene und über die richtige Verwendung von Desinfektionsmitteln.

Mit Händedesinfektion seltener krank und weniger Antibiotika

In den acht Monaten von November 2013 bis Juni 2014 kam es zu insgesamt 5211 Fällen von Atemwegserkrankungen in den Kitas. Dabei hing das Erkrankungsrisiko der Kinder von der Art ihrer Handhygiene ab: Kinder, die sich die Hände desinfizierten, erkrankten mit einem um 23 Prozent geringerem Risiko als die Kinder aus der Kontrollgruppe. Ihnen wurde im Vergleich 31 Prozent weniger Antibiotika verschrieben. Kinder, die sich die Hände mit Wasser und Seife wuschen, besaßen ein um 21 Prozent höheres Infektionsrisiko und um 31 Prozent mehr Verschreibungen für Antibiotika als die Kinder aus der Desinfektionsgruppe.

Insgesamt gab es 5186 Fehltage aufgrund von Atemwegsinfekten. Kinder aus der Gruppe mit Handdesinfektion blieben deutlich weniger Tage zu Hause als die Kita-Kinder der Seifen- oder Kontrollgruppe (3,3 Prozent gegenüber 3,9 und 4,2 Prozent).

Quelle: Ärztezeitung


Diabetes Typ 2 ist kein Schicksal

Test und Beratung in Apotheken

Gegen den so genannten Altersdiabetes (Diabetes Typ 2) kann jeder Einzelne aktiv werden: Gesunde Ernährung, körperliche Betätigung und Nikotinverzicht mindern das Erkrankungsrisiko. Beratung und Tipps für Betroffene und Angehörige geben die Apotheker vor Ort.

Diabetes: Herausforderung für Kranke, Familie und Gesellschaft

Die Krankheit Diabetes trifft nicht nur den Erkrankten selbst, sondern in großem Maß auch dessen Familienangehörige: Sie erkennen die Symptome der Krankheit oft als erste und unterstützen den Diabetiker täglich bei einem gesunden Lebensstil.

„Zum Glück sind wir dem Typ-2-Diabetes und dessen Folgen nicht schicksalhaft ausgeliefert“, erinnert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er betont, dass die Patienten nicht nur eine erhebliche Minderung der Lebensqualität erführen, auch die wirtschaftliche Belastung durch Diabetes sei enorm. Daher müssten in Deutschland die Anstrengungen bei Prävention (Vorbeugung) und Versorgung weiter intensiviert werden.

Apotheken mit hohem Stellenwert bei Diabetesprophylaxe

Ein wichtiges Bindeglied zwischen Patienten und Ärzten stellen die Apotheker dar. Viele Apotheken bieten als Serviceleistung für Ihre Kunden beispielsweise Blutzuckermessungen vor Ort an. „Wenn jemand ein erhöhtes Risiko für Diabetes hat, beraten wir den Patienten gerne ausführlich“, erklärt Cynthia Milz, Apothekerin und Sprecherin des Wissenschaftlichen Instituts für Prävention im Gesundheitswesen der Bayerischen Landesapothekerkammer. „Denn mit regelmäßiger Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und Nichtrauchen kann jeder Einzelne sein Risiko selbst beeinflussen.“

Geschultes Fachpersonal in vielen Apotheken gibt Auskunft zu Ernährungsfragen und kann Tipps für eine gesündere Lebensweise geben. Messaktionen und Vorträge runden das Angebot der Apotheken ab und tragen laut Milz viel zur Gesundheitsaufklärung der Bevölkerung bei. Weitere Informationen zum speziellen Leistungsangebot der Apotheke vor Ort erhalten Sie telefonisch oder über die Suchfunktion auf www.apotheken.de.

Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung, Apotheker wichtig in der Diabetesprävention, 14.11.2018


Grippeimpfung beugt Herzinfarkt vor

Kasse zahlt neuen Impfstoff

Insbesondere für ältere Menschen und chronisch Kranke hat die Impfung gegen Grippe große Vorteile: Geimpfte erleiden deutlich seltener einen Herzinfarkt. 2018 übernehmen die Krankenkassen die Kosten für den Impfstoff.

Impfung schützt vor Folgeerkrankungen

Eine Infektion mit Influenzaviren kann schwere oder sogar tödliche Verläufe nehmen – besonders ältere Menschen und Patienten mit chronischen Erkrankungen sind davon betroffen. Gefürchtete Komplikationen sind zum Beispiel Entzündungen des Herzmuskels und des Gehirns.
Aktuelle Studien zeigen, dass die Grippeimpfung einen Herzinfarkt ähnlich effektiv verhindert wie ein Rauchstopp oder die Einnahme von blutdruck- oder cholesterinsenkenden Medikamenten. Auch Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, profitieren von der Grippeimpfung: Nach 6 Monaten betrug die Rate an kardiovaskulären Todesfällen bei Geimpften 2 Prozent, verglichen mit 8 Prozent bei Nicht-Geimpften. Prof. Gerd Fätkenheuer, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, betont: „Diese wissenschaftlichen Belege machen deutlich, dass die Impfung gegen Influenza gerade bei Herzpatienten ein wesentlicher und selbstverständlicher Bestandteil der Vorsorge sein sollte. Dennoch sind die Impfraten bei Risikopatienten leider nach wie vor niedrig.“

Die Monate Oktober und November sind der beste Zeitpunkt für eine Grippeimpfung: Der Körper besitzt erst nach etwa 2 Wochen den kompletten Impfschutz und kann dann die nächste Grippewelle erfolgreich abwehren. In der Saison 2017/2018 fiel diese mit 334.000 Grippekranken und 1.100 Grippetoten allein in Berlin besonders stark aus.

Vierfach-Impfstoff auch gegen Influenza B

In der vergangenen Saison enthielt der Grippeimpfstoff Komponenten aus drei Virusstämmen. Er war nur begrenzt wirksam, da der Hauptanteil der Erkrankungen durch eine nicht enthaltene Variante des Influenza B-Virus ausgelöst wurde. Für die Saison 2018/2019 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut einen Vierfach-Impfstoff. Fätkenheuer ist sicher: „Mit der Impfung gegen vier statt drei verschiedene Viren-Stämme können in der kommenden Saison aller Voraussicht nach deutlich mehr Erkrankungen verhindert werden.“ Die Kosten werden in diesem Jahr von den Krankenkassen erstattet. Die STIKO empfiehlt eine Grippeimpfung für chronisch Kranke, Personen über 60 Jahren, Schwangere und Angehörige medizinischer Berufe.

Quelle: Bundesverband Deutscher Internisten e. V.

Weitere Informationen zur Schutzimpfung gegen Grippe auf den Seiten des Robert Koch-Instituts.


Diät bei Zöliakie bald überflüssig?

Neues Arzneimittel attackiert Gluten

Was bei Laktoseintoleranz schon lange Realität ist, könnte bald bei Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) auf den Markt kommen: Wiener Forscher entwickelten Antikörper, die Gluten umklammern und aus dem Verkehr ziehen. Das Mittel soll ab 2021 in Apotheken erhältlich sein.

Neuer Forschungsansatz: Antikörper direkt gegen Gluten

Etwa jeder 100. Deutsche leidet unter einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Eiweiß Gluten, das in Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel vorkommt. Der Verzehr von glutenhaltigen Produkten führt bei Betroffenen zu einer Entzündungsreaktion im Dünndarm, die mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Blähungen verbunden ist. Der Körper nimmt weniger Nährstoffe auf, was insbesondere bei Kindern zu Wachstumsstörungen und Blutarmut zur Folge hat. Die bisher einzig mögliche Therapie besteht aus einer lebenslangen, glutenfreien Diät.

Österreichische Wissenschaftler entwickeln derzeit ein Mittel, das direkt gegen Gluten gerichtet ist. Prof. Oliver Spadiut, Studienleiter von der Technischen Universität Wien, erläutert den Wirkmechanismus des Arzneimittels: „Unser Körper produziert Antikörper, die genau zu eindringenden Antigenen passen […]. Durch diese Immunreaktion werden diese Antigene unschädlich gemacht. Wenn man nun ein neuartiges Antikörperfragment […] herstellt, welches an das eindringende Glutenmolekül andockt und es blockiert, ohne aber das Immunsystem anzuregen, dann kann man die Symptome der Zöliakie unterdrücken.“

Ziel: Patienten erhalten Mittel ab 2021 in Apotheken

Bei der Herstellung der Antikörper arbeitete die Universität mit einem Industriepartner zusammen, der das Medizinprodukt auch auf den Markt bringen wird. „Es wird sich um ein Präparat handeln, das Zöliakie-Patienten zusammen mit glutenhaltigen Lebensmitteln einnehmen können, um die Zöliakie-Symptome zu lindern“, fasst Spadiut zusammen. „Ob die Symptome dadurch ganz zum Verschwinden gebracht oder nur abgeschwächt werden, muss sich erst zeigen – das ist wohl auch von Person zu Person unterschiedlich. Wir rechnen jedenfalls fest damit, dass das Produkt bereits im Jahr 2021 in gewöhnlichen Apotheken zu haben sein wird.“

Quelle: Bundesverband Deutscher Internisten e. V.


Antibiotika korrekt einnehmen

7 Tipps für den richtigen Umgang

Multiresistente Keime sind derzeit in aller Munde. Bei diesen Erregern wirken die meisten Antibiotika nicht mehr. Experten der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) geben Patienten wichtige Tipps zu Einnahme und Dosierung von Antibiotika.

Resistenzen vermeiden

Als Antibiotika werden Arzneimittel bezeichnet, die das Wachstum von bakteriellen Erregern verhindern und aus diesem Grund bei einer Vielzahl von Infektionskrankheiten – oft auch lebensbedrohlichen Erkrankungen – zum Einsatz kommen. Seit der Entdeckung des Penicillins durch Alexander Fleming zählen Antibiotika zu den größten Errungenschaften der modernen Medizin und gehören zu den weltweit häufigsten verschriebenen Medikamenten.

Dabei ist es möglich, dass Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren, wenn die Bakterien mit der Zeit eine Widerstandsfähigkeit oder Resistenz gegen das Arzneimittel entwickeln. „Durch eine verantwortungsvolle Anwendung können Patienten dazu beitragen, dass die Antibiotika ihre Wirkung behalten“, betont der Vizepräsident der Bundesapothekerkammer Thomas Benkert.

Auf was sollten Anwender von Antibiotika achten?

  • Antibiotika unbedingt entsprechend der ärztlichen Verordnung einnehmen.

  • Das Antibiotikum so lange und in der Dosierung einnehmen, die der behandelnde Arzt verschrieben hat.

  • Informationen über Wechselwirkungen und die richtige Einnahme der Antibiotika geben die Apotheker. Milch oder kalziumreiche Mineralwässer schwächen die Wirkung mancher Präparate ab. Am besten eignet sich ein Glas Wasser zum Einnehmen der Tabletten.

  • Antibiotikareste dürfen nicht aufgehoben und bei der nächsten Infektion eigenmächtig vom Patienten eingenommen werden.

  • Die verordneten Präparate sollten auf keinen Fall an andere Patienten weitergegeben werden.

  • Antibiotika entsorgt man über den Hausmüll, nicht über die Toilette oder das Waschbecken. Auf diesem Weg entstehen Resistenzen. Manche Apotheken bieten die Entsorgung von Arzneimittelresten als freiwilligen Service für ihre Kunden an.

  • Besser als die Behandlung von Infektionen ist die Vorbeugung: Viele Infektionen vermeidet man durch Händewaschen und regelmäßige Impfungen, beispielsweise gegen Grippe.

Quelle: ABDA